Auf Ebene 4 des Technischen Museums Wien steht ein Kasten von zehn mal zehn mal zwanzig Zentimetern, keine zwei Kilogramm schwer. Nichts an ihm sieht nach Raumfahrt aus. Trotzdem gibt es dieses Objekt zweimal: einmal hier auf einem Tisch, einmal seit Juni 2017 in einer Umlaufbahn rund 500 Kilometer über der Erde.
Christian Klösch, Historiker und Kustos für Raumfahrt am Technischen Museum Wien, legt Wert auf eine Unterscheidung: Was im Museum steht, ist kein Modell des Pegasus-Satelliten, sondern ein Engineering-Modell im Maßstab 1:1. Wer einen Satelliten baut, baut ihn zweimal: einen für den Start, einen für die Erde, an dem sich nachvollziehen lässt, was oben kaputtging. Mit ein paar Modifikationen, sagt Klösch, könnte man auch dieses Exemplar starten, als Pegasus 2 vielleicht.
Der Bautyp heißt CubeSat: ein genormter Würfel von zehn Zentimeter Kantenlänge, Pegasus besteht aus zweien davon. Die Bauform gibt es seit rund 20 Jahren. Zwei kalifornische Universitäten, darunter die Stanford University, suchten damals nach einem Weg, Satelliten so zu vereinfachen und zu normen, dass sich auch Fachhochschulen und private Firmen einen leisten können. Klösch vergleicht die Wirkung mit dem Container in der Schifffahrt: einmal genormt, lässt sich alles mühelos von A nach B bringen.
Für die Raumfahrt sind das bescheidene Summen: rund 50.000 Dollar der Bau, etwa 100.000 Dollar der Start. Verglichen mit den Millionen früherer Jahrzehnte nennt Klösch das eine Demokratisierung: Bisher konnten nur große Staaten Satelliten hochschießen, die USA, Russland, China.

Pegasus ist der dritte österreichische Satellit und der erste, der von A bis Z in Österreich konzipiert und gebaut wurde, an der FH Wiener Neustadt. Gestartet ist er am 23. Juni 2017. Er gehört zum internationalen Konsortium QB50, das die Thermosphäre untersucht, die oberste Atmosphärenschicht. Pegasus umkreist die Erde in knapp 500 Kilometern Höhe, einmal alle 95 Minuten, und misst dort mit einer Sonde Dichte und Temperatur der Elektronen. Damit fliegt er rund 100 Kilometer höher als die Internationale Raumstation, die im Schutz des Strahlungsgürtels bleibt. Ewig hält er sich nicht: Die Restatmosphäre bremst ihn, er sinkt, irgendwann verglüht er. 2021, knapp vier Jahre nach dem Start, rechnete Klösch mit etwa zwei weiteren Jahren.
Das eigentliche Problem beginnt damit erst. Rund 1.300 CubeSats sind in 20 Jahren gestartet worden, für 2021 waren 700 weitere geplant, dazu etwa 2.000 funktionstüchtige Satelliten anderer Bauart. Und dann der Rest: ausgefallene Satelliten, Trümmer von Kollisionen, ausgebrannte Raketenstufen aus den 1960er und 1970er Jahren, zehntausende Teile. Die europäische Raumfahrtagentur ESA plant Missionen, die solchen Schrott einfangen und gezielt zum Absturz bringen sollen – Müllabfuhren im All.
Weitere österreichische Würfel sind in Arbeit: an der FH Wiener Neustadt, beim TU Space Team, beim Österreichischen Weltraumforum. Der Zugang zum All ist billig geworden, der Platz dort oben nicht. Was als Demokratisierung begann, hinterlässt fliegende Müllberge über unseren Köpfen.
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