Irgendwo auf der Erde regnet es immer. Im Ars Electronica Center in Linz konnte man dabei zusehen. Auf einem schwarzen Holzsockel liegt eine Weltkarte, eingelassen und mit Sand gefüllt. Darüber bewegt eine Mechanik in zwei Richtungen, ähnlich wie bei einem Plotter, einen kleinen Wassertank. Er hält an, ein Tropfen fällt, und im Sand bleibt eine Spur. Dort, wo der Tropfen gelandet ist, regnet es in diesem Moment wirklich.
Die Arbeit heißt „watermap“, gebaut hat sie der Linzer Künstler Daniel Fischer. Ein kleiner Computer liest laufend Wetterdaten aus und steuert den Tank über die Karte. Fischer nennt das eine physische Live-Visualisierung des Wetters. Sein Ausgangspunkt ist einfach: Ohne Wasser gibt es nichts Organisches. Der Regen bringt, symbolisch, die ganze Welt zum Leben, und deshalb wird er hier mit echtem Wasser gezeigt.

Wetter, das man sonst nur am Handy sieht
Wie viel es regnet, erfahren die meisten Menschen heute von einer App, und zwar für den eigenen Ort. Das Ars Electronica Center beschreibt „watermap“ als Gegenentwurf dazu: Die Messdaten zum Niederschlag kommen zurück in ihr ursprüngliches Medium, das Wasser. Statt einer Zahl für eine Stadt zeigt die Karte den Regen der ganzen Welt auf einmal. Und weil die Tropfen Spuren im Sand hinterlassen, entsteht ein zerbrechliches Bild zwischen Gegenwart und Vergangenheit, das sich mit jedem Tropfen verändert.
Das Ziel formuliert das Center so: Die Arbeit soll an den unschätzbaren Wert des Wassers erinnern und an seine Verteilung auf der Erde. Auf der Karte sieht man, wo es gerade nass wird und wo nicht.
Vom Hauptplatz ins Museum
Entstanden ist „watermap“ während Fischers Studium an der Kunstuniversität Linz. Öffentlich zu sehen war die Arbeit zuerst beim Ars Electronica Festival im September 2021, in der Ausstellung „Loops of Wisdom“, mit der die Kunstuni ihre Gebäude am Linzer Hauptplatz bespielte. Im Sommer 2022 wanderte sie über die Donau ins Ars Electronica Center: Von Juni bis September stand sie dort in „TIME OUT .11“, einer Ausstellungsreihe, in der das Center seit 2014 Arbeiten von Studierenden der Kunstuni zeigt.
Danach blieb sie. Ab September 2022 gehörte „watermap“ zur Ausstellung „Global Shift“, die das Center im Mai 2019 eröffnet hatte. Thema war das Anthropozän, also die Zeit, in der der Mensch zum wichtigsten Faktor für die Veränderungen auf der Erde geworden ist. Zwischen Satellitendaten und interaktiven Karten setzte „watermap“ auf etwas, das man begreifen kann, im wörtlichen Sinn. Das Center nennt das „haptisch und unmittelbar“.
Daten werden wieder zu Wasser
Daniel Fischer, 1978 in Tirol geboren und im Burgenland aufgewachsen, lebt und arbeitet seit 2006 als Künstler in Linz. Als interdisziplinärer Künstler beschäftigt er sich mit dem Verhältnis von Technologie und Gesellschaft. Seine Arbeiten übersetzen Daten in etwas, das man sehen, hören oder angreifen kann. Bei „The Scream of Music“ wurde ein Filmbild zu Jodelgesang, den ein Lautsprecher über die Donau schickte, und am anderen Ufer wieder zu einem Bild aus Postkarten. Bei „watermap“ geht es zurück zum Anfang: Messwerte über Regen, gesammelt aus aller Welt, werden in Linz wieder zu dem, was sie einmal waren. Zu einem Tropfen Wasser.
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