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October 28, 2026
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Wien Museum

Kriegspropaganda auf Wiener Postkarten: Georg von Trapp und U 5

Mondlicht, ein Torpedo, ein Held zum Sammeln: Wie Wiener Postkarten 1915 aus Georg von Trapp, dem späteren Kapitän aus „The Sound of Music“, einen U-Boot-Star machten.

Kriegspropaganda auf Wiener Postkarten: Georg von Trapp und U 5
Harry Heusser, Spur des Torpedos von U V gegen Léon Gambetta, Karte des Österreichischen Flottenvereins, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Mondlicht liegt auf dem Meer. Ein U-Boot fährt aufgetaucht durch die Wellen, von ihm aus zieht eine helle Spur übers Wasser bis zu einem Kriegsschiff am Horizont, an dem gerade eine Wassersäule hochschießt. Darüber steht: „Spur des Torpedos des österr.-ung. Unterseebootes U V, welches den französischen Kreuzer Léon Gambetta zum Sinken brachte.“ Die Postkarte, gemalt von Harry Heusser, gab der Österreichische Flottenverein heraus, als „offizielle Karte“ zugunsten der Kriegsfürsorge. Heute liegt sie im Wien Museum, zusammen mit Dutzenden ähnlichen Karten aus dem Ersten Weltkrieg.

Das Mondlicht ist nicht erfunden. „Es war Mondschein und der Himmel leicht bewölkt“, erzählte der Kommandant von U 5 der Illustrierten Kronen Zeitung, die das Gespräch am 2. Mai 1915 druckte. Sein Name: Georg Ritter von Trapp. Später wurde er als singender Kapitän in „The Sound of Music“ weltberühmt. 1915 machten ihn die Wiener Postkarten zum Helden.

Die Nacht vor Kap Leuca

Trapps Bericht ist knapp und sachlich. Er hatte das Kommando über U 5 erst kurz zuvor übernommen, es war seine erste Fahrt mit dem Boot. Gegen Mitternacht, etwa zwanzig Seemeilen südöstlich von Kap Leuca an der Südspitze Apuliens, kam ihm in der Nacht auf den 27. April 1915 ein großes Schiff mit abgedunkelten Lichtern in Sicht: ein französischer Panzerkreuzer. Auf etwa 500 Meter feuerte er zwei Torpedos ab, einen auf die hinteren Schornsteine, einen auf die vorderen. Die Detonationen seien deutlich zu hören gewesen, jeden Treffer habe die Mannschaft mit einem Hurra begrüßt.

Was das bedeutete, steht in Trapps Bericht nicht. Die „Léon Gambetta“ sank in wenigen Minuten, mehr als 600 der über 800 Mann an Bord starben. In Wien feierten die Zeitungen den Kommandanten. Die Neue Freie Presse schrieb am 30. April, die Namen „Lerch und Trapp“ würden unvergänglich sein.

Kriegspostkarte von 1915: Porträt von Georg von Trapp in Marineuniform in einem Blumenrahmen
„Linienschiffsleutnant Georg Ritter v. Trapp“, offizielle Karte des Österreichischen Flottenvereins für Rotes Kreuz, Kriegsfürsorgeamt und Kriegshilfsbüro, 1915. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Helden zum Sammeln

Kriegspostkarten wie diese hatten gleich zwei Aufgaben. Sie brachten Geld für die Kriegsfürsorge und sie erzählten den Krieg so, wie er zu Hause gesehen werden sollte. Auf vielen Karten des Flottenvereins steht deshalb ausdrücklich, für wen sie verkauft wurden: für das Rote Kreuz, das Kriegsfürsorgeamt und das Kriegshilfsbüro. Gedruckt und verlegt wurden sie oft in Wien, etwa bei der Kunstanstalt C. Angerer & Göschl oder bei den Brüdern Kohn.

Trapp bekam gleich mehrere Karten. Es gibt Porträts mit Orden in einem Rahmen aus Blumen und eine Karte mit dem Titel „Der heldenmütige Kommandant der U. 5“. Der Deutsche Schulverein, ein deutschnationaler Verein mit Sitz in Wien, brachte eine Karte mit Trapps Porträt unter einem U-Boot heraus, darüber blickt der Geist eines alten Admirals aus den Wolken. Die Aufschrift: „Zur Tat von U 5. Tegetthoffs Geist lebt!“ Wilhelm von Tegetthoff hatte 1866 die Seeschlacht von Lissa gewonnen. Seit 1886 steht er in Bronze auf einer Säule am Praterstern.

Kriegspostkarte des Deutschen Schulvereins: U-Boot im Sturm, darüber der Geist Tegetthoffs, unten ein Porträt von Georg von Trapp
„Zur Tat von U 5. Tegetthoffs Geist lebt!“, Kriegspostkarte des Deutschen Schulvereins, 1915. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Sogar zum Anstecken gab es den Helden. Das gelbe Vivatband „Vivat U5“ von Alfred Offner zeigt ein Periskop über dem Meer, Trapps Namen und darunter den Hinweis, es sei das offizielle Band für das Rote Kreuz, das Kriegsfürsorgeamt und das Kriegshilfsbüro, 1914/15. Solche bedruckten Bänder waren eine alte Tradition. Im Ersten Weltkrieg wurden sie als Kriegsspende verkauft und gesammelt.

Gelbes Vivatband Vivat U5 mit Periskop, Meer und dem Namen Trapp
Alfred Offner, Vivatband „Vivat U5“, 1915. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Vor Trapp kam Lerch

Trapp war nicht der erste U-Boot-Held der Wiener Postkarten. Schon vor ihm hatte Egon Lerch mit U 12 das Flaggschiff der französischen Flotte angegriffen. Auch ihn malte Harry Heusser, im Sturm auf dem Turm seines Boots: „Treue Wacht. Egon Lerch auf U 12.“ Lerch kam am 8. August 1915 ums Leben, als U 12 vor Venedig auf eine Mine lief. Niemand an Bord überlebte.

Kriegspostkarte: Egon Lerch auf dem Turm von U 12 in schwerer See
Harry Heusser, „Treue Wacht. Egon Lerch auf U 12“, Karte des Österreichischen Flottenvereins, 1915. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Drei Tage vorher, am 5. August 1915, hatte Trapp mit U 5 bei der Insel Pelagosa das italienische U-Boot „Nereide“ versenkt, die ganze Besatzung starb. Auch dazu gab es eine Karte. Sie heißt nur „Vernichtung des ital. Unterseebootes Nereide durch ein Österreichisches“. Trapps Name kommt darin nicht vor.

Was die Karten nicht zeigen

Auf keiner der Karten hier sieht man Tote. Man sieht Mondlicht, Wellen, Orden und Admirale in den Wolken. Die Bilder sind gemalt und so angelegt, dass man sie gern kauft und verschickt. U 5 selbst lief 1917 vor Pola auf eine Mine, wurde gehoben und wieder eingesetzt und ging nach dem Krieg an Italien, wo es verschrottet wurde. Trapp bekam 1924 nachträglich den Militär-Maria-Theresien-Orden.

Seine bekannteste Rolle aber kam erst Jahrzehnte später, und auch sie war eine Erfindung für ein Publikum. Wie die wahre Geschichte der Familie Trapp weiterging, vom Konzert im Wiener Musikverein 1936 bis zu „The Sound of Music“, steht in unserem Deep Dive. Und über der Donau in Linz hat der Künstler Daniel Fischer ein Bild aus dem Film in einen Jodler verwandelt: „The Scream of Music“.