In der Nacht auf den 27. April 1915 liegt das österreichisch-ungarische U-Boot U 5 im Ionischen Meer, südlich der Straße von Otranto. Vor ihm fährt der französische Panzerkreuzer „Léon Gambetta“. Der Kommandant des U-Boots gibt den Befehl, Torpedos abzufeuern. Der Kreuzer sinkt in rund zehn Minuten. Von 821 Mann an Bord sterben 684. Der Kommandant heißt Georg Ritter von Trapp, er ist 35 Jahre alt.
Am nächsten Tag steht sein Name in den Wiener Zeitungen. „Der Linienschiffsleutnant Trapp ist schon jetzt eine volkstümliche Gestalt geworden“, schreibt die Neue Freie Presse am 28. April. Bald gibt es Postkarten mit seinem Porträt, einige davon bewahrt heute das Wien Museum auf. Fünfzig Jahre später kommt er ins Kino, allerdings in einer ganz anderen Rolle: als strengen Vater mit sieben Kindern, gespielt von Christopher Plummer, in „The Sound of Music“.
Ein Seeheld mit einem Torpedo in der Familie
Georg von Trapp kam am 4. April 1880 in Zara zur Welt, dem heutigen Zadar an der dalmatinischen Küste. Er besuchte die Marineakademie in Fiume und machte Karriere in der k. u. k. Kriegsmarine. 1911 heiratete er Agathe Whitehead, eine Enkelin von Robert Whitehead, nach dem der Whitehead-Torpedo benannt ist. Zwei Jahre vor der Hochzeit, am 10. Februar 1909, hatte Agathe ein neues U-Boot der Marine getauft: U 5. Mit genau diesem Boot und mit Torpedos versenkte ihr Mann sechs Jahre später die „Léon Gambetta“.

Das Ehepaar bekam sieben Kinder. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte Österreich keine Küste und keine Marine mehr. Die Familie zog nach Klosterneuburg bei Wien, wo Agathe am 3. September 1922 starb. Ein Jahr später übersiedelte Trapp mit den Kindern in eine Villa in Aigen bei Salzburg.
Maria von Trapp: Eine Wienerin kommt ins Haus
Dorthin kam Mitte der 1920er-Jahre eine junge Lehrerin aus dem Kloster Nonnberg: Maria Augusta Kutschera, geboren am 26. Jänner 1905 in Wien, früh verwaist und in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Sie sollte eine der Töchter unterrichten, die sich von einer Krankheit erholte.

Am 26. November 1927 heirateten Maria und Georg von Trapp. Er war 25 Jahre älter als sie. Zu den sieben Kindern kamen drei weitere.
Als die Familie 1935 beim Zusammenbruch einer Bank einen Großteil ihres Vermögens verlor, machte sie aus einer Liebhaberei einen Beruf. Mit dem Priester Franz Wasner als musikalischem Leiter entstand der Salzburger Kammerchor Trapp.
Applaus im Musikverein
Am Mittwoch, dem 2. Dezember 1936, um halb acht Uhr abends sang der Chor im Kleinen Saal des Wiener Musikvereins. Das Neue Wiener Tagblatt stellte die Sänger als „die Gattin und die Kinder des berühmten U-Boot-Kommandanten“ vor. Sie sangen Musik von Orlando di Lasso, Bach und anderen Meistern des 16. und 17. Jahrhunderts. Der Kritiker war begeistert: Wasner habe den Ton nur vorgesummt, und dann habe es kein Wackeln bei der Tonhöhe und kein Schwanken beim Einsatz gegeben. Auch die Kleinste mit den Zöpfen singe so verlässlich wie die Stimmführerin. Fast ein Jahr später, am 20. November 1937, stand der Kammerchor Trapp auch im Großen Saal des Wiener Konzerthauses auf dem Programm.

Mit dem Zug, nicht über die Berge
Dann kam der März 1938. Georg von Trapp lehnte nach dem „Anschluss“ ab, für die deutsche Kriegsmarine ein U-Boot-Kommando zu übernehmen. Die Familie verließ Österreich, über Italien, dessen Staatsbürgerschaft Trapp durch seine Geburt in Zara besaß. Im Film steigen die Trapps zum Schluss heimlich über die Alpen in die Schweiz. In Wirklichkeit nahmen sie den Zug. Eine der Töchter erinnerte sich später, man sei einfach abgefahren und habe so getan, als wäre nichts.
Über London kam die Familie in die USA. Nach einer Tournee durch Skandinavien wurden die Trapps im Oktober 1939 auf Ellis Island einige Tage festgehalten, bevor sie einreisen durften. 1942 kauften sie eine Farm in Stowe im Bundesstaat Vermont. Georg von Trapp starb am 30. Mai 1947 in Boston.

Vom Buch zum Welterfolg
1949 erschien Maria von Trapps Erinnerungsbuch „The Story of the Trapp Family Singers“. Daraus wurden zuerst zwei deutsche Filme, „Die Trapp-Familie“ (1956) und „Die Trapp-Familie in Amerika“ (1958), dann 1959 ein Broadway-Musical und 1965 der Hollywoodfilm von Robert Wise. Im Film wurde vieles umgeschrieben. Er zeigt sieben Kinder statt zehn, die Hochzeit findet kurz vor der Flucht statt und nicht schon 1927. Und aus dem Vater, der selbst gern musizierte, wurde ein kühler Kapitän, der seine Kinder mit der Bootsmannspfeife ruft.
Was aus den zehn Kindern wurde
Georg von Trapp hatte zehn Kinder. Aus der ersten Ehe mit Agathe Whitehead stammen Rupert (1911–1992), Agathe (1913–2010), Maria Franziska (1914–2014), Werner (1915–2007), Hedwig (1917–1972), Johanna (1919–1994) und Martina (1921–1951). Mit Maria bekam er Rosemarie (1929–2022), Eleonore (1931–2021) und Johannes. Johannes, das jüngste Kind, kam am 17. Jänner 1939 während einer Konzerttournee in Philadelphia zur Welt. Er übernahm später die Leitung der Trapp Family Lodge in Stowe und ist nach Stand Herbst 2026 das letzte lebende der zehn Geschwister.
Auch die Kinder haben ihre Geschichte erzählt. Agathe von Trapp veröffentlichte 2003 ihre Erinnerungen, „Memories Before and After The Sound of Music“.
Maria von Trapp starb am 28. März 1987 in Vermont. In Wien erinnern zwei Straßennamen an die Familie: der Trappweg in Liesing, benannt 1959 nach Georg von Trapp, und seit 2012 der Maria-Trapp-Platz in der Seestadt Aspern. Und wer wissen will, wie Österreich auf „The Sound of Music“ heute antworten kann, findet eine Antwort über der Donau in Linz: bei „The Scream of Music“, einem Jodler, in dem ein Bild aus dem Film steckt: Julie Andrews auf der Bergwiese.
Quellen und Links
Links
- Wien Museum Online Sammlung: Kriegspostkarte „Der heldenmütige Kommandant der U. 5“
- Wien Museum Online Sammlung: Sinken des Panzerkreuzers „Léon Gambetta“
- Albertina: Rudolf von Alt, Portal der Kirche des Stiftes Nonnberg
- Neue Freie Presse, 28. April 1915 (ANNO)
- Neues Wiener Tagblatt, 4. Dezember 1936: Salzburger Kammerchor Trapp (ANNO)
- US National Archives: The Real Story of the von Trapp Family
- Wien Geschichte Wiki: Maria Trapp
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