„Blick auf Burg Forchtenstein in Ungarn“, so hat Joseph Högel seine Zeichnung beschriftet. Er hatte recht: Bis 1921 gehörte das Gebiet des heutigen Burgenlands zu Ungarn, und auch die Familie, die hier ihre Schätze hütete, war eine ungarische Adelsfamilie. Die Esterházy machten aus einer Burg über dem Wulkatal ihre Schatzkammer, und vieles von dem, was sie gesammelt haben, liegt bis heute an seinem Platz.
Vom Pfand zur Residenz
Gebaut haben die Burg um 1300 die Grafen von Mattersdorf, urkundlich erwähnt wird sie 1343. Der Bergfried ist 50 Meter hoch, seine Mauern sind bis zu sieben Meter dick. 1622 verpfändete Kaiser Ferdinand II. Forchtenstein an Nikolaus Esterházy, 1626 ging die Burg in den erblichen Besitz der Familie über. Nikolaus ließ sie in den 1630er- und 1640er-Jahren zur befestigten Residenz ausbauen, mit Basteien, Küche und Kapelle. Ein Stück seiner Kriegsbeute ist bis heute in der Burg: ein osmanisches Prunkzelt, das er 1621 erbeutete, eines der größten seiner Art.

Ein Krokodil und die Kunstkammer
Sein Sohn Paul I., der erste Fürst der Familie, baute das Hochschloss aus, die bedeutendste Erweiterung der Burg. In dieser Zeit kam auch ein mehr als zwei Meter langes Krokodil ins Haus. Ab 1692 richtete Paul im Herzen der Burg eine Schatzkammer ein. Sie ist eine der wenigen Kunstkammern Europas, die an ihrem ursprünglichen Ort erhalten geblieben sind, mitsamt den Sammlungsschränken aus dem 17. Jahrhundert. Glanzstück ist eine der größten Sammlungen von Silbermöbeln Europas, dazu kommen Augsburger Automaten und Uhren und Drechselarbeiten aus Elfenbein. In der Ahnengalerie hängen fast 400 barocke Porträts. Ab 1713 wurde die Burg vor allem zum Zeughaus für die Waffen der Esterházy-Truppen, mit Beute aus den Türken-, Franzosen- und Preußenkriegen.
Seit 1815 ist Forchtenstein für Besucher geöffnet und zählt damit zu den ersten Museen im Habsburgerreich. Die Schatzkammer selbst war lange nicht regulär zu sehen. 1919 wurden rund 280 Objekte daraus beschlagnahmt, um deren Rückgabe sich die Familienstiftung bis heute bemüht. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Schatzkammer nicht entdeckt und blieb unversehrt. Regulär zu besichtigen ist sie erst seit 2005.

Der Brunnen und das Verlies
Zu den Sehenswürdigkeiten zählt ein Brunnen, 142 Meter tief. Gegraben hätten ihn türkische Gefangene, erzählt man sich, belegt ist das nicht. Weniger romantisch ist eine zwölf Meter tiefe Grube im Turm, die als Verlies für zum Tode Verurteilte diente.
Heute gehört die Burg der Esterházy-Privatstiftung, wie auch das Familienschloss in Eisenstadt, dazu unser Text über Schloss Esterházy und Joseph Haydn. Von November bis März gibt es nur Winterführungen, samstags, sonntags und feiertags um 11 und 13 Uhr. Die Schatzkammer ist nur mit Führung und nur von Ende März bis Ende Oktober zu sehen. Erwachsene zahlen 19 Euro, mit Führung 25 Euro.
Burg Forchtenstein · 7212 Forchtenstein
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