Sprachnachrichten sind keine neumodische Erfindung: Schon seit den 1880er Jahren haben Menschen ihre Stimmen auf Wachswalzen, Schallplatten, Tonbändern oder Kassetten aufgenommen und als Briefe verschickt. Diese analogen Hörbriefe sind das Herzstück des Forschungsprojekts SONIME – Sonic Memories, Audio Letters in Times of Migration and Mobility, das Eva Kapeller-Hallama an der Universität für angewandte Kunst Wien in Kooperation mit mehreren Institutionen koordiniert. Das Ziel: eine Fundgrube privater Stimmen, gesammelt und erschlossen für die Öffentlichkeit und weitere Forschung.
Seit den frühesten Tonaufzeichnungsgeräten waren Audiobotschaften weit mehr als bloße Information: Es ging um Nähe über Distanz, darum, Beziehungen über Ozeane und Jahrzehnte hinweg zu halten. Etwa wenn eine Familie in einem niederösterreichischen Dorf für den in die USA emigrierten Sohn Grüße aufnahm. Im Hintergrund knarzten die Wachswalzen, Kinder sangen, und die Sehnsucht, einander zu hören, war mit Händen zu greifen. Was heute ein beiläufiger Klick auf „Play“ ist, bedeutete damals die Überwindung technischer Hürden und hoher Kosten – und dennoch schuf die Stimme eine Intimität, die sich mit nichts nachahmen ließ.
Oft reichen solche Botschaften über das Familiäre hinaus: Auf persönlichen Liebesbrief-Kassetten wird Nähe bewusst inszeniert, musikalisch oder poetisch gestaltet. Von testamentarischen letzten Worten bis zu Alltagsszenen aus der Küche macht SONIME Geschichte nicht abstrakt zugänglich, sondern hörbar und spürbar.
SONIME bewegt sich zwischen Kulturgeschichte, Technikgeschichte und Alltagsanthropologie. Wer diesen Aufnahmen zuhört, hört nicht nur Stimmen aus der Vergangenheit, sondern auch die Mühe, mit der Nähe über Distanz hergestellt wurde.
Bild: Project SONIME
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