In der Eingangshalle des Technischen Museums Wien dreht sich ein Rad, das nach allem, was die Physik weiß, längst stehen müsste. Es steckt in einem Glaskasten, sitzt auf einem Gestell, links und rechts bewegen sich zwei Zylinder – und es hört nicht auf. Wer davor stehen bleibt, fragt sich: Woher kommt die Energie? Genau darauf zielt das Objekt ab.
Ingrid Prucha, Kustodin für technische Grundlagen am Technischen Museum Wien und dort unter anderem für Geräte aus den Naturwissenschaften zuständig, nennt es beim Namen: ein Perpetuum mobile. Die Idee beschäftigt die Menschheit seit Jahrhunderten – Geräte zu bauen, die, einmal angestoßen, für immer in Bewegung bleiben. Dagegen stehen die Hauptsätze der Thermodynamik, die genau das ausschließen. Die Faszination hält sich trotzdem, und mit ihr die Frage, ob es nicht doch gehen könnte.
Das Wiener Exemplar ist kein historischer Irrläufer aus einer Erfinderwerkstatt, sondern eine Auftragsarbeit: eigens für das Haus konzipiert und 1999 gebaut, von David E. H. Jones, einem britischen Chemiker und Wissenschaftsjournalisten, der unter dem Pseudonym „Daedalus“ ein Leben lang skurrile Erfindungen und die Grenzen des Machbaren durchgespielt hat. Wie das Rad in Gang gehalten wird, verrät er nicht: Der Mechanismus bleibt, wie bei allen seinen Konstruktionen, ein Geheimnis.
Warum die Sache grundsätzlich nicht aufgeht, erklärt Prucha an zwei Bildern. Ein Fluss treibt ein Wasserrad an, solange die Quelle Wasser liefert; versiegt sie, steht das Rad irgendwann still. Und alles, was sich dreht, wird gebremst: Es gibt Reibung, es hält immer etwas dagegen. Nichts läuft ganz glatt und ohne Hindernis.

„Es soll inspirieren, sich mit dem ganzen Thema auseinanderzusetzen: Wie wird Energie erzeugt? Wie wird sie verbraucht? Warum gibt es das eben nicht, dass etwas läuft und läuft und läuft?“
Dass ausgerechnet ein technisches Museum ein Gerät zeigt, das so nicht funktionieren kann, ist deshalb kein Widerspruch, sondern Programm. Das Rad steht als Inspirationsquelle am Anfang. Wer weitergeht, findet in den Sammlungen kein zweites Perpetuum mobile, dafür Vorgänge, die dem Ideal so nahe kommen, wie es die Physik erlaubt.
Optimierung ist ohnehin das Stichwort der Gegenwart: steigender Energiebedarf, knappe Ressourcen, der Zwang, mit dem Vorhandenen sparsamer umzugehen. Wärmepumpen gehören dazu, Strom aus Sonnenlicht, Geothermie. Dahinter steht dieselbe alte Überlegung, die auch das Rad im Glaskasten antreibt: Wie ließe sich etwas betreiben, fast ohne zusätzlich Energie hineinzustecken?

Den Techniker:innen allein war die Idee nie vorbehalten. Über die Epochen hinweg haben auch Komponisten das Motiv aufgegriffen, Mendelssohn ebenso wie Johann Strauss, dessen Perpetuum mobile den Untertitel „ein musikalischer Scherz“ trägt: Musik, die nie enden muss, weil sie wieder von vorn beginnt.
So verhält sich auch das Objekt in der Eingangshalle: der Stein der Weisen und zugleich eine Konstruktion, die ein wenig schummelt. Über Energie erzählt sie ehrlicher als manches Gerät, das tatsächlich funktioniert.
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