Deep Dive
April 15, 2025
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NHM Wien

Deep-Dive: Verborgene Kunst im Naturhistorischen Museum Wien

Die Kunsthistorikerin Stefanie Jovanovic-Kruspel liest das Naturhistorische Museum Wien als Kunstwerk – und erzählt von den 13 Frauen, die seine Geschichte mitgeschrieben haben, ohne dafür genannt zu werden.

Deep-Dive: Verborgene Kunst im Naturhistorischen Museum Wien
Bild: NHM Wien

Im Herzen Wiens, an der Ringstraße, steht das Naturhistorische Museum Wien. Das Haus ist nicht nur ein Hort naturwissenschaftlicher Sammlungen, sondern selbst ein Kunstwerk. Die Kunsthistorikerin Stefanie Jovanovic-Kruspel forscht seit Jahren im Museum. Sie öffnet die Türen zu einer Welt voller Geheimnisse und unerzählter Geschichten, die weit über die ausgestellten Exponate hinausgehen.

Bereits die Entstehung des Museums ist ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Umbrüche des 19. Jahrhunderts. In einer Zeit, in der die Theorien Darwins langsam die Oberhand über kirchliche Dogmen gewannen, wurde das Museum als revolutionäre Institution gegründet. Zugleich ist es durchzogen von Kolonialgeschichte und von den Machtstrukturen der Vergangenheit. Moderne Museumsarbeit heißt deshalb auch, diese Spuren ans Licht zu bringen.

Jovanovic-Kruspel geht es besonders darum, die vielen Frauen sichtbar zu machen, die im Laufe der Jahre im Verborgenen wirkten. Dazu hat sie ein Buch über 13 Frauen aus der Geschichte des Museums mitherausgegeben. Viele von ihnen fanden in der Geschichtsschreibung kaum Beachtung, obwohl sie die Entwicklung des Hauses maßgeblich mitgeprägt haben. Ihre Biografien sind oft lückenhaft. Diese Lücken zu füllen und den Frauen den Platz in der Geschichte zu geben, der ihnen zusteht, bleibt schwierig.

Am Ende ist das Museum selbst das größte Exponat: ein Bau, der zeigt, was eine Zeit für wissenswert hielt – und wen sie dabei überging.