Auf einem Holzsockel stehen zwei vergoldete Adler, der Doppeladler des Kaiserhauses, und tragen eine Weltkugel auf den Schultern. Die Kugel lässt sich öffnen: Sechs Felder klappen zwiebelartig herunter und geben den Blick frei auf ein Räderwerk – und auf eine kleine Frauenfigur, die eine Gänsefeder in der Hand hält. Ist die große Stahlfeder des Antriebs mit einem Schraubenschlüssel aufgezogen, taucht die Feder ins Tintenfass und schreibt. Von selbst.
Der Schreibautomat steht auf Ebene 4 des Technischen Museums Wien, im Schausammlungsbereich „medien.welten“. Otmar Moritsch, Kustos für diesen Bereich, nennt ihn eines der Meisterwerke der Sammlung.
„Ein Objekt, das wirklich ein Jahrhundertobjekt ist und ein einzigartiges Objekt auf der Welt darstellt.“
Gebaut hat ihn Friedrich von Knaus, 1724 in Aldingen am Neckar geboren, Sohn eines Uhrmachers und ab 1739 in Darmstadt tätig, wo er 1749 Hofmechanicus wurde. Automaten waren damals Prestigeobjekte, der Wettbewerb um den innovativsten international: Wer ihn gewann, durfte auf Anstellung, Titel und Privilegien bei Hofe hoffen. Knaus wollte mehr als ein Spielwerk – einen Automaten, der selbsttätig schreibt.

1753 stellte er in Darmstadt seinen ersten Schreibautomaten fertig und ließ ihn dem französischen König Ludwig XV. vorführen. Der zeigte wenig Interesse. Knaus versuchte sein Glück in Wien: 1757 folgte er Karl von Lothringen an den Kaiserhof, wo ihn Franz I. zum Hofmechanicus ernannte. Der zweite Automat, 1758 entstanden, konnte eine einzige, mechanisch fest eingerichtete Phrase aufs Papier bringen. Der dritte ging als Geschenk an die Habsburg-Lothringer in der Toskana und ist bis heute im Museo Galileo in Florenz zu sehen.
1760 folgte der vierte, und der ist ein anderes Kaliber. Er schreibt nicht mehr einen festen Satz, sondern jeden beliebigen Text. Das Prinzip kannte man von Musikautomaten: eine Stiftwalze, auf der Metallstifte die Abfolge festlegen. Kurvenscheiben bilden die Bewegung der Hand nach, die Walze hat bis zu 68 Positionen – lateinische Schriftzeichen, gesteckt wie Töne. Länger als 68 Zeichen schreibt die Maschine nicht am Stück; dann lässt sich die Walze ausklinken und der Automat von Hand auslösen, ähnlich einer Schreibmaschine.
Vorgeführt wurde die Maschine 1760 Kaiser Franz I. und Maria Theresia. Am Sockel prangte damals ein Porträt des Erbauers, irgendwann verschwand es. Moritsch erzählt von einem Zerwürfnis: Knaus habe einen Titel bei Hofe verlangt, den ihm der Kaiser nicht zugestand. Unter Maria Theresia wurde er rehabilitiert; ab 1767 leitete er das physikalische Hofkabinett in Wien.

Wie die Automaten konstruiert waren, weiß man so genau, weil Pater Marianus 1780 eine Huldigung auf das Lebenswerk von Knaus veröffentlichte; ein Exemplar liegt in der Bibliothek des Technischen Museums Wien. Eine Lobschrift – aber die ausführlichste Quelle zum Innenleben dieser Maschinen, von denen nur zwei überdauert haben, der Automat in Florenz und der in Wien.
68 Zeichen, dann ist die Walze abgearbeitet. Zwei, drei Zeilen, eine kurze Botschaft. Geblieben ist der Gedanke dahinter: eine Maschine, die nicht bloß eine Bewegung wiederholt, sondern ausführt, was jemand vorher in sie hineingesteckt hat.
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