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May 4, 2021
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TMW

Lochkarten, die denken und lenken: Waschmaschinen im Technischen Museum Wien

Von einem Bottich mit Rührstäben aus dem Jahr 1766 bis zur Maschine von 2020: Kurator Christian Stadelmann zeigt im Technischen Museum Wien, warum historische Waschmaschinen in einer Ausstellung über künstliche Intelligenz stehen.

Lochkarten, die denken und lenken: Waschmaschinen im Technischen Museum Wien
Jacob Christian Schäffer, Abbildung der Waschmaschine, 1766, Public Domain, via Wikimedia Commons

Ein Bottich, ein paar Rührstäbe, ein Hebel: Das Gerät, das im Technischen Museum Wien am Anfang einer Reihe steht, sieht nach vielem aus, nur nicht nach einer Maschine. 1766 bekam es trotzdem diesen Namen. Den Begriff Waschmaschine hatte es bis dahin nicht gegeben, erfunden hat ihn ausgerechnet ein Pfarrer.

Christian Stadelmann, Kurator am Technischen Museum Wien, führt durch eine Reihe historischer Waschmaschinen – seit zwei Monaten zu sehen in der Ausstellung „Künstliche Intelligenz?“, die er kuratiert hat. Das älteste Stück ist ein Nachbau, vom Original der Schäfferschen Waschmaschine existiert nichts mehr. Das Prinzip: Wasser einfüllen, Wäsche hineinlegen, am Rührwerk kurbeln. Entscheidend war, was wegfiel – das Hantieren in der heißen Lauge, die auf die Hände geht.

Wäschewaschen war Frauenarbeit, quer durch die Geschichte, und die beschwerlichste Arbeit im Haushalt überhaupt. Der Erfinder wusste das und warb entsprechend: Jacob Christian Schäffer, evangelischer Prediger in Regensburg, listete in seiner Schrift „Die bequeme und höchstvortheilhafte Waschmaschine“ 16 Punkte auf: möglichst schnell, ohne Waschfrau, mit wenig Lauge, ohne Anstrengung. Die Antwort gab er selbst – man möge die Arbeit mit der neuen Waschmaschine machen. Eine Werbeeinschaltung, sagt Stadelmann, im 18. Jahrhundert.

Durchgesetzt hat sich das Gerät nicht. In den Zeitungen wurde diskutiert, ob das funktioniere; viele behaupteten, die Wäsche werde zerschlissen. Einer schlug vor, als Waschmaschine tauge das Ding nichts, Butter rühren lasse sich damit aber hervorragend. Danach verschwindet sie für rund 100 Jahre. Erst aus den 1870er Jahren gibt es wieder eine, technisch versierter, immer noch mit Rührwerk. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts taucht sie erneut auf, mechanisch komplexer, im Prinzip unverändert – und wieder beworben als Gerät, das den Frauen die schwere Arbeit abnimmt.

In den 1920er Jahren kommt ein gasbeheizter Kessel dazu, der arbeitet wie ein Perkolator: Das Wasser wird unten erhitzt, steigt durch ein Rohr auf und rieselt über die Wäsche. Beworben wurde er als „die automatische Waschfrau“: Die Hausfrau darf ausgehen, während gewaschen wird. Auch dieses Versprechen hielt nicht lange – kochendes Wasser allein macht Wäsche nicht sauber. In den 1970er Jahren folgt der Vollautomat mit Lochstreifen: für jedes Waschprogramm eine Karte, über 20 Stück, eingelegt in eine Schiene am Deckel. Die Werbung dazu ist erhalten.

„Lochkarten, die denken und lenken.“

Damit ist die Reihe dort, wo sie in eine Ausstellung über künstliche Intelligenz gehört. Suggeriert wird, das Gerät verrichte die Arbeit selbsttätig – im Grunde dasselbe Versprechen wie 200 Jahre zuvor. Die jüngste Maschine stammt aus dem Jahr 2020, wiegt die Wäsche und dosiert das Waschmittel. Von künstlicher Intelligenz ist auch sie weit entfernt, die Botschaft aber lautet unverändert: einen Knopf drücken, fertig.

Das Betrübliche zeigt der Vergleich über 250 Jahre: Weniger Zeit kostet das Wäschewaschen heute nicht, eher mehr. Wir wechseln öfter, waschen häufiger, bügeln mehr. Leichter geworden ist die Arbeit trotzdem, erheblich sogar. Automatisiert wurde am Ende nicht die Arbeit, sondern ihre Anstrengung.