In der Welt der „smarten“ Babyprodukte gibt es Windeln, die per Sensor den Urin analysieren und der App der Eltern melden, ob das Baby dehydriert ist oder erste Anzeichen einer Harnwegsinfektion zeigt. Ein fast futuristisches Konzept, das an den „Terminator“ erinnert. Christian Stadelmann, Kurator im Technischen Museum Wien, zeigt eine solche Windel in der Ausstellung „Alltag – eine Gebrauchsanweisung“, gemeinsam mit anderen technischen Neuerungen, die den Alltag scheinbar unkompliziert digitalisieren. Oder überwachen.
Man könnte annehmen, dass es reicht, die Windel ab und zu zu wechseln, um das Wohl des Babys im Blick zu behalten. Die neuen Eltern-Assistenten arbeiten akribischer: Sie analysieren den Urin in Echtzeit und schicken die Daten an eine App, die bei Bedarf eine Warnung abfeuert – theoretisch auch direkt an die Kinderärzt:innen, sollte es ernste Probleme geben.
Von der Windel zur Totalüberwachung?
Solche Technologien bleiben nicht auf Windeln beschränkt. Der Markt für „Baby-Tracking“ wächst rasant: Socken mit Sensoren für Temperatur und Bewegung, Matratzen, die den Schlaf überwachen, dazu winzige Geräte, die an Windel oder Strampler geklemmt werden und den Eltern jede Abweichung melden. Dahinter steht ein Trend, der vor rund zehn Jahren mit den Aktivitätstrackern begann. Damals wollten alle wissen, wie viel sie sich bewegen, wie oft und wie lange. Warum also nicht auch den Nachwuchs vermessen?
Besonders raffiniert nutzen die Hersteller dabei die Ängste junger Eltern – etwa die vor dem plötzlichen Kindstod. Die Tracker versprechen, per Temperaturmessung oder Atemüberwachung Alarm zu schlagen, sobald das Baby nicht mehr regelmäßig atmet. Ob solche Produkte wirklich beruhigen, bleibt fraglich. Sie stärken kaum das Vertrauen ins Elternsein, sondern die Abhängigkeit von Algorithmen und blinkenden Apps. Bleibt die Frage: Ist das noch Fürsorge oder schon Überwachung?
Shownotes
Mehr auf immuseum.at
IM MUSEUM


