Objekte
May 14, 2021
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KHM Wien

Ein Bild wie ein Actionfilm: Tizians „Der Bravo“

Tizians „Der Bravo“ im Kunsthistorischen Museum Wien: zwei Männer, gefangen im Moment vor dem Zustoßen. Daniel Uchtmann zeigt, wer den Kranz aus Weinblättern trägt, wer die Rüstung – und wo der Dolch steckt.

Ein Bild wie ein Actionfilm: Tizians „Der Bravo“
Bild: KHM Wien

Ein rotes Gewand. Ein versteckter Dolch. Ein Blick, der tötet. Im Saal 8 der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums Wien hängt Tizians „Der Bravo“. Daniel Uchtmann, Kunsthistoriker und Kunstvermittler am Haus, beschreibt die Szene: Zwei Männer, gefangen in einem Moment voller Spannung. Der eine trägt einen Kranz aus Weinblättern, sein Gesicht verrät Irritation. Der andere, der Angreifer, hat sich in Rüstung geworfen, bereit für den Kampf.

Tizian, der große venezianische Renaissancemaler, fängt hier einen Augenblick ein, der vor Energie vibriert. Es ist, als hielte die Zeit in diesem Bild den Atem an. Der Mann im blauen Gewand ahnt die Bedrohung, seine Hand greift nach dem Degen an seiner Seite. Doch er ist im Nachteil. Der Angreifer hat nicht nur die Überraschung für sich, er steht auch näher. Der Dolch, die Kurzwaffe für den Nahkampf, wartet nur noch auf seinen Einsatz.

Das Gemälde ist klein, und doch zieht es hinein. Fast möchte man die Hand ausstrecken und den Verlauf der Dinge ändern. Möglich ist das nicht. Tizian hat es so gemalt, dass die Vorstellungskraft der Betrachter:innen den Rest erledigt. Wie der Kampf ausgeht, ist nicht zu erkennen; aus dieser Ungewissheit bezieht das Bild seine Spannung. Es wirkt wie ein alter Actionfilm, nur dass dieser Film nie enden wird. Die Sympathien sind klar verteilt, und dennoch bleibt das Ergebnis offen.