Zwei Körper, so eng umschlungen, dass sie zu einer einzigen goldenen Form werden. Er beugt sich zu ihr, sie kniet mit geschlossenen Augen am Rand einer Wiese voller Blumen. Gustav Klimts „Der Kuss“ gilt als das berühmteste Bild eines österreichischen Künstlers und hängt im Oberen Belvedere. Laut Museum zieht es jedes Jahr mehr als eine Million Besucher·innen an.
Gold, Silber, Platin
Das Bild ist quadratisch, 180 mal 180 Zentimeter. Was es so leuchten lässt, ist echtes Metall: Für das Paar verwendete Klimt Blattgold, Blattsilber und Platin, dazu Öl- und Harzfarben. Den Hintergrund legte er mit Messing-Blattmetall an, übermalte es mit Lasuren und streute Metallflocken darüber. Wer nah herangeht, sieht, dass der goldene Grund nicht glatt ist.
Getrennt sind die beiden Körper nur durch ihre Gewänder. Seines ist mit eckigen, ihres mit runden Mustern und Blüten bedeckt. Hinter dem Paar bricht die Wiese ab, manche lesen darin einen Abgrund und ein Bild für die Endlichkeit.
Vom „Liebespaar“ zum „Kuss“
Klimt malte das Bild ohne Auftrag, begonnen hat er es wohl 1907, auf dem Höhepunkt seiner „goldenen Phase“. Im Juni 1908 zeigte er es erstmals bei der Kunstschau Wien, unter dem Titel „Liebespaar“. Organisiert hatte die Schau die Gruppe um Klimt, die die Secession verlassen hatte, gemeinsam mit Josef Hoffmann.
Das Kunstministerium kaufte das Bild gleich bei der Kunstschau, um 25.000 Kronen, für die Moderne Galerie – die Vorgängerin des heutigen Belvedere. Vollendet hat Klimt es 1909. Im Herbst desselben Jahres nannte es ein Museumskatalog erstmals „Der Kuss“. Unter diesem Namen kennt es heute die ganze Welt.
Klimt und Emilie?
Wer das Paar ist, verrät das Bild nicht. Manche sehen darin Klimt selbst und Emilie Flöge, seine engste Vertraute – populär wurde diese Deutung vor allem durch einen Roman. Belegt ist sie nicht.
Weltberühmt wurde das Bild vor allem durch seine Reproduktionen. 2022 verkaufte das Belvedere 10.000 digitale Ausschnitte als NFTs zu je 1.850 Euro. Bis zum Valentinstag waren 1.730 davon verkauft, sie brachten rund 3,2 Millionen Euro. Das Original blieb, wo es ist.
Mehr darüber, wo in Wien welche Werke Klimts zu sehen sind: Gustav Klimt in Wien.
Oberes Belvedere · Prinz-Eugen-Straße 27, 1030 Wien. „Der Kuss“ ist Teil der Dauerausstellung.
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