Am Samstagabend, dem 12. Februar 1785, kam Joseph Haydn in die Wohnung im ersten Stock des Hauses an der Schulerstraße, mit ihm zwei Barone Tinti. Gespielt wurden Mozarts neue Streichquartette, und zwar nur die drei, die er zu den drei schon bekannten dazugeschrieben hatte. Leopold Mozart war dabei. Er war am Tag davor aus Salzburg angekommen, um ein Uhr war er in der Schulerstraße. Was Haydn ihm an diesem Abend sagte, schrieb er seiner Tochter Nannerl nach Salzburg: „ihr Sohn ist der grösste Componist, den ich von Person und dem Nahmen nach kenne.“
Wo wohnte Mozart in Wien? In knapp elf Jahren an rund einem Dutzend Adressen, fast alle in der Innenstadt. Erhalten ist nur eine einzige dieser Wohnungen: die im Haus Domgasse 5, ein paar Schritte hinter dem Stephansdom. Hier lebte Mozart von Ende September 1784 bis April 1787, und hier schrieb er wohl „Die Hochzeit des Figaro“. Deshalb heißt das Haus auch Figarohaus. Heute gehört die Wohnung zum Mozarthaus Vienna.
Ein schönes Quartier für 460 Gulden
Eingezogen waren Wolfgang und Constanze Mozart am 29. September 1784. Ihr Sohn Carl Thomas war damals gerade acht Tage alt. Geheiratet hatten die beiden zwei Jahre zuvor, am 4. August 1782 im Stephansdom. Die neue Wohnung hatte vier Zimmer, zwei Kabinette und eine Küche, es war die größte, eleganteste und teuerste, die Mozart je bewohnte. Leopold lobte das schöne Quartier samt Ausstattung und nannte der Tochter auch den Preis: 460 Gulden Hauszins im Jahr.
Das Haus selbst war viel älter. Ein Haus an dieser Stelle wird schon 1349 genannt, 1716 wurde es umgebaut. 1719 erwarb es der Hofstuckateur Alberto Camesina, nach seiner Familie heißt es bis heute auch Camesinahaus. Als Mozart einzog, gehörte es Mariana Camesina.

Bezahlt wurde die Miete aus den Konzerten, Mozart war in diesen Jahren als Pianist gefragt. Gleich an seinem ersten Abend in Wien fuhr Leopold mit ihm um sechs Uhr in das erste Subskriptionskonzert auf der Mehlgrube. Im Saal saß eine große Versammlung von Menschen von Rang, auf dem Programm stand ein neues Klavierkonzert Wolfgangs. Als sie ankamen, schrieb der Kopist noch an den Noten ab.
Ein verbotenes Stück wird zur Oper
Im selben Februar 1785, in dem Haydn die Quartette hörte, verbot die Wiener Zensur eine geplante Aufführung von Beaumarchais’ Komödie über Figaros Hochzeit am Kärntnertortheater. Drucken durfte man den Text. Mozart und sein Librettist Lorenzo Da Ponte machten daraus eine italienische Oper, Da Ponte zufolge in sechs Wochen. Am 1. Mai 1786 war die Uraufführung im Burgtheater, Mozart leitete sie vom Cembalo aus. Fünf Tage später bot eine Anzeige in der Wiener Zeitung schon Abschriften an, die ganze Oper oder einzelne Arien des „sehr beliebten Hrn. Amadeo Mozart“.

In der Domgasse erlebten die Mozarts auch einen Verlust. Ihr Sohn Johann Thomas Leopold kam am 18. Oktober 1786 zur Welt und starb am 15. November, keine vier Wochen alt. Im April 1787 zog die Familie aus, in die Landstraßer Hauptstraße in der Vorstadt. Danach wohnte Mozart noch an mehreren Adressen, bis er am 5. Dezember 1791 in der Rauhensteingasse starb.
Sechs Söhne für Haydn
Im September 1785 erschienen alle sechs Quartette im Druck, drei davon hatte Haydn an jenem Samstag gehört. Eine Anzeige in der Wiener Zeitung vom 17. September hob hervor, dass der Verfasser das Werk seinem Freund Joseph Haydn zugeeignet habe, dem fürstlich Esterházyschen Kapellmeister. In der Widmung nennt Mozart die sechs Quartette seine Söhne und bittet Haydn, ihnen Vater, Führer und Freund zu sein.
Der Eingang in der Domgasse
Das Haus in der Domgasse blieb stehen. 1906 brachte der Wiener Männergesang-Verein eine Gedenktafel an. 1941, zum 150. Todestag, richtete das Kulturamt der Stadt Wien in dem Teil der Wohnung, der zur Schulerstraße liegt, eine Gedenkstätte ein, im Rahmen der nationalsozialistischen „Mozartwoche des Deutschen Reiches“. Ein günstiges Geschick habe gerade dieses Haus unter all den Häusern getroffen, in denen Mozart im ständigen Wechsel seiner Wohnungen lebte, schrieb das Neue Wiener Tagblatt. Ab 1945 betreute das Historische Museum der Stadt Wien, das heutige Wien Museum, die Räume. Zum 250. Geburtstag wurde das Haus erneuert, am 27. Jänner 2006 eröffnete das Mozarthaus Vienna.
Leopold Mozart kam 1785 noch in der Schulerstraße an, dort lag damals der Eingang. Heute betritt man das Haus von der Domgasse aus. Ausstellungen auf drei Ebenen erzählen von Mozarts Wiener Jahren, im ersten Stock liegt die Wohnung selbst, kein Nachbau, sondern jene Räume, in denen Haydn an jenem Samstagabend zuhörte. Das Mozarthaus Vienna ist täglich geöffnet und barrierefrei. Begraben liegt Mozart auf dem St. Marxer Friedhof, wo genau, weiß niemand: Wo ist Mozart begraben? Die Handschrift seines letzten Werks liegt in der Nationalbibliothek: Wo ist Mozarts Requiem?
Mozarthaus Vienna · Domgasse 5, 1010 Wien
Quellen und Links
- Stiftung Mozarteum, Digitale Mozart-Edition: Brief Leopold Mozarts an seine Tochter, Wien, 14. und 16. Februar 1785
- Wien Geschichte Wiki: Figarohaus
- Wien Geschichte Wiki: Wolfgang Amadeus Mozart
- Wikipedia: Mozarthaus Vienna
- Wikipedia: Le nozze di Figaro
- Wikipedia (englisch): Haydn and Mozart
- Wikipedia (englisch): Wolfgang Amadeus Mozart
- Mozarthaus Vienna: The Museum
- Mozarthaus Vienna
- Wiener Zeitung, 17. September 1785: die sechs Quartette, Haydn zugeeignet (ANNO)
- Wiener Zeitung, 6. Mai 1786: Abschriften von „Le nozze di Figaro“ (ANNO)
- Neues Wiener Tagblatt, 13. Dezember 1941: Die Mozart-Gedenkstätte im Figarohaus (ANNO)
- Illustrierte Kronen Zeitung, 29. November 1941: Das Figarohaus in der Schulerstraße (ANNO)
- Wien Museum Online Sammlung: Bruno Reiffenstein, Domgasse 5 – Figarohaus, um 1900
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