Bald nach drei Uhr am Nachmittag des 9. Februar 1918, einem Samstag, versammelten sich vor der Kapelle des Hietzinger Friedhofs die Trauergäste, zahlreiche Künstler, Schriftsteller und Journalisten, unter ihnen Alfred Roller. Um Viertel vor vier trug man den Sarg aus der Aufbahrungshalle in die Kapelle, geschmückt mit Tannenreisig und Schneerosen. Der Friedhofsgeistliche segnete den Toten ein, ein gemischter Chor der Hofoper sang Schuberts „Litanei auf das Fest Allerseelen“. Dann wurde Gustav Klimt neben seiner Mutter begraben. Er war am 6. Februar gestorben, 55 Jahre alt. Am Tag danach hatte Egon Schiele ihn in der Totenkammer des Allgemeinen Krankenhauses gezeichnet.
Wo ist Gustav Klimt begraben? Bis heute auf dem Hietzinger Friedhof in der Maxingstraße, am Rand des Schlossparks von Schönbrunn, in der Gruppe 5, Grab Nummer 194. Es ist ein schlichtes Grab, auf dem Stein steht nur sein Name. Wer hier sucht, findet aber mehr als Klimt. Otto Wagner liegt auf diesem Friedhof, Koloman Moser, Katharina Schratt, Alban Berg. Ein guter Teil der Wiener Moderne ist hier beisammen, und drei von ihnen kamen im selben Jahr hierher.
Ein Friedhof für Hietzing und das Schloss
Geweiht wurde der Friedhof am 12. Februar 1787, als Begräbnisplatz für Hietzing und für Schönbrunn, offen für alle Konfessionen. Er lag in einer Gegend mit Villen und Sommerfrischen und galt als Nobelfriedhof, mit Empire- und Biedermeiergrabsteinen und den Mausoleen von Adels- und Bürgerfamilien. 1872 wurde Franz Grillparzer hier begraben, auch die Tänzerin Fanny Elßler liegt hier.
Für Klimt war es ein Friedhof in der Nachbarschaft. Geboren wurde er am 14. Juli 1862 in Baumgarten, nicht weit von Hietzing. 1911 bezog er sein letztes Atelier in der Feldmühlgasse 11 in Hietzing, heute steht dort die Klimt-Villa. Bis zu seinem Tod hat er dort gemalt, nicht weit vom Friedhof.

Februar, April, Oktober
Im Jänner 1918 hatte Klimt einen Schlaganfall erlitten, am 6. Februar starb er an einer Lungenentzündung. Am Tag des Begräbnisses schrieb die Wiener Allgemeine Zeitung, eine Gedächtnisausstellung werde die Stadt wieder einmal zu spät erkennen lassen, „was sie an Gustav Klimt verlor“.
Neun Wochen später, am 11. April, starb Otto Wagner in seiner Wohnung in der Döblergasse, 76 Jahre alt. Der Architekt der Stadtbahn, der für den Kaiser 1899 den Hofpavillon Hietzing gebaut hatte, kam in ein Grab, das er lange vorher selbst entworfen hatte. 1881, nach dem Tod seiner Mutter Susanne, zeichnete er die Familiengrabstätte in der Gruppe 13. Auf dem Dach steht lateinisch: „Optimae Matri Filius“, der Sohn der besten Mutter.
Am 18. Oktober starb Koloman Moser, 50 Jahre alt, nach Jahren mit Kehlkopfkrebs. Moser hatte 1897 die Secession mitbegründet und 1903 mit Josef Hoffmann und Fritz Wärndorfer die Wiener Werkstätte. Auch er liegt auf dem Hietzinger Friedhof.

Und Schiele, der Klimt im Februar gezeichnet hatte? Er starb am 31. Oktober 1918 an der Spanischen Grippe, drei Tage nach seiner Frau Edith, in der Hietzinger Hauptstraße 114. Begraben ist er aber nicht hier, sondern auf dem Ober St. Veiter Friedhof, im selben Bezirk.
Die Freundin des Kaisers und der Komponist
Später kamen andere dazu. Die Hofschauspielerin Katharina Schratt, dreißig Jahre lang die Vertraute von Kaiser Franz Joseph, wohnte in Hietzing, in einer Villa in der Gloriettegasse, die ihr der Kaiser geschenkt hatte. Sie starb am 17. April 1940 und liegt in der Gruppe 19.
Der Komponist Alban Berg starb am 24. Dezember 1935 an einer Blutvergiftung. Auch er hat ein Ehrengrab der Stadt auf dem Hietzinger Friedhof. Ehrengräber gibt es in Wien eben nicht nur auf dem Zentralfriedhof.
Ein Name auf einem Stein
Wagner, der Autor des Buchs „Moderne Architektur“, liegt unter dem Baldachin, den er 1881 für seine Mutter entworfen hatte. Moser hat ein eigens gestaltetes Grab. Und der Maler, der für den „Kuss“ Blattgold, Blattsilber und Platin verwendete, liegt unter einem schlichten Stein, auf dem nur sein Name steht. Das Bild vom toten Klimt, das Schiele zwei Tage vor dem Begräbnis zeichnete, gehört heute dem Wien Museum.

Der Friedhof Hietzing ist täglich geöffnet, die Zeiten wechseln mit der Jahreszeit. Der Haupteingang liegt in der Maxingstraße. Zu Klimts Grab kommt man am schnellsten durch das Tor 3, gegenüber der Maxingstraße 54. Von der U4-Station Hietzing sind es etwa fünfzehn Minuten zu Fuß.
Friedhof Hietzing · Maxingstraße 15, 1130 Wien
Quellen und Links
- Neues Wiener Journal, 10. Februar 1918: Gustav Klimt, das Begräbnis, S. 10 (ANNO)
- Fremden-Blatt, 10. Februar 1918: Gustav Klimt, die Trauerfeier in Hietzing, S. 7 (ANNO)
- Neue Freie Presse, 10. Februar 1918: Die Leichenfeier für Gustav Klimt, S. 10 (ANNO)
- Wiener Allgemeine Zeitung, 9. Februar 1918: Nachruf auf Gustav Klimt, S. 4–5 (ANNO)
- Arbeiter-Zeitung, 10. Februar 1918: Gustav Klimt, S. 2 (ANNO)
- Neues Wiener Journal, 4. März 1918: Schiele und die Zeichnungen in der Totenkammer, S. 3 (ANNO)
- Wien Geschichte Wiki: Hietzinger Friedhof
- Wien Geschichte Wiki: Gustav Klimt
- Friedhöfe Wien: Friedhof Hietzing
- Wikipedia (englisch): Hietzing Cemetery
- Wikipedia: Otto Wagner
- Wikipedia: Koloman Moser
- Wikipedia: Katharina Schratt
- Wikipedia: Alban Berg
- Visiting Vienna: Klimt's grave
- Visiting Vienna: Otto Wagner's grave
- Kulturpool: Egon Schiele, Gustav Klimt in der Totenkammer des Allgemeinen Krankenhauses, Wien Museum
- Kulturpool: Moriz Nähr, Gustav Klimt im Ateliermantel mit Katze, Wien Museum
- Kulturpool: Moriz Nähr, Mitglieder der Secession, Wien Museum
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