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Wo ist Beethoven begraben? Zwei Gräber und ein Streit am Sarg

Am 21. Juni 1888 streiten auf dem Währinger Friedhof zwei Männer am offenen Grab Beethovens um seinen Schädel. Wie Beethoven auf den Zentralfriedhof kam.

Wo ist Beethoven begraben? Zwei Gräber und ein Streit am Sarg
August Stauda, Währinger Park – Währinger Friedhof – Gruppe mit den Grabdenkmälern von Beethoven und Schubert, um 1904, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Am 21. Juni 1888, dem ersten Sommertag, standen rund vierzig Menschen auf dem Währinger Ortsfriedhof an einem geöffneten Grab. Darin lag seit 61 Jahren Ludwig van Beethoven, am nächsten Tag sollte er auf den Zentralfriedhof gebracht werden. Doch zuerst wurde gestritten. Anatomieprofessor Toldt wollte den Schädel vermessen: „Im Namen der Wissenschaft bitte ich darum.“ Gemeinderat Vaugoin, für die Stadt und ihre Friedhöfe dabei, hielt dagegen, die Pietät verbiete es. Der Wortwechsel nahm kein Ende, auch nicht, als man Beethovens Sarg vor den Streitenden absetzte. Schließlich drängten sich mehrere Personen an den Sarg, und Vaugoin bat nur noch, wenigstens nicht ohne jede Vorsicht zu messen. So schilderte es das „Illustrirte Wiener Extrablatt“ am nächsten Tag.

Wo ist Beethoven begraben? Seit jenem Juni 1888 auf dem Wiener Zentralfriedhof, in einem Ehrengrab der Stadt in der Gruppe 32A, Nummer 29, gemeinsam mit Franz Schubert und dem Mozart-Denkmal. Wer Beethovens Grab sucht, findet aber eigentlich zwei, das heutige in Simmering und das alte in Währing. Und dann sind da noch ein paar Bruchstücke eines Schädels. Die Geschichte dieses Schädels beginnt 61 Jahre früher, in einem Sterbezimmer in der Alservorstadt.

Zwanzigtausend Menschen und ein Friedhof vor der Stadt

Beethoven starb am späten Nachmittag des 26. März 1827 in seiner Wohnung im Schwarzspanierhaus in der Alservorstadt, 56 Jahre alt. Am Abend darauf öffnete der Arzt Johann Wagner bei der Obduktion auch den Schädel. Zum Begräbnis am 29. März kamen etwa 20.000 Menschen, sie begleiteten den Sarg, die Schulen blieben geschlossen, das Militär musste eingreifen. Musiker und Künstler trugen den Sarg oder gingen als Fackelträger mit, unter ihnen Franz Schubert. Nach der Einsegnung in der Dreifaltigkeitskirche zog der Zug hinaus nach Währing. Am Friedhofseingang trug der Schauspieler Heinrich Anschütz die Grabrede vor, geschrieben hatte sie Franz Grillparzer.

Das Grabdenkmal entwarf Ferdinand Schubert, der ältere Bruder von Franz. Eineinhalb Jahre später lag auch Franz Schubert hier. Er starb am 19. November 1828, 31 Jahre alt, und Ferdinand ließ ihn nicht auf den nahen Matzleinsdorfer Friedhof, sondern nach Währing bringen. Im Fieber soll Schubert gesagt haben, er wolle bei Beethoven begraben sein. Spätere Zeitungen machten daraus einen pathetischen Satz.

Anton Hlaváček, die früheren Grabmäler von Beethoven und Schubert auf dem alten Währinger Friedhof, 1919
Anton Hlaváček, Vormalige Beethoven und Schubert Grabmäler am alten Währinger Friedhof, 1919. – Bild: Wien Museum, CC BY, via Kulturpool

Zwei Gräber werden geöffnet

Nach 36 Jahren waren beide Gräber in schlechtem Zustand. Die Gesellschaft der Musikfreunde ließ sie am 12. Oktober 1863 öffnen. Die Gebeine wurden mehrere Tage in der Friedhofskapelle untersucht, von Beethovens Schädel entstand ein Abguss. Dann wurden beide in neuen Zinksärgen wieder bestattet. Die „Wiener Zeitung“ fand, die Gesellschaft habe die Sache behandelt „wie eine häusliche Angelegenheit“.

Einer der Anwesenden war der Arzt Franz Romeo Seligmann. Er nahm lose Schädelstücke an sich, die bei der Obduktion 1827 abgebrochen und dem Toten in den Sarg gelegt worden waren. Die Stücke blieben in Seligmanns Familie, gelangten mit Verwandten auf der Flucht vor den Nationalsozialisten nach Frankreich und lagen schließlich im Schließfach einer französischen Bank. 1990 erbte sie der US-Geschäftsmann Paul Kaufmann. Er lieh sie dem Beethoven-Zentrum der San José State University in Kalifornien, das sie 2005 vorstellte.

Ein Ehrengrab in Simmering

1881 beschloss der Wiener Gemeinderat, auf dem neuen Zentralfriedhof Ehrengräber anzulegen und berühmte Tote aus den alten Friedhöfen zu holen. Für Beethoven war es im Juni 1888 so weit. Am 22. Juni trugen Bedienstete der Bestattungsgesellschaft „Concordia“ einen Metallsarg mit den Emblemen der Kunst und dem Namen „Beethoven“ aus der Kapelle zum Friedhofstor und hoben ihn auf den großen Leichenwagen. Die Familie vertraten die Nachkommen der beiden Töchter von Beethovens Neffen Karl. Am Portal des Zentralfriedhofs übernahmen Professoren des Konservatoriums den Sarg. Die Rede am Grab endete mit einem Zitat aus Grillparzers Trauerrede von 1827, viele Frauen und Mädchen weinten. Auf der Schleife der Stadt stand: „Dem Andenken Ludwig van Beethoven's — die Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. 22. Juni 1888.“

Der „Neuen Freien Presse“ fehlte trotzdem das feierliche Gepränge, das die Menge hätte beeindrucken können. Sie stellte dem Beethoven-Denkmal in der Stadt, einem getreuen Abbild seines Löwenhaupts, den vermorschten Schädel gegenüber, der nun zur Ruhe kam. Drei Monate später, am 23. September 1888, folgte Schubert und liegt seither wieder in Beethovens Nähe.

Ansichtskarte mit dem Ehrengrab Beethovens auf dem Wiener Zentralfriedhof, 1900 bis 1905
Brüder Kohn KG, Zentralfriedhof – Ehrengrab von Beethoven, Ansichtskarte, 1900–1905. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Wo Beethoven heute liegt

Das Grabmal in der Gruppe 32A ist eine Kopie des Steins von Währing. Zwischen Beethoven und Schubert steht das Denkmal für Mozart, der nicht hier begraben ist, sondern irgendwo auf dem St. Marxer Friedhof. Den alten Währinger Friedhof machte die Stadt Mitte der 1920er-Jahre zum Schubertpark, die beiden Grabdenkmäler stehen dort bis heute als Gedenkstätte. Und die Seligmann-Stücke? Paul Kaufmann schenkte sie im Juli 2023 der Medizinischen Universität Wien, sie gehören heute zu den Sammlungen des Josephinums. Ob sie wirklich von Beethoven stammen, sollen weitere Untersuchungen klären. Ganz ähnlich wanderte übrigens der Schädel von Joseph Haydn, der heute in Eisenstadt liegt.

1888 hatte Vaugoin am offenen Grab die Pietät gegen die Wissenschaft verteidigt. Gewonnen hat am Ende ein wenig auch Toldt: Was von Beethovens Schädel außerhalb des Grabes geblieben ist, liegt heute in einer medizinischen Sammlung.

Der Zentralfriedhof ist täglich geöffnet, je nach Jahreszeit ab 7 oder 8 Uhr bis 17, 18 oder 19 Uhr. Die Gruppe 32A liegt vom Haupttor (Tor 2) aus wenige Gehminuten Richtung Friedhofskirche links vom Hauptweg, die Straßenbahnlinie 71 hält vor dem Tor. Gleich beim Eingang erzählt das Bestattungsmuseum, wie Wien seine Toten begraben hat, die Geschichte des Friedhofs das Dossier Wiener Zentralfriedhof in 13 Bildern. Beethovens Leben in Wien zeigen das Pasqualatihaus auf der Mölker Bastei, wo „Fidelio“ entstand, und das Beethoven Museum in Heiligenstadt.

Wiener Zentralfriedhof, Tor 2 · Simmeringer Hauptstraße 234, 1110 Wien