Am Sonntag, dem 26. Juni 1921, war der Wiener Stadtpark am Vormittag abgesperrt. Offen stand nur ein Tor gegenüber der Weihburggasse. Drinnen warteten die Ehrengäste vor einer verhüllten Figur, unter ihnen Adele Strauss, die Witwe des Walzerkönigs, und ihre Tochter Alice Epstein. Dann spielten die Wiener Philharmoniker unter Arthur Nikisch „An der schönen blauen Donau“, und langsam senkte sich die Hülle. Der Männergesangverein sang, Bürgermeister Jakob Reumann übernahm das Denkmal in den Schutz der Stadt. So berichteten es am nächsten Tag das „Neue Wiener Tagblatt“ und die „Arbeiter-Zeitung“.
Wo ist das Johann-Strauss-Denkmal? Bis heute an derselben Stelle: im Stadtpark im 1. Bezirk, nicht weit vom Kursalon, dort, wo früher das Wetterhäuschen des Parks stand. Edmund Hellmer, der Bildhauer, war an jenem Sonntag 70 Jahre alt. Johann Strauss (Sohn) war seit 22 Jahren tot. Und eigentlich hätte sein Denkmal längst stehen sollen, an einem ganz anderen Ort und ohne den Streit, der ihm vorausging.
Ein Denkmal für den Kai und ein Streit um tanzende Figuren
Strauss starb am 3. Juni 1899. Fünf Jahre später, 1904, gründete sich ein Komitee, das ihm ein Denkmal errichten wollte. Bezahlt werden sollte es vor allem mit Konzerten. Als Platz war zunächst nicht der Stadtpark vorgesehen, sondern die Anlagen am Franz-Josefs-Kai gegenüber der Werdertorgasse.
Im Dezember 1906 schrieb die Zeitung „Die Zeit“ von einer Wiener Denkmalaffäre. Das Komitee hatte sich für den Entwurf von Professor Hellmer entschieden, und das hatte Folgen. Graf Lanckoroński, der Vizepräsident, trat aus, weil er den Platz für den Entwurf unpassend fand. Die Vertreter der Stadt Wien wurden aus dem Komitee abberufen. Hellmer hatte eine eigene Erklärung dafür: Den Gemeindevertretern seien einige tanzende Nebenfiguren nicht vollständig genug bekleidet gewesen. Im „Illustrirten Wiener Extrablatt“ hieß es dazu, gerade von Hellmer sei nicht zu erwarten, dass seine Figuren, auch unbekleidet, das Schamgefühl verletzten.
Vier Jahre Frist, dreizehn Jahre Warten
Anfang April 1908 war es entschieden. Hellmer, damals 57, bekam den Auftrag, und als Aufstellungsort nahm man jetzt den Stadtpark in Aussicht. Sieben Meter hoch und elf Meter breit sollte das Denkmal werden, aus Siebenbürger Marmor, die Figur des Komponisten aus Bronze. Die Kosten waren mit 150.000 Kronen veranschlagt, etwa 40.000 fehlten noch. Für die Fertigstellung bekam Hellmer vier Jahre Zeit.
Gesammelt wurde mit Musik. Im Jänner 1908 spielte der Schubertbund im Musikverein für den Denkmalfonds, im Oktober 1910 lud das Komitee selbst zu einem Strauss-Abend in den Großen Saal. Die Stadt sagte Unterstützung zu, das Geld kam aber erst 1913. Dann kam der Krieg. Am 23. Jänner 1920 bewilligte der Gemeinderat noch einmal einen beträchtlichen Beitrag, und noch im Jänner 1921 gab es im Konzerthaus einen Abend zugunsten des Denkmals. Aus vier Jahren waren dreizehn geworden.

Zum Platz, an dem es schließlich stand, hatte Bürgermeister Reumann in seiner Rede eine Geschichte parat: Hier sei früher das Wasserglacis gewesen, wo die Melodien von Strauss Vater und Joseph Lanner erklungen waren. Der Stadtpark sei dafür ein würdiger Ersatz. Im selben Park steht seit 1898 das Denkmal für Hans Makart, dessen Grabmal am Zentralfriedhof ebenfalls Hellmer gestaltet hatte.
Gold, kein Gold, wieder Gold
Hellmer stellte die Strauss-Figur aus vergoldeter Bronze vor einen Bogen aus Marmor, mit schwebenden Figuren im Relief. Ganz so blieb es nicht. 1935, im Jahr, in dem Hellmer starb, wurde die Vergoldung entfernt. Als Treffpunkt taugte das Denkmal so oder so: In einer Glosse der Zeitung „Die Stunde“ vom Februar 1935 verabredet man sich dort, auch wenn der Platz „ein bißchen windig“ sei.

Erst 1991 bekam Strauss sein Gold zurück. Am 9. Oktober 1991 wurde das neu vergoldete Denkmal ein zweites Mal enthüllt, siebzig Jahre nach dem ersten Mal.
Wo der Walzerkönig wirklich liegt
Begraben ist Johann Strauss nicht im Stadtpark, sondern auf dem Wiener Zentralfriedhof. Sein Ehrengrab liegt ebenfalls in der Gruppe 32A, in der Nähe von Beethoven, Schubert und dem Mozart-Denkmal. Und Hellmer, der Professor an der Akademie, unterrichtete nebenbei auch die Bildhauerin Teresa Feodorowna Ries, deren „Hexe“ 1896 für einen Skandal sorgte.
Der Reporter des „Neuen Wiener Tagblatts“ schrieb 1921, so wie ältere Wiener ihren Kindern von Strauss-Premieren erzählten, werde man in Jahrzehnten vielleicht von dem „strahlenden Frühsommertage“ erzählen, an dem die Hülle fiel. Erzählt wird heute vor allem mit Bildern: Wien Tourismus nennt das goldene Denkmal Wiens begehrtestes Fotomotiv.
Das Denkmal steht im Stadtpark, der Eintritt in den Park ist frei. Am nächsten liegt es beim Kursalon, von der U4-Station Stadtpark sind es wenige Gehminuten.
Johann-Strauss-Denkmal · Stadtpark, beim Kursalon, 1010 Wien
Quellen und Links
- Wien Geschichte Wiki: Johann-Strauß-Denkmal
- Wien Geschichte Wiki: Johann Strauss (Sohn)
- Wien Geschichte Wiki: Edmund Hellmer
- Wikipedia: Stadtpark (Wien)
- wien.info: Johann-Strauss-Denkmal, Stadtpark
- Neues Wiener Tagblatt, 27. Juni 1921: Die Enthüllung des Johann Strauß-Denkmals (ANNO)
- Arbeiter-Zeitung, 27. Juni 1921: Enthüllung im Stadtpark, Rede Reumanns (ANNO)
- Die Zeit, 6. Dezember 1906: Der Streit um das Johann Strauß-Denkmal (ANNO)
- Illustrirtes Wiener Extrablatt, 9. Dezember 1906: Hellmers Entwurf und die Nebenfiguren (ANNO)
- Die Zeit, 6. April 1908: Hellmer mit dem Denkmal betraut (ANNO)
- Die Stunde, 17. Februar 1935: Treffpunkt Johann-Strauß-Denkmal (ANNO)
- Kulturpool: Ansichtskarten und Konzertprogramme zum Straußdenkmal (Wien Museum, Gesellschaft der Musikfreunde)
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