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October 28, 2026
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Leopold Museum

Egon Schiele in Wien: Das Jahr 1918 und wo seine Bilder heute hängen

Im Februar 1918 zeichnete Egon Schiele den toten Klimt, im März feierte ihn die Secession, im Oktober starb er selbst. Wo Schieles Bilder heute in Wien hängen – vom Leopold Museum bis zum Belvedere.

Egon Schiele in Wien: Das Jahr 1918 und wo seine Bilder heute hängen
Egon Schiele, Gustav Klimt in der Totenkammer des Allgemeinen Krankenhauses, 1918, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Am 7. Februar 1918 zeichnete Egon Schiele in der Totenkammer des Allgemeinen Krankenhauses in Wien. Am Tag davor war Gustav Klimt gestorben. Schiele, 27 Jahre alt und mit Klimt befreundet, hielt die Züge des Toten auf drei Blättern fest, „inmitten von Leichnamen“, wie das Neue Wiener Journal am 4. März berichtete. Eines dieser Blätter gehört heute dem Wien Museum.

Wer Schiele in Wien sehen will, beginnt im Leopold Museum im MuseumsQuartier. Es besitzt die weltweit größte Schiele-Sammlung, mit mehr als 40 Gemälden, darunter das „Selbstbildnis mit Lampionfrüchten“ und das „Bildnis Wally Neuzil“. Das Belvedere hat „Die Familie“, „Tod und Mädchen“ und „Die Umarmung“, die Albertina Zeichnungen und Aquarelle aus allen Phasen, das Wien Museum frühe Bilder, Porträts und Zeichnungen. Das Jahr 1918 machte Schiele berühmt. Überlebt hat er es nicht.

Ein Akademieschüler vor Gericht

Geboren wurde Egon Schiele am 12. Juni 1890 in Tulln an der Donau, wo heute das Egon Schiele Museum an ihn erinnert. Mit 16 kam er an die Akademie der bildenden Künste in Wien. 1909 verließ er sie nach Streit mit seinem Professor Christian Griepenkerl.

1911 malte er sein Zimmer in Neulengbach, das Bild gehört heute dem Wien Museum. Dort wurde er am 13. April 1912 verhaftet. Der Vorwurf, er habe ein Mädchen entführt, erwies sich als haltlos. Verurteilt wurde er wegen der Verbreitung unsittlicher Zeichnungen, insgesamt saß er 24 Tage in Haft. Auch dort zeichnete er: Elf Aquarelle aus dieser Zeit besitzt die Albertina. In Neulengbach erinnert heute das Museum Egon Schiele Neulengbach an ihn.

Ab Oktober 1912 arbeitete Schiele in einem Atelier in der Hietzinger Hauptstraße 101. Am 17. Juni 1915 heiratete er Edith Harms in der evangelischen Kirche in der Dorotheergasse, vier Tage später musste er zum Militär nach Prag. Im selben Jahr malte er „Tod und Mädchen“. Der Mann darin ist Schiele selbst, die Frau seine frühere Gefährtin Wally Neuzil. Sie starb 1917 als Krankenschwester an Scharlach.

Der Hauptsaal der Secession

Im März 1918, wenige Wochen nach Klimts Tod, kam der Durchbruch. In der 49. Ausstellung der Secession zeigte Schiele 19 große Gemälde und 29 Zeichnungen, fast alles wurde verkauft. Das Plakat hatte er selbst entworfen. Die Neue Freie Presse fand am 9. März, er nehme den großen Hauptsaal zu Recht ein, als einer, „der das Zeug zu einem großen Künstler hat“.

Egon Schiele, Plakat zur 49. Ausstellung der Secession, Wien 1918, Lithografie.
Egon Schiele, Plakat zur 49. Ausstellung der Secession, 1918. – Bild: MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien, gemeinfrei, via Kulturpool

Zum ersten Mal öffentlich zu sehen war in dieser Ausstellung auch ein Bild, das heute dem Belvedere gehört: „Kauerndes Menschenpaar“. Den Titel „Die Familie“ gab ihm erst die Kritikerin Berta Zuckerkandl. Im selben Jahr kaufte die Galerie im Belvedere Schieles Bildnis seiner Frau Edith. Der Galeriedirektor Franz Martin Haberditzl soll das Kleid zu bunt gefunden haben, Schiele übermalte es in gedämpften Tönen.

Am 5. Juli 1918 bezog Schiele ein neues Atelier in der Wattmanngasse 6 in Hietzing. Für dessen Wände entwarf er eine Dekoration, in deren Titel die Venus von Willendorf steht.

Drei Tage im Oktober

Edith Schiele, im sechsten Monat schwanger, starb am 28. Oktober 1918 an der Spanischen Grippe. Egon Schiele starb drei Tage später, am 31. Oktober, in der Wohnung ihrer Familie in der Hietzinger Hauptstraße 114. Er war 28. Die Wiener Allgemeine Zeitung meldete es noch am selben Tag: „Wie wir erfahren, ist heute der bekannte Wiener Maler Egon Schiele an Grippe gestorben.“ Seine Bilder hätten im Frühjahr in der Secession außerordentliches Aufsehen erregt.

Egon Schiele, Kauerndes Menschenpaar (Die Familie), 1918, Belvedere, Wien.
Egon Schiele, Kauerndes Menschenpaar (Die Familie), 1918. – Bild: Belvedere, Wien, gemeinfrei, via Kulturpool

Begraben ist Schiele neben seiner Frau auf dem Ober St. Veiter Friedhof, nicht auf dem Hietzinger Friedhof, wo Klimt liegt. Beide Friedhöfe gehören zum 13. Bezirk. 1918 starben in Wien außer Klimt und Schiele auch Koloman Moser und Otto Wagner.

Wo Schiele in Wien zu sehen ist

Das Leopold Museum zeigt Schiele in seiner Dauerausstellung „Wien 1900“. Die Sammlung hat der Arzt Rudolf Leopold in wenigen Jahrzehnten zusammengetragen, seit 2001 hat sie ein eigenes Haus. Auch Bilder von Richard Gerstl, der schon Jahre vor Schiele expressiv malte, besitzt das Leopold Museum. Welche Werke gerade hängen, lohnt vor dem Besuch ein Blick in die Online-Sammlungen der Häuser.

Im Wien Museum gehören zu Schieles Ölbildern ein Selbstbildnis von 1911, das Porträt Arthur Roessler von 1910 und das Zimmer in Neulengbach. Das Belvedere besitzt neben der „Familie“ und „Tod und Mädchen“ auch das Bildnis des Verlegers Eduard Kosmack von 1910 und das späte Porträt von Edith. In Hietzing lassen sich Schieles letzte Wege ablaufen: das Atelier in der Hietzinger Hauptstraße 101, die Wattmanngasse 6, das Sterbehaus in der Hietzinger Hauptstraße 114 und schließlich das Grab in Ober St. Veit.

Das Blatt vom toten Klimt liegt heute im Wien Museum am Karlsplatz, ein paar hundert Meter von der Secession entfernt, in der Schiele einen Monat später seinen großen Auftritt hatte. Dazwischen liegt sein ganzes letztes Jahr.

Das Leopold Museum hat täglich außer Dienstag geöffnet. Aktuelle Zeiten und Preise stehen auf leopoldmuseum.org.

Leopold Museum · Museumsplatz 1, 1070 Wien (MuseumsQuartier)