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Palmenhaus Schönbrunn: Das Glashaus, das zweimal zusperren musste

Am 14. Jänner 1953 sperrt das Palmenhaus Schönbrunn nach fast acht Jahren wieder auf, 1945 hatten Bomben es in einen Scherbenberg verwandelt. Die Geschichte des großen Glashauses von 1882.

Palmenhaus Schönbrunn: Das Glashaus, das zweimal zusperren musste
Martin Löfgren, Schönbrunn, Garten – Palmenhaus, außen, 1905, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Am Mittwoch, dem 14. Jänner 1953, sperrte in Schönbrunn ein Glashaus wieder auf. Fast acht Jahre lang war das große Palmenhaus Schönbrunn geschlossen gewesen. Staatssekretär Bock hielt die Begrüßungsansprache und nannte das siebzigjährige Treibhaus „einen Begriff für jeden Österreicher“. 5,1 Millionen Schilling hatte die Wiederherstellung gekostet, über 5.000 Quadratmeter Glas waren verbaut worden. Die Pflanzen, schrieb das „Neue Österreich“, seien über Jahrzehnte aus Spenden angeschafft oder auf mühseligen Expeditionen aus Übersee geholt worden. Wer die erste Glashalle betrat, dem schlug betäubender Duft entgegen. Die „Arbeiter-Zeitung“ erinnerte daran, was wenige Jahre zuvor an derselben Stelle gelegen war: ein Berg aus verbogenem Stahl, Glasscherben und Pflanzen.

Vier Bomben hatten das Palmenhaus am 21. Februar 1945 getroffen. Die 25 Meter hohen Palmen, der Stolz der Gärtner, zerbrachen unter dem Luftdruck. Am selben Tag wurde oben auf dem Hügel auch die Gloriette schwer beschädigt. Einige Pflanzen kamen ins nahe Sonnenuhrhaus, ab 1948 wurde das Palmenhaus wieder aufgebaut. Und als die Türen 1953 aufgingen, lautete die Überschrift in der „Arbeiter-Zeitung“: Im Schönbrunner Palmenhaus ist „alles beim alten geblieben“.

Ein Hofsekretär plant einen Glaspalast

Glashäuser hatte es im Schlosspark schon vorher gegeben. Das Palmenhaus steht auf dem Platz des einstigen Holländischen Botanischen Gartens. Gebaut wurde es 1881/82 nach Plänen von Franz Xaver Segenschmid, Hofsekretär im Obersthofmeisteramt und Architekt. Die Eisenkonstruktion lieferte die Firma des Wiener Unternehmers Ignaz Gridl, die den Auftrag 1881 trotz starker ausländischer Konkurrenz bekommen hatte. Am 1. Juli 1882 meldete die „Wiener Zeitung“, dass Segenschmid den Orden der Eisernen Krone dritter Klasse erhielt.

Was da entstand, ist 113 Meter lang. Der Mittelpavillon ist 28 Meter hoch, die beiden Seitenpavillons sind drei Meter niedriger, tunnelartige Gänge verbinden sie. Verbaut wurden 600 Tonnen Schmiedeeisen und 120 Tonnen Gusseisen, rund 45.000 Glasscheiben liegen wie eine Haut auf den gebogenen Eisenträgern. Jeder Pavillon hat sein eigenes Klima: im Norden ein Kalthaus, in der Mitte ein gemäßigtes, im Süden ein tropisches.

Fotografie aus dem Inneren des Palmenhauses Schönbrunn mit Palmen, 1905
Martin Löfgren, Schönbrunn, Garten – Palmenhaus, innen, 1905. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Im März 1883 schrieb die „Morgen-Post“ nach einem Spaziergang durch Schönbrunn, das Palmenhaus sei schon ganz bewohnt. Im Jänner 1885 zeichnete der Maler Ludwig Rösch dort Pflanzenstudien in sein Skizzenbuch.

Bleistiftzeichnung mit Pflanzenstudien aus dem Palmenhaus Schönbrunn, 1885
Ludwig Rösch, Pflanzenstudien im Palmenhaus in Schönbrunn, Jänner 1885. – Bild: Albertina, gemeinfrei, via Kulturpool

Zweimal zugesperrt

Seit 1918 betreuen die Bundesgärten das Palmenhaus. Nach dem Wiederaufbau von 1953 blieb es gut zwei Jahrzehnte offen. 1976 musste es wieder schließen. Die Eisenkonstruktion zeigte altersbedingte Schäden, und nach dem Einsturz der Reichsbrücke am 1. August 1976 wurde das Palmenhaus vorsorglich gesperrt. Diesmal dauerte es länger. Die Generalsanierung begann erst 1986, am 30. November 1990 öffnete das Palmenhaus wieder, 14 Jahre nach der Sperre.

Es zählt zu den größten Glashäusern Europas. Die Schlossverwaltung nennt es das letzte Glashaus dieser Art, das auf dem europäischen Festland gebaut wurde. Die Zeitungen von 1953 nannten es sogar das größte Europas.

Ein Ölbaum, älter als das Haus

Heute wachsen im Palmenhaus rund 4.500 Pflanzenarten. Der älteste Bewohner kam erst 1974: ein etwa 350 Jahre alter Olivenbaum, ein Geschenk Spaniens, mehr als doppelt so alt wie das Haus, in dem er steht. 2001 blühte zum ersten Mal seit über 40 Jahren wieder eine Riesenseerose der Gattung Victoria. Und auch die Palmen, deren Vorgängerinnen 1945 im Luftdruck zerbrachen, wachsen wieder in die Höhe: 2008 wurde in der Mitte des Hauses eine Chinesische Fächerpalme gepflanzt, benannt nach der Schwimmerin Mirna Jukić. 1953 fand die „Arbeiter-Zeitung“, im Palmenhaus sei alles beim Alten geblieben. Seither hat es noch einmal zugesperrt und wieder aufgesperrt.

Das Palmenhaus liegt im Schlosspark von Schloss Schönbrunn, nahe dem Hietzinger Tor. Der Park selbst ist frei zugänglich, das Palmenhaus hat ganzjährig geöffnet und kostet eigenen Eintritt; es gibt Kombitickets mit dem Wüstenhaus und dem Tiergarten. Aktuelle Zeiten und Preise nennen die Bundesgärten.

Palmenhaus Schönbrunn · Schlosspark Schönbrunn, Schönbrunner Schloßstraße 47, 1130 Wien