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Wo wurde Schubert geboren? Das Haus „Zum roten Krebsen“, vor dem die Sänger standen

Am 7. Oktober 1858 stellen sich Sänger im Halbkreis vor ein Vorstadthaus am Himmelpfortgrund. Die Geschichte von Schuberts Geburtshaus – und wie er neben Beethoven auf den Zentralfriedhof kam.

Wo wurde Schubert geboren? Das Haus „Zum roten Krebsen“, vor dem die Sänger standen
August Stauda, 9., Nußdorfer Straße 54 – Schubert-Geburtshaus, 1901, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Am Donnerstag, dem 7. Oktober 1858, um fünf Uhr nachmittags, stellten sich die Sänger des Wiener Männergesang-Vereins in einem weiten Halbkreis vor einem kleinen Vorstadthaus am Himmelpfortgrund auf. Das Haus Nummer 72 an der Oberen Hauptstraße, genannt „Zum roten Krebsen“, war mit Blumen und einer Büste Franz Schuberts geschmückt. In der Mitte standen Bürgermeister Ritter von Seiller und zwei Hofräte, dazu Schuberts Brüder und weitere Verwandte. Der Verein enthüllte eine Gedenktafel, dann erklangen Chöre, Sologesänge und Klavierwerke Schuberts. Die Leitung teilten sich die Chormeister Schläger und Johann Herbeck. So berichtete es eine Woche später die „Neue Wiener Musik-Zeitung“. Schubert war damals fast 30 Jahre tot.

Wo wurde Schubert geboren? Genau hier, im heutigen Haus Nußdorfer Straße 54 im 9. Bezirk, am 31. Jänner 1797. Das Schubert-Geburtshaus gehört heute zum Wien Museum, ist aber seit März 2026 wegen Sanierung geschlossen. Und wo ist Schubert begraben? Im Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof, Gruppe 32A, ganz in der Nähe von Beethoven. Bis er dort ankam, hatte er schon einmal neben ihm gelegen.

Vierzehn Kinder und eine Schule

Das kleine Haus war 1731 gebaut worden, zwei Geschoße um einen Hof, mit rund 15 Wohneinheiten. Hier wohnte die Familie, und hier führte Vater Franz Theodor Schubert seine Schule. Die Mutter Elisabeth, geborene Vietz, war eine Schlosserstochter aus Zuckmantel in Schlesien. Vierzehn Kinder bekam das Paar, nur fünf von ihnen wurden erwachsen. Franz wurde am Tag nach seiner Geburt in der Pfarrkirche Lichtental getauft.

Lange blieb er nicht im „Roten Krebsen“. 1801, mit vier Jahren, zog die Familie ein paar Gassen weiter in das Haus „Zum schwarzen Rössel“ in der Säulengasse 3. Das Geburtshaus aber blieb stehen, als eines der wenigen erhaltenen Vorstadthäuser jener Zeit, wie das Wien Museum schreibt.

Der Chormeister und das Museum

Einer der beiden Chormeister von 1858 sollte Schubert noch einen großen Dienst erweisen. Anselm Hüttenbrenner in Graz überließ Johann Herbeck 1865 eine Partitur, die gut vier Jahrzehnte bei ihm gelegen hatte: zwei fertige Sätze einer Symphonie in h-Moll. Am 17. Dezember 1865 dirigierte Herbeck die Uraufführung der „Unvollendeten“ im Redoutensaal der Hofburg.

Wilhelm August Rieder, Franz Schubert, 1825
Wilhelm August Rieder, Franz Schubert, 1825. – Bild: Wien Museum, gemeinfrei, via Kulturpool

Wilhelm August Rieder porträtierte Schubert 1825, drei Jahre vor seinem Tod. Das Geburtshaus kam erst Jahrzehnte später in öffentliche Hand. Am 22. Mai 1908 beschloss der Wiener Gemeinderat, es zu kaufen und als Schubert-Museum einzurichten. Am 18. Juni 1912 wurde es eröffnet. Bürgermeister Josef Neumayer sprach im Hof: „Schuberts Reliquien bewahrt die Stadt Wien“, berichtete die „Wiener Zeitung“. Danach sang wieder der Wiener Männergesang-Verein, und im Hof stand nun ein Brunnen von Josef Müllner, der an „Die Forelle“ erinnert. Zu den Schätzen des Hauses gehört bis heute Schuberts Brille.

Zweimal neben Beethoven

Schubert starb am 19. November 1828, 31 Jahre alt, in der Wohnung seines Bruders Ferdinand in der Kettenbrückengasse, der heutigen Sterbewohnung. Ferdinand ließ ihn auf dem Währinger Ortsfriedhof begraben, in der Nähe Beethovens, der gut eineinhalb Jahre zuvor gestorben war. Wie die beiden 1863 exhumiert und 1888 auf den Zentralfriedhof gebracht wurden, erzählt der Text Wo ist Beethoven begraben?.

Schubert folgte im September 1888, drei Monate nach Beethoven. Am Samstagnachmittag, dem 22. September, wurden seine Überreste im Beisein der noch lebenden Familie gehoben. Am Sonntag um 8 Uhr früh segnete sie am Währinger Friedhofstor der greise Schottenpriester Hermann Schubert, wie das „Neuigkeits-Welt-Blatt“ schrieb. Hermann war ein Halbbruder aus der zweiten Ehe des Vaters, geboren 1826. Als Franz starb, war er zwei Jahre alt. Dann begann die letzte Fahrt nach Simmering, ins Ehrengrab Nummer 28 in der Gruppe 32A. Das Grabmal schuf Carl Kundmann, die Architektur stammt von Theophil Hansen.

Ansichtskarte mit dem Ehrengrab von Franz Schubert auf dem Wiener Zentralfriedhof, 1900 bis 1905
Brüder Kohn KG, Zentralfriedhof – Ehrengrab von Franz Schubert, Ansichtskarte, 1900–1905. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Musik im Haus statt davor

Und das Haus in der Nußdorfer Straße? Bis 2028 baut das Wien Museum es um: Die Dauerausstellung im Obergeschoß soll sich auf gut 200 Quadratmeter verdoppeln, ein Lift soll das Haus barrierefrei machen, und im Erdgeschoß ist ein kleiner Konzertsaal für rund 70 Menschen geplant. Wiedereröffnet werden soll 2028, im Jahr von Schuberts 200. Todestag.

1858 sangen die Sänger vor dem Haus, um an Schubert zu erinnern. Ab 2028 soll seine Musik im Haus selbst gespielt werden, in dem Haus, in dem er zur Welt kam.

Bis zur Wiedereröffnung ist das Schubert-Geburtshaus geschlossen, aktuelle Informationen gibt das Wien Museum. Das Ehrengrab und seine Nachbarn zeigt das Dossier Wiener Zentralfriedhof in 13 Bildern, weitere Schubert-Orte sind die Sterbewohnung auf der Wieden und, in Niederösterreich, Schloss Atzenbrugg.

Schubert-Geburtshaus · Nußdorfer Straße 54, 1090 Wien