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October 30, 2026
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Bertha von Suttner: „Die Waffen nieder!“ und der Friedenskongress, der 1914 ausfiel

Am 21. Juni 1914 starb Bertha von Suttner in ihrer Wiener Wohnung, eine Woche vor dem Attentat von Sarajevo. Der Weltfriedenskongress, der im September in Wien tagen sollte, fand nicht mehr statt.

Bertha von Suttner: „Die Waffen nieder!“ und der Friedenskongress, der 1914 ausfiel
Atelier Adèle (Adele Perlmutter), Bertha von Suttner, 1893, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Am Sonntag, dem 21. Juni 1914, um halb zwölf Uhr vormittags starb Bertha von Suttner in ihrer Wohnung in der Zedlitzgasse 7 in der Wiener Innenstadt. Zwölf Tage zuvor war sie 71 Jahre alt geworden, sie hatte Krebs. Dass sie überhaupt krank war, wussten die wenigsten, schrieb das Neue Wiener Tagblatt am nächsten Tag. In ein Sanatorium wollte sie sich nicht bringen lassen, in ihrem Heim fühlte sie sich am wohlsten. Trotz ihres Leidens hatte sie noch in einer Komiteesitzung des Friedenskongresses gesprochen, berichtete die Zeitung Die Zeit. Für ihr Begräbnis wünschte sie sich keine Feier, keine Reden und keine Kränze.

Der Friedenskongress, in dessen Komitee sie noch gesprochen hatte, war der 21. Weltfriedenskongress. Er sollte im September 1914 in Wien tagen, in der Stadt der Frau, die als erste Frau den Friedensnobelpreis bekommen hatte. Dazu kam es nicht mehr. Eine Woche nach Suttners Tod, am 28. Juni 1914, wurden in Sarajevo Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie erschossen. Das Auto, in dem sie saßen, steht heute im Heeresgeschichtlichen Museum. Am 28. Juli erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg, und der Friedenskongress wurde abgesagt. Dabei hatte das Leben dieser Kriegsgegnerin ausgerechnet als Tochter eines Generals begonnen.

Die Tochter eines Generals

Bertha von Suttner kam am 9. Juni 1843 in Prag zur Welt, als Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau. Ihr Vater, Franz Joseph Graf Kinsky, war General. Er starb vor ihrer Geburt, im 75. Lebensjahr. Sein Erbe war bald weitgehend aufgebraucht, nicht zuletzt wegen der Spielleidenschaft der Mutter. So nahm die Gräfin 1873 eine Stelle als Gouvernante in Wien an, im Haus von Karl Freiherr von Suttner. Dessen vier Töchtern gab sie Musik- und Sprachunterricht.

Bertha von Suttner als junge Frau, Porträtfoto von Josef Löwy aus dem Jahr 1865.
Josef Löwy, Bertha von Suttner, damals noch Gräfin Kinsky, 1865. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Im Haus gab es auch einen Sohn, den jüngsten der Familie: Arthur Gundaccar von Suttner, sieben Jahre jünger als sie. Die beiden verliebten sich. Um das zu beenden, entließ Arthurs Mutter die Gouvernante. Damit sie nicht mittellos dastand, verschaffte sie ihr aber eine neue Stelle, und die hatte Folgen.

Zwei Wochen bei Alfred Nobel

1876 ging sie nach Paris, als Privatsekretärin von Alfred Nobel. Sie blieb nur knapp zwei Wochen, dann rief der schwedische König Nobel in seine Heimat zurück. Am 12. Juni 1876 heiratete sie Arthur von Suttner, heimlich und gegen den Willen seiner Eltern. Das Paar ging in den Kaukasus, zur Fürstin Jekaterina Dadiani von Mingrelien, die letzten Jahre lebten sie in Tiflis. Das Geld war knapp. Bertha gab Sprachunterricht und schrieb Unterhaltungsromane, Arthur zeichnete Pläne und Tapetenmuster. Als 1877 der Russisch-Türkische Krieg begann, schickte Arthur Kriegsberichte an deutsche Wochenzeitungen. Im selben Jahr begann auch sie, für Zeitungen zu schreiben, unter dem Pseudonym B. Oulot. Erst 1885 kehrten sie zurück, zuerst nach Wien, dann auf das Schloss der Familie in Harmannsdorf in Niederösterreich.

Arthur Gundaccar von Suttner, Porträtfoto von Rupert Pokorny um 1891/92, mit eigenhändiger Widmung an Johann Strauss.
Rupert Pokorny, Arthur Gundaccar von Suttner, mit Widmung an Johann Strauss, 1891/92. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Den Kontakt zu Nobel ließ sie nicht abreißen. 1892 versprach sie ihm, ihn über die Friedensbewegung auf dem Laufenden zu halten. Im Jänner 1893 schrieb Nobel ihr von einem Friedenspreis, den er stiften wolle. Er starb 1896, und sein Testament schuf den Preis tatsächlich.

„Die Waffen nieder!“

Ende 1889 erschien Bertha von Suttners Roman „Die Waffen nieder!“. Er beschreibt die Schrecken des Krieges aus der Sicht einer Ehefrau und wurde ein Erfolg: 37 Auflagen, Übersetzungen in 15 Sprachen. Aus der Schriftstellerin wurde eine Anführerin der Friedensbewegung. Am 3. September 1891 rief sie in der Neuen Freien Presse dazu auf, eine Friedensgesellschaft zu gründen. Daraus entstand die Österreichische Gesellschaft der Friedensfreunde, deren Präsidentin sie bis zu ihrem Tod blieb. Im selben Jahr brachte sie den Geldfonds auf den Weg, mit dem das Internationale Friedensbüro in Bern gegründet wurde. Von 1892 bis 1899 gab sie eine Monatszeitschrift heraus, die wie ihr Roman hieß. In deutschnationalen Kreisen verspottete man sie als „Friedens-Bertha“.

1902 starb Arthur von Suttner. Danach zog sie in die Zedlitzgasse 7, in die Wohnung, in der sie zwölf Jahre später sterben sollte. Am 10. Dezember 1905 wurde ihr der Friedensnobelpreis zuerkannt, als erster Frau. Entgegen nahm sie ihn am 18. April 1906 in Kristiania, dem heutigen Oslo.

Vorträge in Amerika, Warnungen in Wien

Schon 1904 war sie sieben Monate lang durch die USA gereist, vor allem für den Weltfriedenskongress in Boston. Sie hielt bis zu drei Vorträge am Tag, Präsident Theodore Roosevelt lud sie ins Weiße Haus ein. 1912 fuhr sie ein zweites Mal hinüber und sprach in mehr als fünfzig Städten, von der Ost- bis zur Westküste.

Zugleich sah sie, wie die Waffen moderner wurden. Über die Bomben, die italienische Flugzeuge 1911 im Krieg um Libyen abwarfen, schrieb sie im Dezember 1911: „Und mit jedem Tag wird der Krieg verbrecherischer.“ 1912 erschien ihre Schrift „Die Barbarisierung der Luft“. Den großen Krieg, vor dem sie warnte, erlebte sie nicht mehr.

Keine Kränze, aber eine Münze

Ihr Leichnam wurde nach Gotha gebracht und dort eingeäschert, wie sie es testamentarisch verfügt hatte. In Österreich gab es damals noch kein Krematorium: Das erste, die Feuerhalle Simmering, wurde erst im Dezember 1922 eröffnet. Bertha von Suttners Urne steht im Kolumbarium des Hauptfriedhofs Gotha.

In Wien erinnert man trotzdem an sie. 1959 schuf Siegfried Charoux ein Denkmal vor dem Bertha-von-Suttner-Hof in der Favoritenstraße: eine Frau mit gefalteten Händen, zwei Kinder an ihrer Seite. 1963 kam eine Gedenktafel an ihr Sterbehaus in der Zedlitzgasse. Mehrere Porträtfotos von ihr und ihrem Mann besitzt das Wien Museum. 1970 kam ihr Bild auf die 1000-Schilling-Banknote, heute ist es auf der österreichischen Zwei-Euro-Münze. Die Frau, die sich keine Feier, keine Reden und keine Kränze wünschte, trägt man so heute im Geldbörsel mit sich.

Gedenktafel für Bertha von Suttner · Zedlitzgasse 7, 1010 Wien. Das Suttner-Denkmal von Siegfried Charoux steht in der Favoritenstraße 38–40, 1040 Wien.