Der Saal ist abgedunkelt und langgezogen, das Licht fällt nur auf die Blätter an den Wänden: Wer die zentrale Halle der Kunsthalle Krems betritt, steht weniger in einem Ausstellungsraum als in einer Kathedrale. Links und rechts hängen hochstrebende Figuren, scharf ausgeleuchtet und aufgereiht wie Wächter. Am Ende des Raums ein querformatiges Blatt, das aussieht wie ein Tempel. Alles daran ist mit Bleistift und Graphitstift gezeichnet.
Florian Steininger, künstlerischer Direktor der Kunsthalle Krems und Kurator der Ausstellung Galaktal, hütet sich davor, die Figuren zu benennen. Sie entziehen sich der Zuordnung.
„Sind es Roboter, sind es Raketen, sind es Tempelanlagen? Wahrscheinlich von jedem Teil ein bisschen, eine Art Kombination, ein gezeichnetes Puzzle.“
Geometrische Formen erinnern an die Säulen eines Tempels, andere Teile scheinen einer Ritterrüstung entsprungen. Die Zeichnungen führen in eine fiktive, utopische Welt, in der solche Ritter, Roboter und Astronauten existieren könnten. Entscheidend ist für Steininger aber nicht das Personal, sondern die Machart: keine Projektionen, keine flachen Bilder, sondern fein ausgearbeitete Oberflächen, die vom Hellen ins Dunkle kippen, hier glänzend, dort matt.
Andreas Werner, 1984 in Merseburg geboren, kommt von der Zeichnung und der Druckgrafik. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Gunter Damisch, wo grafische Techniken großgeschrieben wurden – das zieht sich durch sein Werk. Steininger beschreibt ihn als modernen Romantiker: Caspar David Friedrich mit seinen Landschaften und Seestücken war früh eine Inspirationsquelle. Dazu kommt das Kino, Star Wars, Tron, Dune und, älter, Fritz Langs Metropolis von 1927. Von dort stammen die erhabenen, monumentalen Hochhäuser, die in Werners architektonischen Zeichnungen wiederkehren – und die Stimmung: das Hell-Dunkel, das Düstere, leicht Unheimliche. Farbe verwendet er kaum, eine Ausnahme ist das Titelbild der Ausstellung, für das er mit blauen Pigmenten gearbeitet hat.
In der Mitte des Raums steht eine Vitrine mit kleineren Formaten, Zeichnungen und Druckgrafiken, die das Werk der vergangenen Jahre aufblättern: Landschaften, Palmen, Strände, Berge, Seen, so realistisch, dass sie fotografiert wirken. Manches sieht aus, als wäre es aus einem Computerprogramm gefallen – gezeichnet hat Werner es eigenhändig. Daneben liegen ungegenständliche Blätter mit geometrischen Formen und klaren Farbflächen. Zu sehen war Galaktal bis 3. April 2022 im Oberlichtsaal der Kunsthalle Krems.
Der Reiz dieser Ausstellung liegt in einem Widerspruch. Sie erzählt von Zukunft, von Raumfahrt und maschinellen Wesen, hergestellt ist sie mit dem ältesten Werkzeug der Kunst, dem Stift. Wer nah genug herangeht, sieht die Handschrift – und merkt, dass diese Wächter nicht gerendert, sondern Strich für Strich entstanden sind.
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