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April 22, 2022
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DokuFunk

Zwei QSL-Karten aus habsburgischer Hand: Wer höflich funkte, bekam das Wappen

Zwei Karten im Dokumentationsarchiv Funk sehen aus wie Postkarten, sind aber keine. Christoph Hubner erzählt, warum Anton Habsburg-Lothringen je nach Anrede das Erzherzogs-Wappen verschickte – oder ein schmuckloses Rufzeichen.

Zwei QSL-Karten aus habsburgischer Hand: Wer höflich funkte, bekam das Wappen
Bild: sisigrant

Zwei Karten liegen auf dem Tisch, ungefähr postkartengroß, bedruckt mit Rufzeichen, Uhrzeiten und Frequenzangaben. Postkarten nennen darf man sie trotzdem nicht. QSL-Karten sind Sende- und Empfangsbestätigungen, und was auf ihnen steht – wer wann auf welcher Wellenlänge gesendet hat, mit welcher Stärke –, hat den Charakter einer Urkunde.

„Das beleidigt jeden Funkamateur, weil es amtliche Dokumente sind.“

Christoph Hubner ist Historiker im Dokumentationsarchiv Funk in Wien, einem Erinnerungslabor zur Mediengeschichte mit über neun Millionen Objekten. Er betreut dort die wissenschaftliche Aufarbeitung, zum Amateurfunk kam er über ein Praktikum beim ORF. Eine eigene Lizenz hat er nicht – ein Minuspunkt, den man bei Funkern gleich einmal abräumt.

Die Radiogeschichte beginnt eng verflochten mit dem Amateurfunk. 1923 sendete in Wien die Station Hekaphon, ein Jahr später nahm die Radio-Verkehrs-AG den Betrieb auf, die RAVAG, Vorläuferin des ORF. Rund um die Uhr sendete keine von beiden, und in den Lücken kamen Amateure auf die Idee, selbst Programm zu machen. Dafür gründete sich 1926 der Österreichische Versuchssenderverband, der ÖVSV. 1929 war damit Schluss: Ein Gesetz überließ das Radioprogramm der RAVAG. Den Amateuren blieb der Funkverkehr – und die Pflicht, eine Lizenz mit persönlichem Rufzeichen zu beantragen.

Eines dieser Rufzeichen gehörte Anton Habsburg-Lothringen. In Österreich funkte er als OE3AH, in Rumänien als YR5AH, in Argentinien nutzte er laut Hubner unerlaubt eine fremde Station mit, LU6BS, später wieder legal in Österreich als OE5AH. Von 1936 bis 1938 stand er an der Spitze des ÖVSV.

Die beiden Karten im Archiv stammen nicht aus seinem Besitz, sondern von jenen Funkern, die sie bekommen haben. Die eine ging an einen Wiener mit dem Rufzeichen OE1HZ: mit Habsburger Wappen und dem Titel „Archduke of Austria“. Die andere, schmucklos und nur mit OE5AH beschriftet, ging an einen Funker in der DDR, DM2AFM. Über den Unterschied entschied die Anrede. Wer Habsburg als kaiserliche Hoheit begrüßte und sich, wie Hubner sagt, brav benahm, bekam die schöne Karte, wer ihn schlicht als Funkerkollegen ansprach, die nüchterne. 1954, gut drei Jahrzehnte nachdem Österreich den Adel abgeschafft hatte, hing das Wappen am Tonfall.

Aufgehoben werden solche Karten aus einem praktischen Grund: Seit den Anfängen des Amateurfunks gibt es Diplome, mit denen sich Funker messen, und wer erreichte Länder oder Sonderstationen nachweisen will, braucht die Bestätigung schwarz auf weiß. Manche reisen dafür mit Wissenschaftsteams auf unbewohnte Inseln, funken eine Woche und verschicken die Karten erst nach der Rückkehr. Von einer treibenden Eisscholle geht ohnehin keine Post weg.

Was bleibt, ist ein Stück Papier, das zwei Dinge protokolliert. Dass ein Signal um die halbe Welt getragen hat, steht messbar in den Spalten. Dass jemand einen Erzherzog auch dann noch Erzherzog nannte, als es den Titel längst nicht mehr gab, steht nirgends – man sieht es nur am Wappen.