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Basiliskenhaus: Wo der Wiener Basilisk sitzt und was an der Sage stimmt

Im Dezember 1932 malt Otto Homolatsch einen bunten Basilisken an ein Haus in der Schönlaterngasse. Die Geschichte des Basiliskenhauses, seiner Sage von 1212 und des Steins in der Nische.

Basiliskenhaus: Wo der Wiener Basilisk sitzt und was an der Sage stimmt
Bruno Reiffenstein, 1., Schönlaterngasse 7 – Basiliskenhaus, nach 1932, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Im Dezember 1932 meldeten die Wiener Zeitungen Neues aus der Schönlaterngasse. Das Basiliskenhaus war renoviert worden, und an seiner Fassade prangte jetzt ein Fabeltier: Der Maler Otto Homolatsch hatte den Basilisken in bunten Farben als Fresko an die Wand gemalt. Dazu kam eine alte Inschrift zurück, die schon 1577 am Haus gestanden hatte. Sie erzählte in wenigen Zeilen, wie im Jahr 1212, unter Kaiser Friedrich II., ein Basilisk aufgetaucht sei, „von einem Hann entsprungen“, also aus dem Ei eines Hahns.

Das Haus steht bis heute: Schönlaterngasse 7 im 1. Bezirk, gegenüber dem Haus „Zur schönen Laterne“ und nicht weit vom Stephansdom. Wer den Basilisken sucht, findet ihn in einer Nische der Fassade. Dort sitzt als Hauszeichen eine tierähnliche Figur aus Stein, darunter eine jüngere Wandmalerei und eine Inschrifttafel. Das bunte Fresko von 1932 ist allerdings verschwunden.

Die steinerne Basiliskenfigur in einer Nische an der Fassade des Hauses Schönlaterngasse 7
Der Basilisk in seiner Nische an der Fassade, Schönlaterngasse 7. – Foto: PictureObelix, CC BY-SA 3.0 AT, via Wikimedia Commons

Ein Brunnen, ein Spiegel und ein Ungeheuer

Die Sage, der das Haus seinen Namen verdankt, geht so: Am 26. Juni 1212 fand man im Hausbrunnen des Bäckers Martin Garhiebl ein unbekanntes Tier, dessen Atem giftig war. Man hielt es für einen Basilisken, ein Mischwesen aus Hahn und Kröte, dessen Blick und Atem töten. In den bekanntesten Fassungen steigt ein junger Bäckergehilfe mit einem Spiegel in den Schacht und hält ihn dem Ungeheuer vor. Als der Basilisk sein eigenes Bild sieht, zerplatzt er vor Wut über so viel Hässlichkeit. Der Brunnen wird mit Erde zugeschüttet, und der Retter bekommt zum Lohn die Tochter des Bäckers, um die er vorher vergeblich angehalten hatte.

Kupferstich von Melchior Lorch aus dem Jahr 1548 mit der Darstellung eines Basilisken
Melchior Lorch, Basilisk, Kupferstich, 1548. – Bild: Albertina, Public Domain, via Kulturpool

Aufgeschrieben hat die Geschichte zuerst der Arzt und Historiker Wolfgang Lazius, 1546 in seiner Stadtbeschreibung „Vienna Austriae“, mehr als 330 Jahre nach dem angeblichen Ereignis. So stellte man sich das Tier damals vor: 1548 stach Melchior Lorch einen Basilisken in Kupfer, das Blatt gehört heute der Albertina. Eine Legende ist es trotzdem: Dass das Haus 1212 umbenannt wurde, lässt sich nicht beweisen. Früher soll es „Zum roten Kreuz“ geheißen haben.

Was wirklich im Brunnen war

Für das Ungeheuer hatte der Geologe Eduard Suess eine nüchterne Erklärung. Er vermutete giftige Erdgase im Brunnen. Wer in einen solchen Schacht hinunterstieg, brauchte keinen Basilisken, um in Gefahr zu geraten.

Alt ist das Haus wirklich. Seine Kellermauern stammen zum Teil aus dem 13. Jahrhundert. 1577 ließ der Buchhändler Hans Spannring, damals Hausherr, das Gebäude renovieren und die Gedenktafel mit der Basiliskengeschichte anbringen. Sie verschwand um 1740 bei einem Umbau, erst 1932 kam ihr Text wieder an die Fassade.

Und das Tier in der Nische? Es ist ein Naturgebilde, ein seltsam geformter Brocken aus Sandsteinkonglomerat, der beim Graben des Brunnens gefunden worden sein soll. Damit er einem Fabeltier ähnlicher sah, setzte man ihm, so beschrieb es die Reichspost 1932, einen eisernen Schnabel, einen gezackten Schwanz und ein kleines Krönchen auf.

Fotografie des Basiliskenhauses in der Schönlaterngasse 7 in Wien, um 1910
Bruno Reiffenstein, 1., Schönlaterngasse 7 – Basiliskenhaus, um 1910, vor der Renovierung von 1932. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Die üble Luft kehrt zurück

Das Fresko hielt nur ein gutes Jahrzehnt. 1944 wurde das Haus bei Bombenangriffen beschädigt, eine amerikanische Bombe traf damals auch das Nachbarhaus Nummer 9. Nach dem Krieg stellte man das Basiliskenhaus wieder her, das Fresko von Homolatsch aber nicht.

Im Mai 1950 berichtete die Österreichische Volksstimme aus dem Hof des Hauses. Dort wachse ein Misthaufen von Jahr zu Jahr, eine Kanalisation gebe es nicht. Den Bewohnern gehe „der Gestank schon nicht mehr aus der Nase“. Die Zeitung fragte spöttisch, ob der Misthaufen im Hof etwa unter Denkmalschutz gestellt worden sei.

Fast 740 Jahre nach dem angeblichen Basilisken klagte man in der Schönlaterngasse 7 also wieder über üble Luft. Diesmal war es kein Ungeheuer und kein Erdgas, sondern Mist. Der steinerne Basilisk, den nie jemand in einem Brunnen gesehen hat, hat sie alle überdauert: die Tafel von 1577, das Fresko von 1932 und die Bomben von 1944.

Das Basiliskenhaus ist ein Wohnhaus, Nische, Wandmalerei und Inschrift sind jederzeit von der Gasse aus zu sehen. Zum Stephansdom sind es nur ein paar Gassen, und eine zweite Wiener Sage mit Eisen, Schloss und Teufel erzählt der Stock im Eisen. Alte Fotografien des Hauses, darunter die von Bruno Reiffenstein, bewahrt das Wien Museum.

Basiliskenhaus · Schönlaterngasse 7, 1010 Wien