1898 verschickte jemand eine Ansichtskarte mit dem Aufdruck „Gruß aus Wien“. Darauf ist ein Baumstamm voller Nägel zu sehen, in einer Nische an einer Hausecke, daneben stehen zwei Männer mit Hut. Den Rest der Karte füllt eine handschriftliche Nachricht. Der Stamm stand damals erst seit wenigen Jahren an dieser Ecke, am neuen Palais Equitable. Wie alt er wirklich ist, fand man erst 1975 heraus.
Ein Baum aus dem 15. Jahrhundert
Der Stock im Eisen ist das Mittelstück einer Fichte mit zwei Wipfeln, 2,19 Meter hoch, auf einem Sockel aus Granit. Eine Untersuchung des Holzes 1975 ergab: Der Baum keimte um 1400 und wurde um 1440 gefällt oder starb ab. Die ersten Nägel wurden schon vorher eingeschlagen, als der Baum noch lebte, das Holz ist zum Teil über sie hinweggewachsen. Vermutlich waren sie ursprünglich Votivgaben.
Erstmals erwähnt wird der Stamm 1533 in einer Rechnung der Stadt, als „Stock der im Eisen liegt“. Das Eisenband, das ihn hält, trägt das Monogramm „HB“ und die Jahreszahl 1575, vermutlich für den Hausbesitzer Hans Buettinger, der es erneuern ließ. Das Vorhängeschloss daran ist eine Attrappe, eine leere Kapsel ohne Mechanismus.
Der Teufel und der Schlosserlehrling
Um den Stamm ranken sich Sagen, die meisten aus dem 17. und 18. Jahrhundert. In der bekanntesten schmiedet ein Schlosserlehrling mit Hilfe des Teufels das eiserne Band und verpfändet dafür seine Seele. Er versäumt eine Sonntagsmesse und kommt zu spät, in der Sage heißt er Martin Mux. Schön erzählt, belegt ist davon nichts.
Ab dem 18. Jahrhundert schlugen wandernde Gesellen Nägel in den Stamm, wenn sie nach Wien kamen. Ein uralter Zunftbrauch war das wohl nicht, der Stamm ist viel älter. Eine neuere Falschmeldung behauptet, der Stamm am Platz sei nur eine Kopie und das Original liege im Wien Museum. Auch das stimmt nicht.

Ein Stamm, der umzieht
1533 ist der Stock im Eisen bei einem Brunnen auf dem heutigen Platz belegt, später wurde er an ein Haus versetzt. Der Platz hieß bis Ende des 17. Jahrhunderts Alter Roßmarkt. 1891 entstand an der Ecke von Graben und Kärntner Straße das Palais Equitable, das den Stamm in einer Nische aufnahm. Im Zweiten Weltkrieg wurde er abgenommen, am 5. Juni 1951 kam er an seinen Platz zurück. Seither hat die Stadt Wien ihn in ihrer Obhut, seit 1974 steht er unter Denkmalschutz.

Heute steht der Stock im Eisen hinter Glas am Stephansplatz, schräg gegenüber dem Stephansdom. Die ältesten Nägel stecken seit fast 600 Jahren darin. Neue kommen keine mehr dazu.
Der Stamm ist jederzeit von außen zu sehen, Eintritt gibt es keinen. Ein paar Gehminuten entfernt zieht an der Ankeruhr am Hohen Markt jede Stunde eine Figur vorbei, mittags alle zwölf mit Musik.
Stock im Eisen · Stock-im-Eisen-Platz 3, 1010 Wien
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