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Wo ist Prinz Eugen begraben? Ein Feldherr ohne Testament und seine Orte in Wien

Am Morgen des 21. April 1736 finden die Diener Prinz Eugen tot im Winterpalais, und bald heißt es, sein Löwe habe in der Nacht gebrüllt. Wo der Feldherr begraben ist und wo man ihm in Wien heute begegnet.

Wo ist Prinz Eugen begraben? Ein Feldherr ohne Testament und seine Orte in Wien
Johann Lukas von Hildebrandt, Salomon Kleiner, Jeremias Jakob Sedelmayr, Trauergerüst für Prinz Eugen von Savoyen im Stephansdom, 1736, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Am Morgen des 21. April 1736 kamen die Diener in der Himmelpfortgasse, um ihren Herrn zu wecken, und fanden ihn tot. Prinz Eugen von Savoyen war in der Nacht still gestorben, 72 Jahre alt. Am Abend davor hatte er noch bei der Gräfin Eleonore Batthyány Karten gespielt, bis neun Uhr, dann war er heimgekehrt und hatte die Arznei abgelehnt, die man ihm reichte. Als Todesursache gilt eine Lungenentzündung, seit einer Grippe zu Weihnachten 1724 plagten ihn Bronchitis und Winterinfekte. Bald erzählte man sich, in jener Nacht habe der Löwe in seiner Menagerie im Belvedere so laut gebrüllt, dass der Wärter hinauslief, oder er sei am selben Morgen tot im Käfig gelegen. Eine Legende, die später auch Hugo von Hofmannsthal nacherzählte.

Wo ist Prinz Eugen begraben? Im Stephansdom, in der Kreuzkapelle in der Nordwestecke des Doms, links vom Riesentor. Heute heißt sie auch Prinz-Eugen-Kapelle, in der Gruft darunter liegt sein einbalsamierter Leichnam. Sein Herz kam nach Turin, in die Grablege des Hauses Savoyen, meist wird dafür die Basilika Superga genannt. In Wien begegnet man ihm heute vor allem an vier Orten: im Grab, im Palais, in dem er starb, im Belvedere und hoch zu Ross auf dem Heldenplatz.

Ein Flüchtling aus Paris

Geboren wurde Eugen am 18. Oktober 1663 in Paris, im Hôtel de Soissons. Man hatte ihn für die Kirche bestimmt, er wollte Soldat werden. Ludwig XIV. lehnte seine Bitte um eine Kompanie rundweg ab. In der Nacht des 26. Juli 1683 verließ er Paris Richtung Osten. Wien war in diesem Sommer von den Osmanen belagert, und in der Schlacht im September zeichnete sich der junge Freiwillige aus. Im Dezember bekam er ein Dragonerregiment, das er selbst ausrüsten musste. Es folgten Siege bei Zenta 1697, Höchstädt 1704, Turin 1706 und Belgrad 1717, ab 1703 war Eugen Präsident des Hofkriegsrats.

Zwei Paläste für einen Junggesellen

Ab 1693 kaufte Eugen Grundstücke in der Himmelpfortgasse. 1697 begann Johann Bernhard Fischer von Erlach dort ein Stadtpalais mit sieben Fensterachsen, ab 1702 baute Johann Lucas von Hildebrandt weiter. Als das Winterpalais 1724 fertig war, hatte es 17 Achsen und einen eigenen Flügel für die Bibliothek. Draußen vor der Stadt errichtete Hildebrandt ihm zugleich das Belvedere, 1714 bis 1716 das Untere, 1720 bis 1723 das Obere. Im Unteren Belvedere wohnte Eugen im Sommer, im Oberen gab er Feste und Empfänge. Das heutige Goldkabinett war ursprünglich sein Schlafzimmer.

Rudolf von Alt, Das Winterpalais des Prinzen Eugen von Savoyen in der Himmelpfortgasse, Aquarell von 1882
Rudolf von Alt, Das Winterpalais des Prinzen Eugen von Savoyen in der Himmelpfortgasse in Wien, 1882. – Bild: Belvedere, Wien, CC BY-SA, via Kulturpool

Geheiratet hat Eugen nie, man nannte ihn einen Mars ohne Venus. Ein Testament machte er auch nicht. So erbte seine Nichte Anna Viktoria alles, und sie verkaufte vieles davon. Kaiser Karl VI. erwarb 1738 die Bibliothek mit über 15.000 Druckschriften, sie steht bis heute im Prunksaal der Nationalbibliothek, in Maroquinleder gebunden, die Farbe des Einbands zeigt das Fach. Die Kupferstiche liegen in der Albertina, die Gemälde gingen 1741 nach Turin. Die beiden Paläste kaufte 1752 das Kaiserhaus unter Maria Theresia. Im Winterpalais sitzt seit 1848 das Finanzministerium.

Drei Tage aufgebahrt

Drei Tage lag der Tote in einem schwarz verhängten Vorzimmer seines Palais, berichtete das Wienerische Diarium. Dann zog der Leichenzug zum Stephansdom, mit sechs Feldgeschützen, jedes von vier Pferden gezogen. Sarg und Bahre bedeckte ein kostbares Tuch mit goldenen Fransen, obenauf stand ein großes silbernes Kruzifix. Im Dom warteten die Ritter vom Goldenen Vlies. Wie das Trauergerüst darin aussah, zeigt ein Kupferstich aus demselben Jahr, als Entwerfer gilt Hildebrandt, der Architekt seiner Paläste.

Das Grabmal an der Kapellenwand mit dem Relief einer Türkenschlacht gab erst 1752 die Witwe seines Neffen in Auftrag. Einen früheren Entwurf für ein Grabmal, gezeichnet um 1740 von Jakob Gabriel Mollinarolo, besitzt heute das Belvedere, ebenso Porträts des Feldherrn, etwa von Johann Gottfried Auerbach.

Ein Pferd auf zwei Beinen und einem Schweif

Auf dem Heldenplatz reitet Eugen seit dem 18. Oktober 1865, seinem Geburtstag, mehr als zwei Jahrhunderte danach, wie die Neue Freie Presse an diesem Tag erinnerte. Um zehn Uhr waren die Tribünen voll. Kaiser Franz Joseph kam in Marschallsuniform, auf seinen Befehl gab der erste Generaladjutant das Zeichen. Arbeiter in altdeutscher Tracht setzten die Maschinerie in Gang, die Hülle fiel, von der Löwelbastei feuerten Batterien Salven. Schon am nächsten Tag warb ein Händler am Graben mit kleinen Prinz-Eugen-Monumenten in echter Bronze aus Fernkorns Atelier.

Fotografie um 1904: das Reiterstandbild des Prinzen Eugen auf dem Heldenplatz in Wien
August Stauda, Heldenplatz – Prinz-Eugen-Reiterstandbild, um 1904. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Anton Dominik Fernkorn hatte den Auftrag 1860 bekommen, im selben Jahr, in dem gegenüber sein Denkmal für Erzherzog Karl enthüllt wurde. Dessen Pferd steht nur auf den Hinterbeinen, ein technisches Kunststück. Bei Eugen gelang es nicht noch einmal, hier stützt sich das Pferd zusätzlich mit dem Schweif auf den Sockel. Weil Fernkorn erkrankt war, vollendete sein Schüler Franz Pönninger das Werk großteils. Fernkorn erkrankte schwer und starb 1878 in einer Heilanstalt. Im Volk hieß es, die Enttäuschung über das zweite Pferd habe ihn um den Verstand gebracht. Auch das ist eine Legende, so wie der Löwe, der in Eugens Todesnacht gebrüllt haben soll.

Ohne Testament gestorben, ist Eugens Erbe am Ende doch öffentlich geworden: die Bücher im Prunksaal, die Paläste im Besitz des Staates. Das Belvedere ist täglich geöffnet, zu sehen sind auch die Prunkräume des Unteren Belvedere. Das Winterpalais ist als Ministerium nicht öffentlich zugänglich, von 2013 bis 2017 zeigte das Belvedere dort Ausstellungen. Die Figur des Feldherrn erscheint außerdem jeden Tag um 10 Uhr an der Ankeruhr am Hohen Markt, sein Jagdschloss im Marchfeld ist Schloss Hof.

Prinz-Eugen-Kapelle im Stephansdom · Stephansplatz 3, 1010 Wien

Belvedere · Prinz-Eugen-Straße 27 und Rennweg 6, 1030 Wien