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Spanische Hofreitschule: Wie die Lipizzaner 1945 gerettet wurden und was Hollywood dazuerfand

Im Oktober 1955 kehrt Alois Podhajsky mit seinen Lipizzanern in die Winterreitschule zurück. Zehn Jahre vorher hatte ein Tag im Innviertel, mit einer Vorführung für General Patton, über die Spanische Hofreitschule entschieden.

Spanische Hofreitschule: Wie die Lipizzaner 1945 gerettet wurden und was Hollywood dazuerfand
Michael Frankenstein & Comp., Winterreitschule, Innenansicht, Blick durch den Reitsaal gegen die Hofloge, um 1890, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Am 11. Oktober 1955 stand Alois Podhajsky wieder in der Winterreitschule der Wiener Hofburg. Zehn Jahre lang hatte der Leiter der Spanischen Hofreitschule mit seinen Hengsten in Oberösterreich ausgeharrt. Jetzt war der Saal renoviert, und einem Reporter der „Weltpresse“ sagte er: „Ich habe diesen nun wieder herrlich strahlenden Saal tief bewegt betreten.“ Gut zwei Wochen später, am Mittwochabend, dem 26. Oktober, meldete Podhajsky bei der ersten Vorstellung dem Bundespräsidenten die Rückkehr der ältesten Reitschule der Welt nach Wien. Am selben Tag hatte der Nationalrat das Neutralitätsgesetz beschlossen.

Wo ist die Spanische Hofreitschule? Seit fast 300 Jahren an derselben Stelle: in der Winterreitschule im Michaelertrakt der Hofburg, zwischen Michaelerplatz und Josefsplatz. Die Hengste wohnen nebenan in der Stallburg. Kaiser Karl VI. ließ den Saal von 1729 bis 1735 errichten, entworfen von Johann Bernhard Fischer von Erlach, ausgeführt von seinem Sohn Joseph Emanuel. Dass Podhajsky 1955 dorthin zurückkehren konnte, hatte sich zehn Jahre früher entschieden, an einem Montag im Innviertel.

Ein Schloss im Innviertel

Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde die Schule der Wehrmacht eingegliedert, seit 1939 leitete sie Podhajsky, Bronzemedaillengewinner im Dressurreiten bei den Olympischen Spielen 1936. Als die Luftangriffe auf Wien immer schwerer wurden, bemühte er sich mehrmals vergeblich, die Pferde aus der Stadt bringen zu dürfen. Im Februar und März 1945 gelang es schließlich. Ziel war St. Martin im Innkreis, ein Schloss und Dorf zwischen Schärding und Ried. Dort warteten Reiter und Hengste auf das Kriegsende. Als die ersten Amerikaner kamen, verschwanden die Wehrmachtsuniformen, so erzählte es der „Wiener Kurier“ im November 1945, im Handumdrehen.

Am Montag, dem 7. Mai 1945, ritt die Schule im Schloss Arco-Zinneberg in St. Martin vor General George S. Patton. Podhajsky bat ihn um zweierlei: Schutz für die Schule und Hilfe für die Zuchtherde, die in der Tschechoslowakei festsaß. Patton stellte die Reitschule unter den besonderen Schutz der US-Armee und versprach, für die Pferde zu tun, was er könne. In sein Tagebuch schrieb er, die Vorführung sei „äußerst interessant und prächtig ausgeführt“ gewesen.

Die Stuten von Hostau und ein Befehl, den es wohl nie gab

Die Stuten aus dem Gestüt Piber waren schon 1942 nach Hostau im Böhmerwald gebracht worden, auf ein Gestüt unter Wehrmachtskontrolle. Im April 1945 standen dort rund 350 Zuchttiere, und Hostau lag in dem Gebiet, das die Rote Armee besetzen sollte. Deutsche Offiziere suchten den Kontakt zu den Amerikanern. Am 28. April 1945 erreichte eine Einheit der 2. US-Kavalleriegruppe unter Oberst Charles H. Reed das Gestüt. Mitte Mai zogen die Pferde nach Bayern, am 18. und 22. Mai kamen die Pferde in zwei Transporten nach St. Martin.

Daraus wurde ein Stoff für Hollywood. 1963 kam der Disney-Film „Miracle of the White Stallions“ ins Kino, auf Deutsch „Flucht der weißen Hengste“, nach Podhajskys eigenem Bericht. Robert Taylor spielte Podhajsky, und Podhajsky doubelte ihn selbst. Gedreht wurde großteils in Wien, in der Hermesvilla im Lainzer Tiergarten. Im Film setzt Patton die Rettung erst nach der Vorführung in St. Martin in Gang. Tatsächlich war Hostau da schon neun Tage in amerikanischer Hand. Auch der berühmte Funkbefehl, mit dem Patton die Aktion angeordnet haben soll, gehört eher zur Legende: Der Historiker Jindřich Marek fand keinen Beleg dafür, dass Patton vorher davon wusste.

Ein Saal für Karusselle, Feste und ein Parlament

Die Reitschule ist älter als ihr Saal. Schon 1565 wird ein offener Reitplatz an der Hofburg genannt, dort, wo heute der Josefsplatz liegt. Die Winterreitschule Karls VI. diente dann nicht nur den Pferden. 1743 veranstaltete Maria Theresia hier ein Damenkarussell, gefeiert wurde die Rückeroberung Prags im Österreichischen Erbfolgekrieg. Am 23. November 1814 bekamen die Gäste des Wiener Kongresses am Abend ein Karussell zu sehen: Ritter in voller Rittertracht zeigten ihre Übungen, danach führte jeder seine Dame in den kleinen Redoutensaal, so berichtete der „Österreichische Beobachter“.

Aquarell von 1814: das kaiserliche Karussell in der Winterreitschule während des Wiener Kongresses
Das kaiserliche Karussell in der Winterreitschule am 23. November 1814, Aquarell. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Im Sommer 1848 wurde der Reitsaal zum Parlament. Am 22. Juli 1848 zog Erzherzog Johann gegen Mittag von der Burg über den Michaelerplatz zur Reitschule, Bürger, Nationalgardisten und Studenten standen Spalier. Dann eröffnete er den ersten Reichstag der Monarchie. Das Satireblatt „Wiener Katzenmusik“ hatte schon ein paar Tage vorher gespottet, die Abgeordneten könnten ja bis zur feierlichen Eröffnung einen Proberitt machen.

Holzstich von 1848: Sitzung der österreichischen Reichsversammlung in der Reitschule in Wien
„Sitzung der östreichischen Reichsversammlung in der k. k. Reitschule in Wien“, Holzstich, 1848. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Der Gruß an den Bauherrn

Ein Ritual hat all das überdauert, das Karussell der Kaiserin, den Reichstag und die zehn Jahre in Oberösterreich. Wenn die Reiter zur Schulquadrille einziehen, nehmen sie den Zweispitz ab. Der Gruß gilt nicht dem Publikum, sondern dem Bildnis Karls VI. über der Hofloge, als Dank für den Bau. Seit Oktober 1955 reiten die Lipizzaner wieder unter diesem Bild ein, in dem Saal, den Podhajsky so bewegt wieder betrat.

Das Aquarell vom Kongresskarussell und den Holzstich vom Reichstag bewahrt das Wien Museum.

In der Winterreitschule zeigt die Spanische Hofreitschule Vorführungen und die Morgenarbeit mit Musik, dazu gibt es geführte Rundgänge. Termine und Karten stehen auf srs.at. Gezüchtet werden die Lipizzaner im Gestüt Piber in der Steiermark.

Spanische Hofreitschule · Michaelerplatz 1, 1010 Wien