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Augustinerkirche: Kaiserhochzeiten und die Herzgruft

Am 24. April 1854 heiraten hier Franz Joseph und Elisabeth. Wie die Hofkirche der Habsburger zu ihren Hochzeiten kam und warum in ihrer Gruft 54 Herzen stehen.

Augustinerkirche: Kaiserhochzeiten und die Herzgruft
Vinzenz Katzler, Die Trauung in der Augustiner-Kirche am 24. April 1854, Neue Illustrirte Zeitung, 1879, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Am 24. April 1854 führte Herzogin Ludovika ihre 16-jährige Tochter Elisabeth in der Augustinerkirche zum Altar. Dort wartete Kaiser Franz Joseph. Getraut wurden die beiden von Erzbischof Joseph Othmar Rauscher, unter Assistenz von 70 Bischöfen und Prälaten. Nach dem Segen sang man die Kaiserhymne mit neuem Text. 1879, im Jahr der Silberhochzeit, erschien die Szene in der „Neuen Illustrirten Zeitung“, gezeichnet von Vinzenz Katzler: die Braut mit langer Schleppe, links die Bischöfe mit ihren Mitren.

Die Augustinerkirche war damals schon seit über 200 Jahren die Kirche des Hofes. Und Elisabeth war längst nicht die erste Braut hier.

Ein Gelübde in Gefangenschaft

1327 stiftete Herzog Friedrich der Schöne den Augustiner-Eremiten in Wien Kirche und Kloster. Das Gelübde dazu soll er in Gefangenschaft auf Burg Trausnitz abgelegt haben. Gebaut wurde ab 1330 nach Plänen von Dietrich Landtner, geweiht wurde die Kirche am 1. November 1349. 1634 machte Kaiser Ferdinand II. sie zur Hofkirche. Bis heute ist sie Teil der Hofburg: Über den Augustinergang kam der Hof direkt aus der Burg in sein Oratorium.

1784 ließ Joseph II. den Innenraum von Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg wieder gotisch gestalten. 18 barocke Seitenaltäre verschwanden dabei aus der Kirche.

Hochzeiten mit und ohne Bräutigam

Am 12. Februar 1736 heiratete hier Maria Theresia Franz Stephan von Lothringen. 1770 wurde ihre Tochter Maria Antonia, die spätere Marie Antoinette, in der Augustinerkirche per Stellvertreter mit dem französischen Thronfolger vermählt. 1810 folgte Marie Louise, die Napoleon heiratete, ohne dass er dabei war: Ihr Onkel Erzherzog Karl stand für ihn am Altar. 1854 kamen Franz Joseph und Elisabeth, 1873 ihre Tochter Gisela, 1881 Kronprinz Rudolf mit Stephanie von Belgien.

Kupferstich von Elias Baeck, 1736: zwei Porträtmedaillons, oben die Trauung in der Kirche, unten die Festtafel
Elias Baeck, Vermählung von Maria Theresia mit Franz von Lothringen am 12. Februar 1736, 1736. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

54 Herzen hinter einer Eisentür

In der Loretokapelle liegt die Herzgruft. Hinter einer Eisentür stehen in zwei Reihen 54 Urnen mit den Herzen von Habsburgerinnen und Habsburgern, die meisten aus Silber, die von Kaiser Matthias aus Gold. Die Herzen stammen aus den Jahren 1618 bis 1878. Als Begründer der Tradition gilt Ferdinand IV., der die Gottesmutter besonders verehrte und 1654 starb. Das jüngste Herz ist das von Erzherzog Franz Karl, dem Vater von Franz Joseph.

Die Körper liegen meist in der Kapuzinergruft, die Eingeweide in der Herzogsgruft unter dem Stephansdom. Am Becher des Herzogs von Reichstadt, des Sohnes Napoleons, hängt ein Band in den Farben der Trikolore. Sein Sarg kam 1940 auf Befehl Hitlers nach Paris, sein Herz blieb hier.

Eine Pyramide für die beste Gattin

Das auffälligste Denkmal der Kirche ist ein Grab, in dem niemand liegt. Albert von Sachsen-Teschen, der Gründer der Albertina, gab es nach dem Tod seiner Frau, Erzherzogin Marie Christine, 1798 bei Antonio Canova in Auftrag. 1805 war es fertig: eine Pyramide aus Marmor, in deren offene Tür ein Trauerzug schreitet. Die Inschrift lautet „Uxori optimae Albertus“, der besten Gattin, Albert. Marie Christine selbst liegt in der Kapuzinergruft. Zeichnungen des Grabmals besitzt heute die Albertina gleich nebenan, darunter Canovas ersten Entwurf von 1798.

Zeichnung von Jakob Merz, 1805: Canovas Grabmal für Marie Christine, eine Pyramide mit Medaillon, ein Trauerzug schreitet zur Tür, rechts ein Löwe und ein Genius
Jakob Merz, Grabmal der Erzherzogin Marie Christine von Antonio Canova, 1805. – Bild: Albertina, Public Domain, via Kulturpool

Sonntags mit Orchester

An Sonn- und Feiertagen um 11 Uhr wird das Hochamt mit einer Orchestermesse gefeiert, mit Werken von Mozart, Haydn, Schubert und anderen. Schubert dirigierte hier seine F-Dur-Messe, Bruckner führte seine f-Moll-Messe hier zum ersten Mal auf. Seit 1951 betreuen wieder Augustiner die Kirche.

Die Kirche, in der Elisabeth Ja sagte, bewahrt heute auch das Herz ihres Schwiegervaters.

Geöffnet ist Montag, Mittwoch und Freitag von 8 bis 17.30 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 8 bis 19.30 Uhr, Samstag und Sonntag von 9 bis 19.30 Uhr. Die Herzgruft ist nur mit Führung zu sehen: an Sonn- und Feiertagen nach dem Hochamt, unter der Woche auf Anfrage. Die Führung durch Kirche und Herzgruft kostet 10 Euro, nur die Herzgruft 5 Euro. Der Eingang liegt am Josefsplatz.

Augustinerkirche · Augustinerstraße 3, 1010 Wien