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October 27, 2026
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Wien Museum

Christkindlmarkt in Wien: Die Geschichte der Weihnachtsmärkte

Seit 1975 steht der Wiener Christkindlmarkt vor dem Rathaus, zunächst nur als Provisorium gedacht. Davor zog er von Graben und Freyung über Am Hof bis zum Messepalast. Die Geschichte der Wiener Weihnachtsmärkte.

Christkindlmarkt in Wien: Die Geschichte der Weihnachtsmärkte
Carl von Stur, Nikolomarkt des „Floh“, Karikatur aus „Der Floh“, 5. Dezember 1874, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Am 5. Dezember 1874, dem Vorabend des Nikolotags, eröffnete das Witzblatt „Der Floh“ seinen eigenen Markt. „Nikolomarkt des ‚Floh‘“ stand über der Zeichnung von Carl von Stur, und feilgeboten wurde Spielzeug: ein Nikolaus mit Bischofsstab, ein Krampus mit Rute, ein riesiger Nussknacker, ein Schaf auf Rädern, eine Kiste mit Springfiguren. Die Köpfe gehörten bekannten Politikern, unter anderem Ignaz Kuranda, dem früheren Finanzminister Rudolf Brestel, Finanzminister Sisinio de Pretis und Unterrichtsminister Karl von Stremayr.

Die Leser wussten, worauf das Blatt anspielte: Jedes Jahr in der Weihnachtszeit stand Am Hof der Christkindlmarkt. Wie alt dieser Markt ist, darüber gehen die Angaben weit auseinander.

Kein Weihnachtsmarkt im Mittelalter

1958 meldete die Rathauskorrespondenz, der Pressedienst der Stadt, der Wiener Weihnachtsmarkt sei 660 Jahre alt: 1298 habe Albrecht I. den Bürgern einen „Dezember-Markt“ erlaubt. Einen Beleg dafür nannte sie nicht, und es gibt auch keinen: Im mittelalterlichen Wien gab es keine Weihnachtsmärkte. Belegt sind zwei Jahrmärkte, die Rudolf von Habsburg 1278 bewilligte, zu Mariä Lichtmess und zu Jakobi. 1382 wurden sie auf Christi Himmelfahrt und den Katharinentag am 25. November verlegt. Ein Weihnachtsmarkt war keiner davon.

Erste Belege für Weihnachtsbuden stammen aus dem Jahr 1600. Damals standen vor dem Fest Hütten am Graben und auf der Brandstätte, aufgebaut Mitte Dezember, abgebaut am 9. Jänner. Es verkauften „Peckn, Lebzelter und Zuggerpacher“, also Bäcker, Lebkuchenbäcker und Zuckerbäcker. Man nannte das den Thomasmarkt.

Von der Freyung nach Am Hof

1722 wird erstmals ein „Nikolo-, Weihnachts- und Krippenmarkt“ auf der Freyung erwähnt, mit 108 Ständen. So rechnet auch das Marktamt, das 2022 „300 Jahre Christkindlmärkte“ feierte. Andere Quellen nennen 1764 oder 1772, ganz geklärt ist das nicht. Krippen kamen erst in den 1780er-Jahren in großer Zahl auf den Markt.

Kupferstich 1724: die Fassade der Schottenkirche an der Freyung, davor ein Platz mit Kutschen und Menschen, im Hintergrund der Turm des Stephansdoms
Nach Salomon Kleiner, Die Schottenkirche auf der Freyung, Kupferstich, 1724. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Dann kam der Christbaum. 1827 tauchte zum ersten Mal ein „Christmarkt“ mit Christbäumen auf, der den Krippenmarkt ablöste. Nach Streit zwischen den Standlern und dem regulären Markt auf der Freyung zog der Weihnachtsmarkt 1842 probeweise auf den Platz Am Hof. 1843 wurde daraus eine feste Einrichtung: Ab 5. Dezember standen dort 132 Krippenmarktstände. 1851 glich Am Hof vor Weihnachten einem Wald aus Christbäumen. Das gefiel nicht allen: Im selben Dezember sprach sich die k.k. Landwirtschaftsgesellschaft dagegen aus, junge Bäume als Christbäume zu fällen. Wien verbrauche jedes Jahr an die 10.000 Stück, hieß es, und vorgeschlagen wurde, sie durch künstliche zu ersetzen.

Kupferstich 1726: der weite Platz Am Hof mit der Mariensäule, vielen Menschen und Kutschen, rechts ein langes Gebäude
Nach Salomon Kleiner, Der Platz Am Hof, Kupferstich, 1726. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Als der Gemeinderat 1872 die alten Jahrmärkte abschaffte, blieb nur einer übrig: der Christkindlmarkt. 1903 wurden seine 128 Stände erneuert und bekamen zum ersten Mal elektrisches Licht.

Kolorierte Grafik um 1850: eine Spielwarenverkäuferin mit rotem Kopftuch hält eine Puppe hoch, vor ihr ein Korb voller Spielzeug, daneben eine Mutter mit Mädchen
Matthäus Trentsensky (Verlag), Spielwaaren-Verkäuferin, aus der Serie „Wiener Bilder“, um 1850. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Ein Markt auf Wanderschaft

Nach dem Ersten Weltkrieg begann eine lange Wanderung. 1918 stand der Markt am Stephansplatz, 1923 auf der Freyung, von 1924 bis 1928 rund um den Dom, ab 1929 mit 150 Ständen am Neubaugürtel. 1939 bis 1942 stand er wieder Am Hof, 1943 am Stephansplatz. Nach dem Krieg wechselte er zwischen dem Messepalast, dem heutigen Museumsquartier, und dem Neubaugürtel. 1963 versuchte man es in der Kalvarienberggasse in Hernals, ohne Erfolg.

Farblithografie um 1900: fünf Kinder im Schnee mit Spielzeug, eine Trommel, eine Puppe, ein Schirm und ein Korb mit Waren
Fünf Kinder am Weihnachtsmarkt, Farblithografie, um 1900, Ort nicht angegeben. – Bild: Albertina, Public Domain, via Kulturpool

Das Provisorium vor dem Rathaus

1975 brauchte der Christkindlmarkt einen neuen Platz. Vor dem Messepalast, wo er zuletzt gestanden hatte, wurde eine Tiefgarage gebaut. Baubeginn war am 17. November, die Bauzeit war mit 16 Monaten veranschlagt. Der Markt wich auf den Rathausplatz aus und eröffnete dort am 22. November. Gedacht war das nur als Provisorium für die Bauzeit. Ein Jahr später meldete die Stadt, der Platz habe allgemeine Zustimmung gefunden, der Markt bleibe. Inzwischen ist aus dem Provisorium ein halbes Jahrhundert geworden.

Der Christbaum war übrigens zuerst da. Seit 1959 steht vor dem Rathaus ein Christbaum, abwechselnd ein Geschenk eines Bundeslandes oder Südtirols. Der erste kam aus Kärnten und maß 16 Meter, 1975 kam eine 25 Meter hohe Fichte aus Vorarlberg. 1986 wurde die Tradition wegen des Waldsterbens unterbrochen. Wie der Christbaum überhaupt nach Wien kam, erzählen unser Text über Fanny von Arnstein und das Dossier Der Christbaum in Wien.

Die Märkte 2026

Heute gibt es in Wien weit mehr als einen Markt. Der Wiener Christkindlmarkt auf dem Rathausplatz öffnet heuer am 13. November und läuft bis 26. Dezember, täglich von 10 bis 22 Uhr, am 24. Dezember bis 18.30 Uhr. Der Weihnachtsmarkt vor Schloss Schönbrunn beginnt schon am 6. November und bleibt bis 6. Jänner. Am Spittelberg, Am Hof und beim Art Advent vor der Karlskirche geht es am 13. November los, auf der Freyung, wo seit 1989 wieder ein Markt steht, am 14. November. Diese vier schließen am 23. Dezember. Vor dem Oberen Belvedere läuft ein Markt vom 20. November bis 31. Dezember. Die genauen Öffnungszeiten stehen auf den Seiten der Märkte.

Wiener Christkindlmarkt · Rathausplatz, 1010 Wien