Dossier
Quer durch die Sammlungen

Der Prater früher: Seine Geschichte in 13 Bildern

Vom Jagdrevier des Kaisers zum Rummel für alle.

Der Prater früher: Seine Geschichte in 13 Bildern

Johann Ziegler, Das Lusthaus im Prater, 1783, MAK – Museum für angewandte Kunst · Public Domain, via Kulturpool

Am 9. April 1766 stand im Wienerischen Diarium eine Nachricht, die den Prater für immer veränderte. Das Jagdrevier des Kaiserhauses war ab sofort für alle offen, „zu allen Zeiten des Jahrs, und zu allen Stunden des Tags“. Man durfte dort spazieren gehen, reiten und fahren, nicht nur auf der Hauptallee, sondern auch in den Seitenalleen und auf den Wiesen. Geöffnet hatte ihn Joseph II., seit dem Jahr davor Kaiser und Mitregent seiner Mutter Maria Theresia.

Gut eine Woche später durften auch Wirte und Kaffeesieder kommen. Aus ihren Hütten wurde der Wurstelprater, mit Schaukeln, Ringelspielen und Kasperltheatern. Später kamen die Weltausstellung, ein Venedig mit Gondeln und das Riesenrad dazu.

Die folgenden 13 Bilder aus dem Wien Museum, der Albertina, dem MAK und dem Wiener Filmarchiv der Arbeiterbewegung erzählen, wie aus dem Jagdrevier der Prater wurde.

Mehr über den Prater

Die Geschichte des Vergnügungsparks zeigt das Pratermuseum. Wie das Riesenrad zwei Weltkriege überstand, erzählt unser Text über das Riesenrad, wie der Prater um 1900 aussah, der Text über Felix Saltens „Wurstelprater“ und das Dossier Wien um 1900. Die Kaffeehäuser in der Hauptallee kommen im Dossier Wiener Kaffeehauskultur vor.

Die Bilder

Das Jagdrevier des Kaisers

Eine Bärenhatz zur Kaiserhochzeit, 1666

Eine Bärenhatz zur Kaiserhochzeit, 1666

Melchior Küsell, 1666. Wien Museum, CC0

Ein runder Platz zwischen hohen Bäumen, ringsum dicht gedrängt die Zuschauer, hinten ein Pavillon mit rotem Dach. In der Mitte hetzen Jäger mit Hunden große dunkle Tiere: eine Bärenhatz. Melchior Küsell hat sie gestochen, die kaiserliche Jagd im Prater am 16. Dezember 1666. Gefeiert wurde die Hochzeit Kaiser Leopolds I. mit Margarita Teresa von Spanien.

Die Braut war 15 Jahre alt. Zehn Jahre davor hatte Diego Velázquez sie als kleines Mädchen gemalt, in der Mitte seines Bildes „Las Meninas“. Der Prater war damals das Jagdrevier des Kaiserhauses. Für alle geöffnet wurde er erst hundert Jahre später.

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Für alle geöffnet

Im Wirtshaus „Zur Schnecke“, 1772

Im Wirtshaus „Zur Schnecke“, 1772

Unbekannt, 1772. Wien Museum, CC0

Männer mit Dreispitz sitzen an zwei Tischen. Links wird gespielt, rechts lehnen sich die Gäste mit langen Pfeifen zurück. An der Wand hängen Bilder und ein Kruzifix, in der Ecke stehen eine Standuhr und ein grüner Kachelofen. So malte ein unbekannter Künstler 1772 die Gaststube des Wirtshauses „Zur Schnecke“ im Prater.

Sechs Jahre davor war der Prater für alle geöffnet worden. Am 17. April 1766 durften sich auch Wirte, Kaffeesieder und Weinschenker dort niederlassen. Sie bauten ihre Hütten im vorderen, nördlichen Teil. Dort begann der Wurstelprater.

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Für alle geöffnet

Die neue Prater-Lust, 1781

Die neue Prater-Lust, 1781

Hieronymus Löschenkohl, 1781. WIFAR – Wiener Filmarchiv der Arbeiterbewegung, Public Domain

Damen in weiten Kleidern, Herren mit Hut und Stock, alle schwarz wie Schattenrisse, spazieren über einen Platz zwischen Alleen. Zwei Sockel tragen Blumenvasen. „Die neue Prater Lust oder das vergnügte Wien in seinem Geliebten Joseph“ heißt der Stich, den Hieronymus Löschenkohl 1781 herausbrachte.

Löschenkohl war Kupferstecher und Verleger. Er brachte Bilder zu aktuellen Ereignissen heraus, oft kaum dass sie passiert waren, dazu Kalender, Fächer und Spiele. Der Titel ist eine Huldigung an Joseph II., der seit dem Tod Maria Theresias im November 1780 allein regierte.

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Für alle geöffnet

Das Lusthaus am Ende der Hauptallee, 1783

Das Lusthaus am Ende der Hauptallee, 1783

Johann Ziegler, 1783. MAK – Museum für angewandte Kunst, Public Domain

Am Ende der breiten Allee steht ein achteckiger Pavillon, davor fahren Kutschen, Reiter traben vorbei, Spaziergänger bleiben stehen. Johann Ziegler zeichnete und stach das Lusthaus im Prater 1783, in dem Jahr, in dem es fertig wurde. Verlegt hat das Blatt Artaria in Wien.

Geplant hatte den Neubau Isidore Canevale. Er steht auf einem hohen Sockel, wegen der Hochwassergefahr, denn die Donau war damals noch nicht reguliert. Sein Vorgänger, das Grüne Lusthaus, war vermutlich schon um 1555 unter Maximilian II. entstanden. Heute ist im Lusthaus ein Café-Restaurant.

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Für alle geöffnet

Auf der Schaukel, 1803

Auf der Schaukel, 1803

Georg Emanuel Opiz, 1803. WIFAR – Wiener Filmarchiv der Arbeiterbewegung, Public Domain

Hoch über den Köpfen schwingen Gondeln an einem Mast, ein Mann fliegt auf einem Holzpferd durch die Luft, sein Hut segelt davon. Unten schauen die Leute zu. Georg Emanuel Opiz zeichnete diese Schaukel im Wiener Prater 1803, während seiner Zeit in Wien.

Im Vordergrund geht es weniger lustig zu. Mehrere Männer beugen sich über jemanden, der am Boden liegt, daneben stehen Wasserkübel. Ob ihm vom Schaukeln schlecht geworden ist, verrät das Bild nicht. Opiz, 1775 in Prag geboren, zeichnete das Wiener Straßen- und Volksleben, eine Folge von 52 Szenen erschien ab 1804 als kolorierte Radierungen.

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Feste, Ausfahrten und die Weltausstellung

Das Fest der Sieger, 18. Oktober 1814

Das Fest der Sieger, 18. Oktober 1814

Johann Schönberg, 1814. Wien Museum, CC0

Rauchwolken steigen auf, überall wehen Fahnen, auf dem Wasser drängen sich Boote voller Menschen, rechts ist ein Pavillon dicht besetzt. Johann Schönberg radierte das Militärfest im Prater am 18. Oktober 1814. Es war der erste Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, in der die Verbündeten Napoleon geschlagen hatten.

Wien war in diesen Wochen voller Monarchen und Diplomaten, die zum Wiener Kongress gekommen waren. Die verbündeten Herrscher speisten im Lusthaus, rundherum wurden 18.000 Soldaten bewirtet. Die Verse unter dem Bild nennen Kaiser Franz, Zar Alexander und Friedrich Wilhelm von Preußen.

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Feste, Ausfahrten und die Weltausstellung

Die Rotunde als Baustelle, 1872

Die Rotunde als Baustelle, 1872

Philipp Georg von der Lippe (zugeschrieben), Wiener Photographen-Association, 1872. Wien Museum, CC0

Gerüste vor hohen Bogenfenstern, oben ein Kran, vorne liegen Bretter. „Rotunde von aussen. 27. September 1872“ steht unter der Aufnahme, die die Wiener Photographen-Association als Lichtdruck herausgab. Die Rotunde wurde das Herz der Weltausstellung, die von 1. Mai bis 2. November 1873 im Prater stattfand.

Entworfen hatte den Kuppelbau der schottische Ingenieur John Scott Russell, 108 Meter im Durchmesser und mit Laterne 84 Meter hoch. Für die Ausstellung wurde der Prater umgebaut, viele Praterhütten mussten weichen. Die Rotunde blieb stehen, als Ausstellungs- und Messehalle, bis sie am 17. September 1937 abbrannte.

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Feste, Ausfahrten und die Weltausstellung

Die Praterfahrt zum Ausschneiden, um 1875

Die Praterfahrt zum Ausschneiden, um 1875

Stockinger & Morsack, um 1875. Wien Museum, CC0

Kutsche hinter Kutsche, in vier Streifen übereinander, vor Häuserzeilen und über eine Brücke: „Die Praterfahrt in Wien“ ist ein Ausschneidebogen des Wiener Verlags Stockinger & Morsack, um 1875. Er zeigt den Weg von der Aspernbrücke über die Praterstraße bis zur Hauptallee.

Das Vorbild war ein Großereignis. Am 1. Mai fuhren bis zu rund 500 Kutschen in einem Zug in den Prater, bei der Rückfahrt stauten sie sich oft vom Praterstern bis zum Stephansplatz. 1845 sollen 30.000 Menschen zugesehen haben. Was die vornehme Gesellschaft an diesem Tag trug, war oft in der nächsten Saison Mode.

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Wurstel und Kasperl

Der Wurschtl, um 1875

Der Wurschtl, um 1875

Otto Schmidt, 1873–1878. Albertina, Public Domain

In einem Fenster, umrankt von Blättern, spielen die Puppen. Auf einer Bank davor sitzen zwei Frauen und ein Kind. „Der Wurscht'l (im Wurstelprater)“ heißt die Aufnahme, Nummer 35 der Serie „Wiener Typen“ des Fotografen Otto Schmidt, entstanden zwischen 1873 und 1878.

Der Wurstel war die Wiener Kasperlfigur, ein Nachfahre des Hanswurst. Nach seinen Bühnen bekam der ganze Vergnügungsbezirk den Namen Wurstelprater. Vor der Weltausstellung taufte man ihn offiziell in Volksprater um, durchgesetzt hat sich das nie ganz, seit 2024 heißt er wieder Wurstelprater. Wie aus dem Hanswurst der Wurstel wurde, erzählt unser Deep Dive Hanswurst, wie solche Typen-Serien entstanden, der Deep Dive Wiener Typen.

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Wurstel und Kasperl

Beim Kasperltheater der Barbara Fux

Beim Kasperltheater der Barbara Fux

Emil Mayer, 1905–1911. Wien Museum, CC0

Über dem Fenster der Holzbude steht „Barbara Fux“, drinnen spielen die Puppen. Davor drängen sich Kinder und Erwachsene, fast alle mit dem Rücken zur Kamera, ein Herr mit Hut hält seinen Spazierstock hinter dem Rücken. Fotografiert hat das Emil Mayer, zwischen 1905 und 1911.

Mayer war Rechtsanwalt und fotografierte mit einem Sucher, der ihn unbemerkt arbeiten ließ. 75 seiner Prateraufnahmen erschienen in Felix Saltens Buch „Wurstelprater“, mehr über ihn erzählt unser Deep Dive Emil Mayer. Den Kasperl gibt es im Prater bis heute: Am Wurstelplatz spielt das Original Wiener Praterkasperl.

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Um 1900: Venedig, Riesenrad und die Au

Venedig in Wien, 1895

Venedig in Wien, 1895

Atelier Fritz Luckhardt, 1895. Wien Museum, CC0

Ein Kanal zwischen Häusern im venezianischen Stil, darauf eine Gondel mit Gondoliere, vorne eine Balustrade und eine Palme. Dieses Venedig lag im Prater. Das Foto stammt aus dem Atelier von Fritz Luckhardt, aus dem Jahr der Eröffnung 1895. Auf dem Karton steht auch der Name des Architekten: Oskar Marmorek.

Theaterdirektor Gabor Steiner hatte den Vergnügungspark auf dem Gelände des früheren Kaisergartens anlegen lassen, auf rund 50.000 Quadratmetern, mit Kanälen, auf denen Gondeln fuhren. Den Kanal legte in wenigen Wochen der Bauunternehmer Gustav Bruck an, der schon den Hochstrahlbrunnen gebaut hatte. Am Abend des 22. Mai 1895 wurde eröffnet. Der erste Tag brachte der Rettungsgesellschaft und den Opfern des Erdbebens von Laibach eine hübsche Summe.

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Um 1900: Venedig, Riesenrad und die Au

Das Riesenrad im Mondschein, um 1898

Das Riesenrad im Mondschein, um 1898

Carl Ledermann jun., um 1898. Wien Museum, CC0

Alles ist bläulich eingefärbt, oben steht ein Mond, links ragt das Riesenrad über Bäume und Dächer, vorne zieht eine Straße mit Fuhrwerken vorbei. „Wien: K. k. Prater mit Riesenrad in ‚Venedig in Wien‘“ steht in roter Schrift auf der Ansichtskarte von Carl Ledermann junior, um 1898.

1897 entstand das Rad auf dem Gelände von Steiners Venedig. Errichten ließ es der englische Ingenieur Walter Basset, gebaut wurde rund acht Monate lang, am 3. Juli 1897 war die Eröffnung. Was es seither überstanden hat, erzählt unser Text über das Riesenrad.

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Um 1900: Venedig, Riesenrad und die Au

Der grüne Prater, 1901

Der grüne Prater, 1901

Tina Blau, 1901. MAK – Museum für angewandte Kunst, Public Domain

Hohe, schlanke Bäume, frisches Grün, dazwischen eine Wiese und ein Stück Himmel, kein Mensch weit und breit. „Aus dem Prater“ ist eine Farblithografie von Tina Blau, erschienen 1901 in der Mappe „Wiener Künstlerlithographien“.

Blau, 1845 in Wien geboren, lernte privat, an der Akademie durften Frauen damals nicht studieren. Berühmt wurde sie 1882 fast über Nacht mit dem Gemälde „Frühling im Prater“. Neben dem Rummel gab es immer auch diesen Prater: die Au mit ihren alten Bäumen. Und das Versprechen von 1766 gilt bis heute. Der Prater ist rund um die Uhr zugänglich, Eintritt zahlt man keinen.

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