Objekte
January 26, 2022
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Albertina

Frau mit Katze: Max Beckmanns Bild aus dem Exil in der Albertina

1942 malt Max Beckmann im Amsterdamer Exil eine Frau mit einer Katze im Arm. Kunstvermittlerin Franziska Gänsler erklärt in der Albertina, warum diese friedliche Szene fast ganz aus Schwarz besteht.

Frau mit Katze: Max Beckmanns Bild aus dem Exil in der Albertina
Foto: C.Stadler/Bwag, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein rundes Tischchen, darauf ein aufgeschlagenes Buch und eine Vase mit Blumen, die fast die gesamte Bildhöhe einnehmen. Dahinter eine Frau mit gesenktem Blick, eine Katze im Arm, ein angeschnittener Raum, eine gelbe Wand, vielleicht ein Fenster. Das Gemälde ist beinahe ganz in Schwarz und Grau gehalten; nur das blonde Haar der Frau, ihr helles Kleid, das Buch, die Blüten und ein Stück der Rückwand bilden eine helle Diagonale durch die Dunkelheit. Nichts an dieser Szene wirkt bedrohlich – und genau das ist das Erstaunliche an einem Bild aus dem Jahr 1942.

„Frau mit Katze“ hängt in der Albertina, in der Sammlung Batliner. Franziska Gänsler, Kunstvermittlerin am Haus, stellt dem Werk die Innenräume gegenüber, die Max Beckmann rund um den Ersten Weltkrieg gemalt hat. In einem Bild wie „Die Nacht“ (1918/19) dringt das Grauen des Krieges in die Stube ein, die Wohnung wird zum Ort der Gewalt. Das Bild von 1942 ist dagegen ruhig, fast friedlich.

Schwer zu sagen ist, was es überhaupt zeigt. Porträt, Stillleben oder Interieur – keine dieser Kategorien greift, weil Gegenstände, Personen und Lebewesen im Bildraum gleichberechtigt nebeneinander stehen. Die Blumen beanspruchen so viel Platz wie die Frau, die Katze ist so präsent wie das Buch.

Entstanden ist das Werk im Exil. 1937 führten die Nationalsozialisten Beckmann als „entartet“, er verließ Deutschland und ging nach Amsterdam. Dort lebte er mit seiner Frau Mathilde, genannt Quappi, sehr isoliert; nach dem deutschen Einmarsch in die Niederlande 1940 zogen sich die beiden fast völlig zurück, in ständiger Sorge, aufzufallen. Gänsler beschreibt das als „im Grunde auch eine Art Lockdown“ – ein Vergleich, der zu den dunklen Farben passt. Zu sehen ist ein Raum mit abgedunkelten Fenstern, in dem ein Buch und eine Katze zu den wenigen Möglichkeiten des Zeitvertreibs gehört haben dürften.

Die Welt draußen kommt einzig über die Blumen herein, und sie kommt nicht harmlos. Die überdimensionierten Blüten sehen aus wie stark vergrößerte Herbstzeitlosen – giftige Pflanzen, die dann blühen, wenn alles andere verwelkt. Wer den Strauß einmal so gelesen hat, sieht auch die friedliche Interieurszene anders.

Beckmann und Quappi verließen Europa nach dem Krieg und wanderten in die USA aus. Acht Jahre nach diesem Bild, 1950, starb er in New York. Geblieben ist eine Innenraumszene, in der Zuflucht und Eingesperrtsein nicht mehr voneinander zu trennen sind. Sie zeigt eine Frau, ein Tier und ein Buch in einem Zimmer, aus dem niemand hinausgehen kann – und macht daraus kein Drama, sondern einen Alltag.