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October 29, 2026
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Kapuzinergruft

Wo ist Otto von Habsburg begraben? Ein Grab in Wien, ein Herz in Ungarn

1916 stieg der vierjährige Kronprinz Otto bei der Krönung seines Vaters in Budapest auf seinen Stuhl, um besser zu sehen. König wurde er nie. Begraben ist er in Wien, sein Herz liegt in Ungarn.

Wo ist Otto von Habsburg begraben? Ein Grab in Wien, ein Herz in Ungarn
Krönung Kaiser Karl I. zum ungarischen König Karl IV. in Budapest: Eintreffen vor der Matthias-Kirche in der Burg, 1916, Verlag R. Lechner (Wilh. Müller), Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Am Samstag, dem 30. Dezember 1916, wurde in der Matthiaskirche auf dem Burgberg von Budapest Kaiser Karl, seit wenigen Wochen auf dem Thron, auch zum König von Ungarn gekrönt. Rechts vom Hauptaltar, in einem Oratorium, saß sein Sohn, vier Jahre alt, in Begleitung seines Erziehers, des Grafen Wallis. Der kleine Kronprinz sei sehr lebhaft gewesen, berichtete die Neue Freie Presse am nächsten Tag. Er „stieg wiederholt auf seinen Stuhl“, um besser in die Kirche zu sehen. Am Abend, auf dem Bahnhof, wollte er allein die ziemlich hohen Stufen ins Zugabteil hinaufklettern. Er schaffte es nicht.

Der Bub hieß Otto. Er wurde 98 Jahre alt, und König wurde er nie. Otto von Habsburg ist in der Kapuzinergruft in Wien begraben, seit dem 16. Juli 2011, neben seiner Mutter Zita und seiner Frau Regina. Sein Herz aber liegt in Ungarn: in einer silbernen Urne in der Benediktiner-Erzabtei Pannonhalma, beigesetzt am Tag nach dem Begräbnis in Wien.

Kronprinz mit vier Jahren

Geboren wurde Otto am 20. November 1912 in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax, als ältester Sohn von Erzherzog Karl und Zita von Bourbon-Parma. Am Tag nach seinem vierten Geburtstag, am 21. November 1916, starb Kaiser Franz Joseph. Ottos Vater wurde Kaiser, Otto Kronprinz. Das blieb er nicht lange. Im November 1918 zerbrach die Monarchie, Karl verzichtete auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften. 1919 ging die Familie ins Exil, zuerst in die Schweiz. Am 3. April 1919 beschloss die junge Republik das Habsburgergesetz: Es verwies die Familie des Landes, solange sie nicht auf ihre Herrschaftsansprüche verzichtete. Am selben Tag schaffte das Adelsaufhebungsgesetz alle Adelstitel ab. Damit war der Kronprinz auch auf dem Papier Geschichte.

Postkarte „Der Kronprinz!“ mit Kronprinz Otto von Österreich, Arthur Floeck, 1917, Wien Museum.
Arthur Floeck, „Der Kronprinz!“, Postkarte mit Kronprinz Otto, 1917. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

1921 versuchte Karl zweimal vergeblich, in Ungarn wieder auf den Thron zu kommen. Danach wurde er nach Madeira verbannt. Dort starb er im April 1922, Otto war neun. Begraben ist Karl bis heute in Funchal. Die Familie zog nach Lequeitio im spanischen Baskenland, im Oktober 1929 nach Belgien. Mit seiner Volljährigkeit am 20. November 1930 wurde Otto Oberhaupt des Hauses Habsburg. Er studierte in Löwen und wurde dort 1935 promoviert.

Gegen Hitler, gegen das Habsburgergesetz

Im Februar 1938 drängte Otto den österreichischen Bundeskanzler Kurt Schuschnigg in einem Brief, sich gegen den Anschluss an Hitlers Deutsches Reich zu wehren. Schuschnigg lehnte ab. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen im März 1938 ließen die Nationalsozialisten Otto wegen Hochverrats steckbrieflich suchen, sein Vermögen wurde auf Hitlers Befehl enteignet. 1940 floh die Familie aus Belgien über Frankreich, Spanien und Portugal in die USA. 1951 heiratete Otto in Nancy Regina von Sachsen-Meiningen. Das Paar bekam sieben Kinder, ab 1954 lebte die Familie in Pöcking am Starnberger See.

Nach Österreich durfte er nicht. Am 31. Mai 1961 unterschrieb er die Erklärung, die das Habsburgergesetz für eine Einreise verlangte: Verzicht auf alle Herrschaftsansprüche. Was folgte, ging als „Habsburg-Krise“ in die Geschichte ein. Der Verfassungsgerichtshof erklärte sich für unzuständig, der Verwaltungsgerichtshof hielt die Erklärung 1963 für ausreichend, SPÖ und FPÖ stimmten im selben Jahr im Nationalrat gegen eine Rückkehr. Erst die ÖVP-Alleinregierung stellte ihm 1966 einen Pass aus. Am 31. Oktober 1966 reiste Otto zum ersten Mal legal nach Österreich ein. Zwei Tage später streikten aus Protest rund 250.000 Arbeitnehmer. 1972 gaben er und der SPÖ-Bundeskanzler Bruno Kreisky einander in Wien die Hand.

Ein Picknick an der ungarischen Grenze

Otto hatte längst eine andere Aufgabe. Seit 1936 war er Mitglied der Paneuropa-Union, einer Bewegung für ein geeintes Europa, von 1973 bis 2004 ihr internationaler Präsident. Von 1979 bis 1999 saß er für die CSU im Europäischen Parlament, zweimal war er dort Alterspräsident.

Otto von Habsburg bei einer Rede im Kornmarkttheater in Bregenz, Schwarz-Weiß-Fotografie, 1979.
Oskar Spang, Rede von Otto von Habsburg im Kornmarkttheater in Bregenz, 1979. – Bild: Stadtarchiv Bregenz / Vorarlberger Landesbibliothek, CC BY 4.0, via Kulturpool

Am 19. August 1989 sollte an der Grenze zwischen Sankt Margarethen im Burgenland und Sopron ein Tor im Eisernen Vorhang, an der alten Pressburger Landstraße, für drei Stunden aufgehen, für ein „Paneuropäisches Picknick“. Die Idee stammte von Otto von Habsburg und Oppositionellen des Ungarischen Demokratischen Forums. Schirmherren waren er und der ungarische Staatsminister Imre Pozsgay. Otto selbst kam nicht, seine Tochter Walburga vertrat ihn. In Ungarn warteten in diesem Sommer Tausende DDR-Bürger auf eine Gelegenheit, in den Westen zu kommen. Die Paneuropa-Union ließ Tausende Flugzettel verteilen. Noch vor dem offiziellen Beginn um 15 Uhr kamen die ersten DDR-Bürger ans Tor. Der ungarische Grenzoffizier Árpád Bella ließ seine Leute nicht eingreifen. An diesem Tag gingen 600 bis 700 Menschen in den Westen. Helmut Kohl sagte später, Ungarn habe den „ersten Stein aus der Mauer geschlagen“.

Ein Grab in Wien, ein Herz in Pannonhalma

Otto von Habsburg starb am 4. Juli 2011 in Pöcking. Requien in Pöcking, in München und in der Basilika Mariazell gingen voraus, ehe der Sarg nach Wien kam. Am 16. Juli feierte Kardinal Christoph Schönborn im Stephansdom das Requiem, unter den rund tausend geladenen Gästen waren mehrere Könige. Danach zog ein Trauerzug von mehr als einem Kilometer durch die Innere Stadt zur Kapuzinerkirche. Vor ihrer Tür klopfte ein Herold an und bat um Einlass. Zweimal zählte er Ottos Titel und Würden auf, zweimal blieb die Tür zu. Erst als er Otto einen sterblichen, sündigen Menschen nannte, ging sie auf. Woher diese Szene kommt und wie alt sie ist, erzählt unser Text über die Kapuzinergruft.

In der Gruft liegt Otto bei seiner Mutter Zita und bei Regina, die 2010 gestorben war. Ihr Sarg wurde aus der Familiengruft auf der Veste Heldburg in Thüringen nach Wien gebracht, ihr Herz blieb dort. Dass ein Habsburger Herz und Körper getrennt bestatten lässt, hat Tradition, die Herzen Dutzender Habsburger stehen in der Herzgruft der Augustinerkirche. Ottos Herz kam nach Ungarn. Am Abend des 17. Juli trugen seine Söhne Karl und Georg die silberne Urne in Pannonhalma in die Krypta, umwunden von einem Kranz in Rot, Weiß und Grün. So hatte es Otto gewollt, als Zeichen seiner Verbundenheit mit Ungarn.

In derselben Abtei liegt eine Frau, die einmal Kaiserin werden sollte: Stephanie, die Witwe von Kronprinz Rudolf. Sie starb dort 1945 auf der Flucht vor der Roten Armee. Und Ungarn, das Land, in dem der vierjährige Otto auf seinen Stuhl stieg, um die Krönung seines Vaters zu sehen, und an dessen Grenze 1989 ein Tor aufging, bekam am Ende das Herz des Kronprinzen, der nie König wurde.

Die Kapuzinergruft ist täglich geöffnet, aktuelle Zeiten, Preise und Führungen stehen auf kapuzinergruft.com. Mehr zum Haus steht auf unserer Seite zur Kapuzinergruft.

Kapuzinergruft · Tegetthoffstraße 2, Neuer Markt, 1010 Wien