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October 29, 2026
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Kapuzinergruft

Kaiserin Zita: Das letzte Kaiserbegräbnis in Wien und ein Herz in Muri

Am 1. April 1989 fährt ein schwarzer Leichenwagen aus der Wagenburg Kaiserin Zita zur Kapuzinergruft. 73 Jahre vorher war sie im Trauerzug hinter demselben Wagen gegangen, beim Begräbnis Franz Josephs. Das Leben der letzten Kaiserin Österreichs, von der Hochzeit in Schwarzau bis zum Grab in Wien.

Kaiserin Zita: Das letzte Kaiserbegräbnis in Wien und ein Herz in Muri
Verlag R. Lechner (Wilh. Müller), Begräbnis Kaiser Franz Joseph I.: Der Prunkleichenwagen mit dem Sarg am Heldenplatz, 1916, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Samstag, 1. April 1989, Wien. Kurz bevor der Trauerzug losgeht, zieht über dem Stephansplatz ein Gewitter auf, Platzregen geht nieder. Im Dom ist das Requiem für Zita zu Ende, die letzte Kaiserin Österreichs und Witwe des letzten Kaisers, Karl I. Sie ist mit 96 Jahren gestorben. Es wurden Teile aus Mozarts Requiem gespielt, Fürbitten in sieben Sprachen gelesen, zum Schluss erklang die alte Kaiserhymne. Das Fernsehen überträgt live. Rund 40.000 Menschen stehen nach Schätzung der Polizei an den Straßen der Innenstadt, auch aus Ungarn, Italien und Jugoslawien sind sie gekommen. Vor dem Dom wartet ein schwarzer Leichenwagen mit schwarzen Pferden. Er ist längst ein Museumsstück und wurde für diesen Tag aus der Kaiserlichen Wagenburg in Schönbrunn geholt.

Kaiserin Zita ist seit diesem Tag in der Kapuzinergruft in Wien begraben, in der Gruftkapelle. Ihr Herz liegt woanders: im Kloster Muri in der Schweiz, neben dem Herzen ihres Mannes Karl I., der selbst auf Madeira begraben ist. Und den Leichenwagen kannte sie: 73 Jahre vorher, 1916, war sie beim Begräbnis von Kaiser Franz Joseph im Trauerzug hinter ihm gegangen.

1916: Hinter dem Leichenwagen von Kaiser Franz Joseph

Am 30. November 1916 wurde Kaiser Franz Joseph begraben. Er war am 21. November nach 68 Jahren auf dem Thron gestorben, sein Großneffe Karl folgte ihm als Kaiser. Um 3 Uhr hielt der achtspännige Leichenwagen vor dem Stephansdom, so berichtete das „Neue Wiener Tagblatt“. Der Reporter sah ihn „ohne Blumen, schwarz und düster“ seines Weges ziehen. Im Trauerzug gingen der neue Kaiser Karl und die neue Kaiserin Zita, 24 Jahre alt und verschleiert, an ihrer Seite der kleine Kronprinz Otto. Der Bub, schrieb das Blatt, versuchte mit seinen kleinen Füßen Schritt zu halten.

Kaiser Karl, Kaiserin Zita und Kronprinz Otto hinter dem Sarg Kaiser Franz Josephs, 1916
Kaiser Karl und Kaiserin Zita mit dem Kronprinzen hinter dem Sarg Kaiser Franz Josephs, Druckgrafik, 1916. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Gebaut hatte die Hofsattlerei den neobarocken Wagen 1876/77, für die Begräbnisse regierender Mitglieder des Kaiserhauses. Er fuhr 1884 Kaiserin Maria Anna, die Witwe von Kaiser Ferdinand I., 1889 Kronprinz Rudolf, 1898 Kaiserin Elisabeth und 1916 Franz Joseph. Heute gehört er zur Wagenburg. Für Zita wurde er 1989 noch einmal angespannt.

Zitas Hochzeit 1911, mit Fliegern über Schwarzau

Zita kam am 9. Mai 1892 in der Villa Pianore bei Lucca zur Welt, als 17. von 24 Kindern des Herzogs Robert I. von Parma. Sie ging in Zangberg in Oberbayern ins Internat und später in ein Kloster auf der Isle of Wight. 1909 begegnete sie in Franzensbad Erzherzog Karl, einem Großneffen von Kaiser Franz Joseph, den sie von früher kannte. Am 13. Juni 1911 wurde die Verlobung bekanntgegeben.

Geheiratet wurde am Samstag, dem 21. Oktober 1911, in der Schlosskapelle von Schwarzau am Steinfeld in Niederösterreich. Franz Joseph kam aus Wien und brachte den Trinkspruch aus, Franz Ferdinand war Trauzeuge. Das „Vaterland“ schwärmte vom Sonnenschein und vom Jubel der Leute, die herbeigeströmt waren. Flieger aus Wiener Neustadt brachten dem Kaiser und dem Brautpaar ihre Huldigung in der Luft dar, ein Gruß aus der neuen Zeit. Knapp vor vier Uhr fuhr das Paar im Automobil nach Schloss Wartholz bei Reichenau.

Erzherzog Karl und Zita bei ihrer Hochzeit 1911, neben dem Brautpaar Kaiser Franz Joseph I. und Maria Josepha von Sachsen
Heinrich Schuhmann, Erzherzog Karl und Zita bei ihrer Hochzeit, neben ihnen Kaiser Franz Joseph I. und Maria Josepha von Sachsen, 1911. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Fünf Jahre später war Zita Kaiserin. Am 30. Dezember 1916 wurde sie in Budapest zusammen mit Karl gekrönt, zur Königin von Ungarn. Im Wagen saß Otto zwischen den Eltern, notierte „Die Neue Zeitung“. Zwei Jahre später, im November 1918, war mit dem Ersten Weltkrieg auch die Monarchie zu Ende. Wie Karl am 11. November 1918 in Schönbrunn auf die Regierung verzichtete, ohne abzudanken, erzählen wir in Der letzte Kaiser Österreichs.

Exil und 67 Jahre Trauer

Für Zita begann ein Leben auf Reisen, die sie sich nicht ausgesucht hatte. 1919 ging es vom Jagdschloss Eckartsau, wohin die Familie im November 1918 gezogen war, in die Schweiz, zuerst nach Wartegg am Bodensee, dann nach Prangins am Genfersee. Im Oktober 1921 flog sie mit Karl nach Ungarn, beim zweiten Versuch, die Krone zurückzuholen. Er scheiterte, das Paar wurde nach Madeira verbannt. Dort starb Karl am 1. April 1922. Zita war mit dem achten Kind schwanger. Sie zog mit den Kindern nach Spanien, wo am 31. Mai 1922 Tochter Elisabeth zur Welt kam.

Danach lebte Zita zunächst in Lekeitio im spanischen Baskenland, ab 1929 in Belgien, nach dem deutschen Einmarsch 1940 in den USA und in Québec, später in Luxemburg und zuletzt in Zizers in Graubünden. Sie trug 67 Jahre lang Schwarz, Trauer um Karl. Sein Herz bewahrte sie in einer silbernen Urne auf, bis sie es 1971 dem Kloster Muri anvertraute. Österreich durfte sie nicht betreten: Das Habsburgergesetz von 1919 verwies die Familie des Landes, wenn sie nicht auf ihre Ansprüche verzichtete.

Das änderte sich erst 1982, kurz nach ihrem 90. Geburtstag. Bundeskanzler Bruno Kreisky machte den Weg frei. Juristen im Kanzleramt hatten herausgefunden, dass das Habsburgergesetz für sie als Angeheiratete gar nicht galt. So musste Zita auch keine Verzichtserklärung unterschreiben, die sie ohnehin abgelehnt hätte. Am 1. September 1982 besuchte sie Mariazell, im November feierte Kardinal Franz König mit ihr eine Dankmesse im Stephansdom.

Wo ist Kaiserin Zita begraben?

Zita starb am 14. März 1989 in Zizers, 96 Jahre alt. Ihr Leichnam wurde zuerst in Muri aufgebahrt, dann nach Wien gebracht. Das Begräbnis fiel auf den 1. April, den Todestag Karls. Mehr als 200 Angehörige der Familien Habsburg und Bourbon-Parma kamen. Otto von Habsburg führte die Trauergäste an, Bundespräsident Kurt Waldheim war da. An der Kirchentür der Kapuziner wurde angeklopft. Als zuerst Zitas Titel aufgezählt wurden, kam von drinnen die Antwort, man kenne sie nicht. Erst als nur noch „ein sterblicher und sündiger Mensch“ Einlass begehrte, öffnete sich die Tür. Bei diesem Begräbnis ist das Ritual zum ersten Mal sicher bezeugt. Die ganze Geschichte des Anklopfens steht bei der Kapuzinergruft.

Zitas Sarg steht in der Gruftkapelle. Später wurden dort auch ihre Söhne Carl Ludwig und Otto mit seiner Frau Regina beigesetzt. Ihr Herz kam am 17. Dezember 1989 nach Muri und wurde direkt unter dem Herzen Karls bestattet. Die alte Wiener Sitte, Habsburgerherzen in der Herzgruft der Augustinerkirche beizusetzen, war da längst aufgegeben. Muri passt trotzdem: Das Kloster im Aargau haben 1027 Graf Radbot, einer der ersten Habsburger, und seine Frau Ita von Lothringen gegründet, nicht weit von der Habsburg, der Stammburg der Familie. Seit 2009 läuft für Zita ein Seligsprechungsverfahren, die Kirche nennt sie seither „Dienerin Gottes“.

Und der schwarze Wagen? Der steht wieder in der Kaiserlichen Wagenburg in Schönbrunn. Das Kunsthistorische Museum, zu dem die Wagenburg gehört, zählt seine Fahrten auf: Maria Anna, Rudolf, Elisabeth, Franz Joseph, und zuletzt, am 1. April 1989, Zita. Die junge Frau, die 1916 hinter ihm hergegangen war, ist die Letzte, die er gefahren hat.

Die Kapuzinergruft liegt am Neuen Markt; die aktuellen Öffnungszeiten stehen auf kaisergruft.at. Der schwarze Leichenwagen ist in der Kaiserlichen Wagenburg in Schönbrunn ausgestellt.

Kapuzinergruft · Tegetthoffstraße 2, 1010 Wien

Kaiserliche Wagenburg · Schloss Schönbrunn, 1130 Wien

Quellen und Links