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Katakomben des Stephansdoms: Die Eingeweide der Habsburger und ein Friedhof unter dem Platz

Am 12. März 1878 brachte ein Trauerwagen einen Kessel mit den Eingeweiden von Erzherzog Franz Karl in den Stephansdom. Es war die letzte Urne für die Katakomben unter dem Dom, die mit einem Herzog begonnen hatten und mit einem Friedhof weitergingen.

Katakomben des Stephansdoms: Die Eingeweide der Habsburger und ein Friedhof unter dem Platz
Ferdinand Küss, Erzherzog Franz Karl Joseph von Österreich (1802–1878), um 1870, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Am Dienstag, dem 12. März 1878, regnete es in Wien, mit Schnee und Hagel vermischt. Gegen zwei Uhr nachmittags, als der Himmel kurz aufriss, hoben Kammerdiener in der Hofburgkapelle einen Kessel ab. Darin lagen die Eingeweide von Erzherzog Franz Karl, dem Vater von Kaiser Franz Joseph, der vier Tage zuvor gestorben war. Sie trugen ihn zu einem Trauerwagen, und der kleine Zug fuhr über den Kohlmarkt und den Graben zum Stephansdom. Dort wurde der Kessel noch einmal eingesegnet und in der Herzogsgruft beigesetzt, tief unter dem Chor.

Franz Karl wurde dreifach bestattet, wie es das Hofprotokoll vorsah: Sein Herz kam in die Herzgruft der Augustinerkirche, sein Leichnam noch am selben Nachmittag in die Kapuzinergruft, die Eingeweide in die Katakomben des Stephansdoms. Seit 1564 hatte man dort die Eingeweide verstorbener Habsburger beigesetzt. Franz Karls Urne war die letzte. Heute stehen 62 solcher Urnen in der Herzogsgruft.

Ein Herzog und seine Familiengruft

Angefangen hat die Unterwelt des Doms mit einem jungen Herzog. Rudolf IV., der 1359 den Grundstein für den gotischen Ausbau gelegt hatte, ließ vor 1363 unter dem Mittelchor eine Gruft für seine Familie anlegen. Er starb am 27. Juli 1365 in Mailand, mit 25 Jahren, und wurde in einem Kupfersarg in seiner eigenen Gruft beigesetzt.

Bis 1576 blieb die Herzogsgruft die wichtigste Grablege der Habsburger. Hier liegen unter anderem Albrecht III., Albrecht IV. und Leopold IV. Auch Kaiser Friedrich III. wurde zuerst hier bestattet, bis sein Hochgrab oben im Stephansdom fertig war. Ab 1633 wurde die Kapuzinergruft zur Grablege der Familie, in den Dom kamen nun vor allem Urnen. Als Ferdinand IV. 1654 starb, wurde er auf drei Orte verteilt, und dabei blieb es: 33 Habsburger liegen heute an allen drei Stellen. 1754 standen in der kleinen Gruft zwölf Sarkophage und 39 Urnen. Deshalb wurde sie 1754/55 erweitert.

Vom Friedhof unter die Kirche

Die Toten der Stadt lagen lange nicht unter, sondern rund um den Dom. Die ältesten Gräber am Stephansfreithof reichen ins 9. Jahrhundert zurück. Auch Georg Franz Kolschitzky, der Kundschafter aus der Türkenbelagerung, wurde hier begraben. Knochen aus älteren Gräbern kamen in ein Gebeinhaus, ab 1486 diente dafür ein Keller des Deutschordenshauses nebenan.

Ansichtskarte des Stephansdoms mit der Kapistrankanzel und dem Eingang in die Katakomben, 1921 bis 1925.
Wiener Kunstverlag E. Schreier, Stephansdom, Kapistrankanzel, rechts der Eingang in die sogenannten Katakomben, Ansichtskarte, 1921–1925. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

1732 ließ Kaiser Karl VI. den Friedhof für Begräbnisse sperren. Dem Dom gingen damit erhebliche Begräbnisgebühren verloren. 1745 bekam die Kirche die Erlaubnis, unter dem Dom große neue Grufträume anzulegen. Bis 1779 entstanden Gewölbe unter dem ganzen Chor und dem Querschiff und sogar unter Teilen des Stephansplatzes. Zwischen 1745 und 1783 wurden darin 10.893 Tote bestattet. Dann war Schluss: Ende 1783 verbot ein Hofdekret Josephs II. Begräbnisse in Kirchen und Grüften, im August 1784 wurden die Grüfte geschlossen. Die Gräber auf dem alten Friedhof hatte man 1783 beseitigt, bedeutende Grabsteine kamen an die Fassade des Doms.

Lagen hier Pesttote? Eine Legende mit falschem Datum

In Reiseportalen liest man eine schaurigere Geschichte. Bei einer Pest im Jahr 1735 seien die Leichen in Gruben unter dem Dom geworfen worden, später hätten Häftlinge die Knochen sortieren und schlichten müssen. Belegen lässt sich das nicht. Mit der Epidemie von 1713 verschwand die Pest aus Mitteleuropa, eine Pest im Jahr 1735 kennt die Wiener Stadtgeschichte nicht. Die meisten Knochen in den Katakomben stammen aus Zweitbestattungen, also aus Gräbern des alten Friedhofs am Stephansplatz.

Wie aus den Grüften Katakomben wurden

Den Namen Katakomben, bekannt von den frühchristlichen Grabanlagen in Rom, bekamen die Grüfte erst im 19. Jahrhundert. Damals ließ man vereinzelt Besucher hinunter, 1836 etwa Frances Trollope und 1841 Adalbert Stifter. Nach ihren Schilderungen verbot Erzbischof Vinzenz Eduard Milde die Besuche. 1865 veröffentlichte Moritz Bermann erfundene Schauergeschichten über die Katakomben, die gern gelesen wurden.

Fotografie aus den Katakomben des Stephansdoms, um 1910.
Leopold Senfelder, Stephansdom, Katakomben, Fotografie, um 1910. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Dann kam das Wasser. Nach dem Bau der Ersten Hochquellenleitung, die Wien frisches Wasser aus den Bergen brachte, stieg der Grundwasserspiegel, und in die Katakomben drang Feuchtigkeit. 1872/73 wurden sie geräumt. Särge und Gebeine kamen in kleinere Gewölbe, die man zumauerte, oder wurden vergraben. Nur die Herzogsgruft blieb unangetastet. Fünf Jahre später stellte man dort Franz Karls Urne dazu.

1951 entstand unter dem Südchor eine neue Bischofsgruft nach Plänen von Dombaumeister Karl Holey. Dort liegt auch Kardinal Franz König, beigesetzt 2004. 1956 wurden die Urnen der Herzogsgruft in Schränke im alten Gruftraum gestellt.

Ein Paket für den Dom

Hinunter kommt man heute nur mit einer Führung. Und manchmal kommt etwas zurück. Im Herbst 2025 lag auf dem Schreibtisch des Dombaumeisters ein verschnürtes Paket ohne genauen Absender. Darin war ein Schädel, den ein Mann aus Norddeutschland vor rund 60 Jahren als junger Tourist bei einer Katakombenführung eingesteckt hatte. Im Begleitbrief schrieb er, er wolle mit sich ins Reine kommen. Wem der Schädel gehört hatte, lässt sich nicht mehr feststellen. Er wurde wieder bestattet. Die letzte Urne der Habsburger war 1878 noch mit Trauerwagen und Einsegnung in den Dom gebracht worden. Der jüngste Rückkehrer kam mit der Post.

Den Domschatz zeigt das Dom Museum Wien gleich nebenan am Stephansplatz.

Katakomben des Stephansdoms · Stephansplatz 3, 1010 Wien. Besichtigung nur im Rahmen einer öffentlichen Führung, Treffpunkt im Dom.

Quellen und Links

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