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October 29, 2026
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Klimt im Burgtheater: Das Selbstporträt an der Decke der Feststiege

Am 14. Oktober 1888 eröffnet das neue Burgtheater, über den Stiegen schauen drei junge Maler aus einem Deckenbild zu. Einer davon ist Gustav Klimt.

Klimt im Burgtheater: Das Selbstporträt an der Decke der Feststiege
Gustav Klimt, Das Theater Shakespeares, 1886–1888, Deckengemälde im Burgtheater Wien · gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Am 14. Oktober 1888, einem Sonntag, eröffnete Wien sein neues Burgtheater am Ring. Kaiser Franz Joseph saß in der Festloge, Adolf von Sonnenthal sprach als „Geist des alten Burgtheaters“ den Prolog. Er mündete in die Volkshymne, und der ganze Saal sang mit. Am glänzendsten aber, fand der Reporter des „Neuen Wiener Tagblatts“, war das Bild auf den beiden Treppen in den Seitenflügeln, wo das Publikum auf- und abstieg. Über den Köpfen der Gäste hingen neue Deckenbilder. Auf einem davon stehen drei Männer im Publikum eines alten Londoner Theaters und schauen zu: Gustav Klimt, sein Bruder Ernst und ihr Kompagnon Franz Matsch, die Maler selbst.

Wo Klimts Bilder im Burgtheater hängen

Wo sind Klimts Bilder im Burgtheater? Nicht an den Wänden, sondern an den Decken der beiden Feststiegen, der Stiegenhäuser in den Seitenflügeln des Hauses. Zehn Bilder malten die drei für diese Decken, vier davon stammen von Gustav Klimt. Auf der Seite zum Volksgarten sind es „Der Altar des Dionysos“, „Der Thespiskarren“ und „Shakespeares Globe-Theater“, auf der Seite zum Café Landtmann „Das Theater in Taormina“, mit rund 30 Quadratmetern Klimts größtes Deckengemälde. Ernst Klimt malte eine Szene von Molière und den Hanswurst auf der Jahrmarktsbühne, die übrigen Bilder sind von Franz Matsch. Zu sehen sind sie bei den Führungen durch das Haus.

Burgtheater, rechtes Stiegenhaus mit Deckengemälden, Fotografie um 1890
Burgtheater, rechtes Stiegenhaus mit den Deckengemälden, um 1890. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Drei junge Maler im Publikum

Gustav und Ernst Klimt und Franz Matsch arbeiteten seit Anfang der 1880er-Jahre als Ateliergemeinschaft zusammen, als Künstler-Compagnie. 1886 bekamen sie den Auftrag für die Stiegenhäuser des Burgtheaters, ihren ersten großen Staatsauftrag. Gustav Klimt war damals 24, Ernst zwei Jahre jünger, Matsch knapp ein Jahr älter. Ihr Thema war die Geschichte des Theaters, von der Antike bis in die Neuzeit, und auf jedem Bild spielen Schauspieler für ihr Publikum.

Gustav Klimt wählte für das Globe-Theater die letzte Szene von „Romeo und Julia“: Romeo, der sich in der Gruft der Capulets das Leben genommen hat, neben Julia. Die vornehmsten Zuschauer sitzen seitlich auf der Bühne, die Frau unter ihnen könnte Königin Elisabeth I. sein. Unter den Zuschauern ist auch ein bärtiger Herr mit Halskrause. Das ist Gustav Klimt, und es gilt als sein einziges gemaltes Selbstporträt. Hinter ihm steht Ernst im roten Wams, zwischen den Brüdern Franz Matsch.

Für die drei war das Burgtheater der Durchbruch. Schon vor der Eröffnung schrieb die „Wiener Zeitung“ die Deckenbilder „den jungen Wiener Künstlern“ zu. Ende Oktober 1888 meldete sie, dass der Kaiser für die Mitwirkung am Bau des neuen Hofburgtheaters und an seiner künstlerischen Ausschmückung Auszeichnungen verlieh. Die Maler Ernst Klimt, Gustav Klimt und Franz Matsch bekamen das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone.

Der Zuschauerraum, von der Bühne aus gesehen

Während am Ring das neue Haus eröffnete, verschwand das alte. Das alte Burgtheater am Michaelerplatz spielte am 12. Oktober 1888 zum letzten Mal, zwei Tage vor der Eröffnung am Ring, danach wurde es abgerissen. Die Stadt Wien beauftragte Klimt und Matsch, den alten Zuschauerraum noch festzuhalten. Matsch malte die Bühne vom Zuschauerraum aus. Klimt drehte den Blick um und malte den Saal von der Bühne aus, mit fast 200 winzigen Porträts von Zuschauern, darunter viele bekannte Wienerinnen und Wiener. Für dieses Bild bekam er 1890 den Kaiserpreis. Heute gehört es dem Wien Museum.

Gustav Klimt, Zuschauerraum im Alten Burgtheater, 1888–1889
Gustav Klimt, Zuschauerraum im Alten Burgtheater, 1888–1889. – Bild: Wien Museum, CC BY, via Kulturpool

Ein Brand, den die Decken überstanden

Am 12. April 1945, am selben Tag, an dem im brennenden Stephansdom die Pummerin stürzte, brannte das Burgtheater nach einem Artillerietreffer aus. Zuschauerraum und Bühne waren verloren, die Deckenbilder über den Stiegen blieben nahezu unbeschädigt. Am 14. Oktober 1955, genau 67 Jahre nach der ersten Eröffnung, spielte das Haus am Ring wieder.

Beinahe verloren gingen dagegen die Entwürfe. 1986 stieß der Sicherheitsbeauftragte Karl Heindl beim Räumen eines Kellers im Burgtheater auf Skizzen, die beinahe entsorgt worden wären, darunter Romeos Schuh, gezeichnet von Ernst Klimt. Studien Gustav Klimts zu den Deckenbildern besitzt die Albertina.

Im Herbst 2024 drang bei einem Unwetter Wasser ein und beschädigte die Bilder über der Feststiege. Restauratorinnen und Restauratoren reinigten sie mit Wattestäbchen und destilliertem Wasser, und bis August 2026 konnten Besucher in kleinen Gruppen auf das Gerüst steigen, Klimt auf Augenhöhe. Nach dem Abbau des Gerüsts schauen die drei Maler wieder von oben zu, wie beim Eröffnungsabend 1888. Wer die Feststiege hinaufgeht, wird selbst Teil des Publikums, das sie beobachten.

Die Deckenbilder sind nur bei einer Führung durch das Burgtheater zu sehen. Termine und Karten gibt es auf burgtheater.at. Wo Klimt sonst in Wien zu sehen ist, vom Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums bis zum Kuss im Belvedere, steht in Gustav Klimt in Wien.

Burgtheater · Universitätsring 2, 1010 Wien