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October 30, 2026
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NHM Wien

Dinosaurier im Naturhistorischen Museum Wien: Vom Diplodocus des Kaisers bis zum Saurier aus Muthmannsdorf

Am 24. September 1909 besichtigte Kaiser Franz Joseph einen Diplodocus aus Gips, ein Geschenk von Andrew Carnegie. Bis heute ist er der Star unter den Dinosauriern im Naturhistorischen Museum Wien, doch einer der wenigen Dinosaurier aus Österreich ist viel kleiner.

Dinosaurier im Naturhistorischen Museum Wien: Vom Diplodocus des Kaisers bis zum Saurier aus Muthmannsdorf
Foto: Dr. Bernd Gross, Diplodocus und Allosaurus im NHM Wien, 2015 · CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Am Freitag, dem 24. September 1909, kam Kaiser Franz Joseph am Vormittag ins Naturhistorische Hofmuseum, um sich ein Geschenk anzusehen. Es war ein Tier, das vor rund 150 Millionen Jahren in Nordamerika gelebt hatte: ein Diplodocus, als Gipsabguss seines Skeletts. Geschickt hatte ihn der amerikanische Industrielle Andrew Carnegie. Der Direktor seines Museums in Pittsburgh, William J. Holland, hatte den Abguss mit seinem Assistenten Coggeshall in Wien aufgebaut. In einer Ansprache bat Holland den Kaiser, das Modell als Widmung Carnegies anzunehmen. Franz Joseph antwortete, er sei „außerordentlich erfreut über die interessante Widmung“. Holland bekam das Offizierskreuz des Franz-Joseph-Ordens, Coggeshall das goldene Verdienstkreuz mit der Krone.

Der Diplodocus steht noch immer da. Er ist das größte Objekt im Naturhistorischen Museum Wien, 27 Meter lang nach Angabe des Museums, und der Mittelpunkt des Sauriersaals, Saal 10. Um ihn herum stehen die Skelette eines Allosaurus und eines Iguanodon, dazu der Schädel eines Tyrannosaurus rex, der allein 1,5 Meter lang ist, ein Triceratops-Schädel und ein Allosaurus, der sich bewegt und brüllt.

Ein Riese aus Wyoming, in Gips gegossen

Das echte Skelett war in Wyoming ausgegraben worden und steht im Carnegie Museum in Pittsburgh. Der Paläontologe John Bell Hatcher benannte die Art 1901 nach dem Geldgeber: Diplodocus carnegii. Carnegie ließ danach Abgüsse für Museen in Europa und Südamerika anfertigen. Der erste ging nach London und wurde dort im Mai 1905 enthüllt. 1908 folgten Berlin und Paris, 1909 Wien und Bologna, später unter anderem St. Petersburg, La Plata und Madrid. Carnegie verstand die Riesen als Geschenk für die Verständigung zwischen den Ländern.

Für Wien war es nicht der erste Kontakt mit Sauriern. Das Hofmuseum am Ring hatte am 10. August 1889 eröffnet, und schon in der Planung war an die großen Tiere gedacht worden. In den Akten von Intendant Franz von Hauer liegt aus dem Jahr 1885 eine Liste von Dingen, die für die Einrichtung noch fehlten, mit einer Skizze für einen Sockel für die „großen Saurier“. Wie das prächtige Haus innen aussieht, zeigt unser Dossier zum Gebäude.

Skelett eines Iguanodon im Sauriersaal des Naturhistorischen Museums Wien, hoch aufgerichtet auf den Hinterbeinen.
Das Iguanodon in der Montage von 1908, aufgenommen 2009. – Foto: Domser, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Ein Jahr vor dem Diplodocus, 1908, war im Museum ein Iguanodon aufgestellt worden. Die Montage zeigt ein hoch aufgerichtetes Tier, das ein wenig plump wirkt. Heute weiß man, dass Iguanodon Rumpf, Hals und Schwanz waagrecht hielt und schnell laufen konnte. Den dornförmigen Daumen hielten die ersten Forscher für ein Horn auf der Nase. Die historische Montage steht bis heute im Saal.

Der Zahn auf dem Steinhaufen von Muthmannsdorf

Dinosaurierfunde sind in Österreich selten. Einer der bekanntesten ist viel kleiner als der Diplodocus. 1859 fand der Geologe Eduard Suess auf einem Steinhaufen beim Kohlebergwerk „Gute Hoffnung“ in Muthmannsdorf bei Wiener Neustadt einen Dinosaurierzahn. Suess arbeitete damals am kaiserlichen Hof-Mineralienkabinett in Wien. Mit Ferdinand Stoliczka grub er weitere Knochen aus. 1871 beschrieb Emanuel Bunzel den hinteren Teil eines Schädels, vor allem die Hirnkapsel, und gab dem Tier den Namen Struthiosaurus austriacus, „österreichische Straußenechse“. Die Hirnkapsel erinnerte ihn an die eines Vogels.

Erst 1902 erkannte Franz Nopcsa, dass Struthiosaurus ein gepanzerter Dinosaurier war. Er wurde zwei bis drei Meter lang und wog 300 bis 400 Kilogramm, ein Zwerg neben dem Diplodocus. Die Funde kamen an die Universität Wien. Und Eduard Suess wurde berühmt, aber nicht mit Sauriern: Er setzte sich jahrelang für die Erste Wiener Hochquellenleitung ein und gab bei ihrer Eröffnung 1873 das Zeichen, den Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz anzustellen.

Andere Fossilien aus Österreich hat das Museum reichlich, etwa die Zähne des Riesenhais Megalodon aus dem Wiener Becken und einen Lungenfisch-Schädel, das „Alien von Lunz am See“.

Ein Allosaurus, der brüllt

Am 5. Oktober 2011 eröffnete der neu gestaltete Sauriersaal. Seither steht in seiner Mitte ein lebensgroßes, bewegliches Modell eines Allosaurus, für viele Kinder der Höhepunkt des Besuchs. Daneben steht das Skelett eines echten Allosaurus. Es ist sechs Meter lang und stammt von einem jungen Tier, das in 150 Millionen Jahre alten Schichten in Utah gefunden wurde. Aus der Mongolei kommen zwei kleine Originalskelette von Horndinosauriern, Protoceratops und Psittacosaurus.

Lebensgroßes Modell eines Allosaurus im Sauriersaal des Naturhistorischen Museums Wien, im Hintergrund Skelette und Besucher.
Das bewegliche Allosaurus-Modell im Sauriersaal, 2013. – Foto: Wolfgang Sauber, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Viele der großen Skelette sind Abgüsse. 2021 kam ein Original dazu: ein Plateosaurus aus der Trias, eine Dauerleihgabe des Sauriermuseums Frick in der Schweiz. In seiner Präparation stecken rund 15.000 Arbeitsstunden. Rund 60 Prozent der 310 Knochen sind echt, der Rest stammt aus dem 3D-Drucker. Der Plateosaurus war zuerst Star der Sonderausstellung „KinoSaurier“ und steht seither in der Dauerausstellung, im Saal zum Erdmittelalter. In seiner Nähe ist auch Material von Struthiosaurus aus Muthmannsdorf zu sehen.

Warum Vögel Dinosaurier sind

Ein lebensgroßes Modell eines gefiederten Deinonychus zeigt, wie sehr sich das Bild der Dinosaurier gewandelt hat. Viele Arten trugen Federn. Und aus einem Zweig der Raubdinosaurier entwickelten sich vor etwa 150 Millionen Jahren die Vögel. Für die Wissenschaft sind Vögel deshalb eine Untergruppe der Dinosaurier, das Museum nennt den Kolibri den kleinsten Dinosaurier.

So war Emanuel Bunzel 1871 auf einer richtigen Spur, als er im Schädel aus Muthmannsdorf etwas Vogelartiges sah und das Tier Straußenechse nannte. Der Kaiser bestaunte 1909 einen Riesen aus Gips. Den lebenden Verwandten der Dinosaurier begegnet man heute in den Vogelsälen des Museums, Saal 29 bis 32. Die Säle 29 und 30 wurden im Herbst 2026 neu eröffnet, die Säle 31 und 32 sind wegen Umbaus geschlossen und sollen im Herbst 2027 folgen. Mehr über den Kaiser, der den Diplodocus in Empfang nahm, erzählt unser Dossier über Franz Joseph I.

Naturhistorisches Museum Wien · Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien