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November 2, 2026
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Die Habsburger in Wien: Wo man der Kaiserfamilie heute begegnet

Mehr als hundert Jahre nach dem Ende der Monarchie ziehen Reiter in der Hofburg noch den Hut vor einem Kaiser, der seit 1740 tot ist. Wo man den Habsburgern in Wien heute begegnet, Ort für Ort und Person für Person.

Die Habsburger in Wien: Wo man der Kaiserfamilie heute begegnet
Michael Frankenstein & Comp., Winterreitschule, Innenansicht, Blick durch den Reitsaal gegen die Hofloge, um 1890, Wien Museum · CC0, via Kulturpool

Wenn die Reiter der Spanischen Hofreitschule zur Schulquadrille in die Winterreitschule einziehen, nehmen sie den Zweispitz ab. Der Gruß gilt nicht dem Publikum, sondern einem Kaiser, der seit 1740 tot ist: dem Bildnis Karls VI. über der Hofloge, als Dank dafür, dass er den Saal bauen ließ. Die Monarchie ist seit 1918 Geschichte, aber Wien ist voll von solchen Spuren der Habsburger.

Die Familie herrschte mehr als sechs Jahrhunderte lang über Österreich, von 1282 bis 1918. Gewohnt und regiert hat sie in der Hofburg und in Schönbrunn, begraben ist sie vor allem in der Kapuzinergruft. Ihre Kronen liegen in der Schatzkammer, ihre Sammlungen füllen das Kunsthistorische Museum und das Weltmuseum. Auf dieser Seite stehen alle unsere Geschichten dazu, nach Orten und nach Personen. Den Überblick über die Familie selbst, von Rudolf I. bis Karl Habsburg, gibt der Habsburger Stammbaum.

Die Hofburg: Kronen, Pferde und ein Kaiserforum

Die Hofburg war der Sitz des Kaiserhofs, und vieles von dem, was die Familie dort hinterlassen hat, kann man heute sehen. Die Spanische Hofreitschule mit dem Gruß an Karl VI. ist nur ein Teil davon. In der Kaiserlichen Schatzkammer liegen die Reichskrone, mit der 1745 Maria Theresias Mann Franz Stephan gekrönt wurde, und die österreichische Kaiserkrone, mit der nie ein Kaiser gekrönt wurde. Das Sisi Museum in der Hofburg öffnet am 19. November 2026 nach dem Umbau neu. Vor der Hofburg liegt der Heldenplatz, der Teil eines riesigen Kaiserforums werden sollte, fertig wurde es nie. Und die Votivkirche am Ring ist ein steinernes Dankeschön: Ihr Bau begann, weil Kaiser Franz Joseph, damals 22 Jahre alt, 1853 ein Attentat überlebt hatte.

Was die Familie über Jahrhunderte gesammelt hat, füllt heute ganze Museen. Im Kunsthistorischen Museum zeigen sich Karl V. und Ferdinand I. auf einem Spielbrett, auf dem nie gespielt wurde, daneben Dürers Maximilian und das große Porträt, das Marie Antoinette 1779 ihrer Mutter schickte. Auf dem Platz davor thront das Maria-Theresien-Denkmal. Im Weltmuseum liegt die Federkrone des Montezuma, die um 1590 in die Kunstkammer Erzherzog Ferdinands II. auf Schloss Ambras kam, dazu knapp 10.000 Objekte von Franz Ferdinands Weltreise. Im Heeresgeschichtlichen Museum steht das Auto von Sarajevo, in dem Franz Ferdinand 1914 erschossen wurde.

Schönbrunn: wo die Herrschaft endete

In Schloss Schönbrunn unterschrieb Karl I., der letzte Kaiser, am 11. November 1918, dass er auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften verzichte. Das Wort „abdanken“ kam darin nicht vor, und abgedankt hat er nie. Über dem Schlosspark steht die Gloriette von 1775, im Park das Palmenhaus. In der Kaiserlichen Wagenburg wartet der schwarze Leichenwagen, der Rudolf, Elisabeth, Franz Joseph und zuletzt Zita zur Gruft fuhr. Für Elisabeth ließ Franz Joseph im Lainzer Tiergarten die Hermesvilla bauen.

Drei Grüfte für einen Erzherzog

Wo die Habsburger begraben sind, zeigt am besten ein einziger Nachmittag. Am Dienstag, dem 12. März 1878, wurde Erzherzog Franz Karl bestattet, der Vater von Kaiser Franz Joseph. Er hatte 1848 zugunsten seines Sohnes auf den Thron verzichtet. Begraben wurde er an drei Orten. Zuerst brachte man sein Herz aus der Hofburgpfarrkirche, wo er aufgebahrt lag, durch den Augustinergang hinüber in die Loretokapelle der Augustinerkirche. Danach trugen Kammerdiener um zwei Uhr einen Kessel mit seinen Eingeweiden in den Stephansdom. Zuletzt zog der Trauerzug mit dem Sarg über Michaeler- und Josefsplatz, durch die Augustiner- und die Tegetthoffstraße zu den Kapuzinern am Neuen Markt. So stand es am nächsten Tag in den Wiener Zeitungen.

Die Thronbesteigung Franz Josephs I. am 2. Dezember 1848, mit Erzherzog Franz Karl und Erzherzogin Sophie, Druckgrafik.
Franz Kollarz und A. Härtinger, Die Thronbesteigung Franz Josephs I. am 2. Dezember 1848, mit Erzherzog Franz Karl und Erzherzogin Sophie, 1848/49. – Bild: Wien Museum, CC0, via Kulturpool

Dass ein toter Habsburger geteilt wurde, hatte zuerst einen praktischen Grund. Ehe man Leichen mit Formaldehyd haltbar machen konnte, ließ sich ein Körper nur dann einige Tage aufbahren, wenn man Herz und Eingeweide entnahm. Dazu kam ein zweiter, religiöser Grund: Das Herz galt als edelster Teil des Menschen und sollte einen eigenen, würdigen Platz bekommen. Franz Karl war der letzte Habsburger, den man nach diesem alten Hofprotokoll in drei Teilen bestattete.

Alle drei Orte kann man besuchen. In der Herzgruft der Augustinerkirche stehen 54 Urnen aus den Jahren 1618 bis 1878, die jüngste ist die von Franz Karl. Die Augustinerkirche war auch die Hochzeitskirche der Familie: Hier heirateten 1736 Maria Theresia und Franz Stephan, 1854 Franz Joseph und Elisabeth. In der Herzogsgruft unter dem Stephansdom, heute Teil der Katakomben, stehen seit 1564 die Urnen mit den Eingeweiden, 62 sind es, die letzte ist ebenfalls die von Franz Karl.

Die Körper ruhen in der Kapuzinergruft. Seit 1633 wurden dort rund 150 Menschen beigesetzt, darunter 12 Kaiser und 19 Kaiserinnen. Maria Theresia liegt mit ihrem Mann in einem prunkvollen Doppelsarg, Franz Joseph neben Elisabeth und Rudolf. Berühmt ist das Anklopfen an der Kirchentür: Der Herold zählt die Titel des Toten auf, und erst als „sterblicher und sündiger Mensch“ wird er eingelassen. So schön die Szene ist, sicher bezeugt ist sie erst beim Begräbnis von Kaiserin Zita 1989. Wer nicht in der Gruft liegt, hat eine eigene Geschichte dazu: Karl I. ist auf Madeira begraben, der Thronfolger Franz Ferdinand in Artstetten. Und von Otto von Habsburg, der 2011 als bisher Letzter mit dem alten Zeremoniell in die Gruft kam, liegt dort nur der Körper. Sein Herz ruht in Ungarn. Von der Augustinerkirche über den Stephansdom zum Neuen Markt braucht man zu Fuß keine halbe Stunde und steht dabei an drei Gräbern desselben Mannes.

Ausflüge zu den Habsburgern

Auch rund um Wien hat die Familie Spuren hinterlassen. In der Franzensburg in Laxenburg, einer Ritterburg aus dem Jahr 1801, verbrachten Franz Joseph und Elisabeth 1854 ihre Flitterwochen. Schloss Hof im Marchfeld, einst Jagdschloss Prinz Eugens, kaufte Maria Theresia 1755. In Mayerling steht, wo Kronprinz Rudolf starb, heute ein Kloster. Mariazell machten die Habsburger zu ihrem Reichsheiligtum, ab 1632 zog das Kaiserhaus in Prozessionen dorthin. Und im Stift Klosterneuburg liegt der Erzherzogshut, die einzige Insignie der Habsburger, die nicht in der Wiener Schatzkammer liegt.

Die Familie, Person für Person

Und die Familie selbst gibt es noch. Seit 2007 steht Karl Habsburg an ihrer Spitze, ein Enkel des letzten Kaisers. Gegrüßt wird in Wien trotzdem ein anderer Karl: der sechste, jedes Mal, wenn die Reiter zur Schulquadrille einziehen.